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16.11.2014

08:42 Uhr

G20-Gipfel

Merkel und Putin reden stundenlang - erfolglos

VonThomas Sigmund

Kanzlerin Merkel trifft sich mal wieder mit Wladimir Putin. Doch erneut kam nichts dabei heraus. Sie wird härter gegenüber Russland. 36 Telefonate und mehrere Marathon-Treffen mit Putin haben sie offenbar ernüchtert.

Putin im Interview

„Natürlich wollen wir, dass die Ukraine-Krise endet“

Putin im Interview: „Natürlich wollen wir, dass die Ukraine-Krise endet“

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BrisbaneAm Sonntag morgen befindet sich sich Kanzlerin schon wieder im Routine-Modus. Es stehen auf dem G20 Gipfel in Brisbane bilaterale Treffen mit Indiens neuem  Premierminister Narendra Modi und dem ebenfalls neuen indonesischen Präsidenten Joko Widodo an.

Bei den Treffen geht es um ein erstes Kennenlernen. Vieles dreht sich darum, unter den Mächtigen der Welt Vertrauen zu schaffen. Nichts erinnert mehr bei den Gesprächen  daran, dass Merkel in der Nacht zuvor zu einem Vier-Augen-Gespräch mit Russlands Präsidenten Wladimir Putin zusammengekommen ist.

Auch hier ging es viel um Vertrauen. Vor allem die Frage, wie es mitten der Ukraine-Krise wiederhergestellt werden kann. Zwei Stunden dauerte das Gespräch im Hotel Putins, dem Hilton, mitten in Brisbanes Stadtzentrum. 

Putin kam verstimmt zu dem Treffen. Seine Leute verbreiteten, er erwäge früher abzureisen. Sein Sprecher Peskow mühte sich zwar anschließend um Entschärfung: Putin werde abreisen, „wenn die Arbeit getan ist“. Putin habe seine Pläne keinesfalls wegen des Drucks der anderen G-20-Partner geändert. Tatsächlich reiste Putin etwas früher als erwartet ab, begründete dies aber mit Schlafbedarf.

Die Chefs sind Franzosen (oder Deutsche)

IWF

Beim Internationalen Währungsfond (IWF) besetzt die französische Rechtsanwältin und Politikerin Christine Lagarde die Chefposition als geschäftsführende Direktorin. Deutschland geht bei den Chefposten leer aus, obwohl der deutsche Anteil am Budget bei 6,1 Prozent liegt. Der Anteil deutscher Mitarbeiter insgesamt beim IWF liegt bei 4,6 Prozent - der im Top-Management bei 3,1 Prozent.

WTO

Seit 2005 ist Pascal Lamy der Boss bei der World Trade Organisation (WTO). Nachdem er zuvor das Amt des EU-Kommissars für Außenhandel bekleidete, ist er vor sechs Jahren zum Generaldirektor der WTO aufgestiegen. Deutschland besetzt in dieser Organisation weder eine Chefposition, noch irgendeine Stelle im Top-Management. Der Anteil deutscher Mitarbeiter insgesamt bei der WTO liegt bei 5,5 Prozent, Deutschlands Anteil am Budget beträgt hingegen 8,9 Prozent.

EU-Kommission

In der Europäischen Kommission sitzt seit 2004 der Spanier José Manuel Barroso auf dem Chefsessel. Jeweils ein Deutscher und ein Franzose sitzen als Kommissare in der Kommission. Günther Oettinger kümmert sich um Energie, der Franzose Michel Barnier um Binnenmarkt und Dienstleistungen. Im Top-Management der Kommission sind 14,6 Prozent der Stellen mit Deutschen besetzt - auf alle Mitarbeiter bezogen liegt der deutsche Anteil bei 10,6 Prozent. Deutschlands Anteil am Budget beträgt beachtliche 20 Prozent.

EZB

Noch ist der Franzose Jean-Claude Trichet Präsident der Europäischen Zentralbank, doch seine Tage sind gezählt - am 31. Oktober endet seine Amtszeit. Als heißer Kandidat für die Nachfolge gilt Jörg Asmussen, der derzeit noch Staatssekretär im Finanzministerium ist. Mehr als ein Viertel aller Mitarbeiter in der EZB sind Deutsche (28,1 Prozent) und der Anteil im Top-Management liegt bei 16,7 Prozent. Deutschlands Anteil am Kapital der EZB beträgt 18,9 Prozent.

EBRD

An der Spitze der Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD) steht ein Deutscher: Der SPD-Politiker Thomas Mirow leitet seit 2008 die Geschicke des Hauses. Bei der Osteuropabank sitzt kein Franzose auf einem hohen Posten. Die Zahlen über deutsche Mitarbeiter insgesamt und der Anteil an deutschen Kapital liegen nicht vor.

EFSF

Im Juni 2010 wurde die Europäische Finanzstabilisierungsfazilität (EFSF) gegründet. Sie ist eher unter dem Namen Europäischer Rettungsschirm bekannt. Chef der Aktiengesellschaft ist der Deutsche Klaus Regling. Im Finanzvorstand sitzt der Franzose Christophe Frankel. Die Zahlen über deutsche Mitarbeiter insgesamt und der Anteil an deutschen Kapital liegen nicht vor.

Doch der Kremlchef fühlte sich nach der Kritik von allen Seiten wie ein Außenseiter. US-Präsident Barack Obama machte am Rande des Gipfels, in einer Rede vor der Universität von Queensland, unmissverständlich klar, was er von Putin Politik hält. Die „russische Aggression“ in dem Land sei eine Bedrohung für die Welt. Andere Regierungschefs wie der Kanadier Steven Harper oder der Brite David Cameron zeigten sich wie Obama unversöhnlich.

An dem Abend redeten die Kanzlerin und Putin zunächst unter vier Augen. Ein Sprecher des Kreml sagte laut russischen Agenturen, dass Putin der Kanzlerin noch einmal die Nuancen des russischen und europäischen Zugangs zum Ukraine-Konflikt erklärt habe. Nach ungefähr zwei Stunden kam nach Angaben der Nachrichtenagentur dpa EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker hinzu. Putin und Juncker führten ihr Gespräch nach Merkels Abfahrt fort. Über den weiteren Inhalt wurde nichts bekannt.


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