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06.07.2017

23:12 Uhr

G20-Gipfel

Randale mit Ansage

VonChristoph Kapalschinski

Eine linke Demonstration in Hamburg eskaliert. Doch sie zeigt auch: Es sind weniger Gewalttäter in der Stadt als erwartet. Fraglich ist noch, ob die Null-Toleranz-Strategie der Polizei aufging.

Mindestens ein Auto ging am Rande der Demonstration "G20 Welcome to hell" in Flammen auf. Mülltonnen brannten. dpa

Brennendes Auto

Mindestens ein Auto ging am Rande der Demonstration "G20 Welcome to hell" in Flammen auf. Mülltonnen brannten.

HamburgHigh-Noon auf der Hafenstraße am Donnerstag um kurz nach 19 Uhr: Bewegungslos stehen Hunderte Polizisten in schwarzer Schutzmontur Hunderten schwarz gekleideten Demonstranten in Blockformation gegenüber. Die Polizei verlangt: Vermummung weg. Zehn, zwanzig Minuten vergehen. Dann beginnen Demonstranten, eine Mauer zu erklettern. Polizisten laufen los, Wasserwerfer spritzen, gelbes Tränengas wabert, Schupsen, Rennen, Geschrei.
Es musste so kommen. Die Demonstration „Welcome to hell“ eskaliert nach wenigen Metern Demonstrationszug. Zwei lang angekündigte „Schwarze Blöcke“ und eine Null-Toleranz-Strategie der Polizei bei mehreren Kilometern genehmigter Demonstrationsroute – alles andere als Gewaltszenen war im Grunde ausgeschlossen. Die Szenen werden Diskussionen auslösen. Sie zeigen aber auch: Die Zahl der Randalierer ist begrenzt.

Der Abend verläuft höchst wechselhaft: Zwar betont die Polizei zunächst mehrmals auf Twitter, die Demonstration könne weitergehen, wenn der Schwarze Block abgetrennt werde. Schließlich drängen die Beamten die Demonstrationsspitze mit den Wasserwerfern zurück. Flaschen fliegen, lose Gehwegsteine liegen herum. Die Lage wird unübersichtlich. Die Polizei meldet, ihr Pressesprecher sei angegriffen worden.

Kurze Zeit später: Die Menge setzt sich in Gang, vorne Wasserwerfer, die Störer und Zuschauer im Park oberhalb der Hafenstraße vertreiben. Der Zug stockt erneut vor dem Alten Elbtunnel, lange Ungewissheit, dann die Durchsage: Eine neue Veranstaltung ist angemeldet. Es ziehen gegen 22 Uhr weiter: schwarz gekleidete Jugendliche, Reste aus dem Schwarzen Block, ein paar Senioren auch, viele „Normalos“, ein Rollstuhlfahrer.
Der Abend zeigt: Die Polizei bleibt bei ihrer Linie, sofort einzuschreiten – selbst dann, wenn es nicht unbedingt nötig scheint. Doch sie bleibt ambivalent, lässt überraschend nach Härte doch wieder Freiräume – wie schon in der Frage von Übernachtungszelten.
Kurz vor dem Protestmarsch war die Lage noch friedlich: Bei Sonnenschein rappte vor der Hafenkulisse die Hamburger Gruppe „Neonschwarz“, spielten die Alt-Punks „Goldene Zitronen“. Andererseits machten die Moderatoren – zwei „Polit-Tunten“ - klar, die Hamburger Polizei provoziere leicht. Heißt: Gewalt war einkalkuliert. Ein Aktivist aus den USA rief: „Welcome to hell, motherfuckers“. Regelmäßige Durchsagen betonten: „Ihr habt das Recht auf zwei Anrufe. Schaltet eure Smartphones aus. Jedes Foto kann ein Grund für Repression gegen euch oder andere sein.“ Gewalt als absehbares Polit-Spektakel in der berühmt-berüchtigten Hafenstraße.

Kommentare (1)

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Frau Lana Ebsel

07.07.2017, 09:56 Uhr

Müssen der SPD jetzt die Wahlzuschüsse gestrichen werden, weil die Partei als verfassungsfeindlich einzustufen ist? Der von der SPD gestellte Justizminister Herr Maas hat heute die Aktionen der beiden Schwarzen Blöcke in Hamburg als "sehr kreativ" bezeichnet. Es ist gut, wenn man sein wahres Gesicht in einem Designeranzug verstecken kann, aber blöd, wenn der zu große Mund nicht mitmacht.

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