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17.06.2012

09:02 Uhr

G20-Gipfel

Weltbankchef kritisiert Krisenmanagement der Europäer

Die Europäer handeln in der Eurokrise zu zaghaft, sagt Weltbankpräsident Robert Zoellick. Der US-Amerikaner fordert rasche Reformen und eine Lösung der strukturellen Probleme. Europa könne von Amerika lernen.

Weltbank-Chef Robert Zoellick erwartet ein energischeres Auftreten der Europäer in der Euro-Krise. AFP

Weltbank-Chef Robert Zoellick erwartet ein energischeres Auftreten der Europäer in der Euro-Krise.

BerlinKurz vor Beginn des G20-Gipfels in Mexiko hat Weltbankpräsident Robert Zoellick die Regierungschefs der Euro-Zone für ihr bisheriges Krisenmanagement gerügt und rasche Reformen angemahnt. "Europas Politiker handeln immer einen Tag zu spät und versprechen einen Euro zu wenig", sagte Zoellick in einem am Sonntag veröffentlichten Interview des "Spiegel". Zur Bekämpfung der Schuldenkrise habe die Europäische Zentralbank zwar wiederholt für neue Liquidität gesorgt und dadurch Zeit erkauft. Die strukturellen Probleme würden dadurch aber nicht gelöst. Weiteres Zögern sei gefährlich, warnte Zoellick.

Die Euro-Schuldenkrise und der Streit um das richtige Krisenmanagement dürften auch den G20-Gipfel am Montag und Dienstag in Mexiko dominieren. Bundeskanzlerin Angela Merkel hat sich zuletzt verstärkt gegen Forderungen zur Wehr gesetzt, zur Bekämpfung der Schuldenkrise auch neue Instrumente wie etwa gemeinsame Anleihen der Euro-Länder oder einen Schuldentilgungsfonds einzusetzen.

"Wenn Europa weiter so schwächelt, wird es an globalem Einfluss verlieren. Dessen müssen sich Europas Führer bewusst sein", sagte Zoellick dem Magazin. Zur Finanzierung der Rettungspakete gebe es schließlich genug Ideen: "Es gibt den Vorschlag, Euro-Bonds für Schulden von bis zu 60 Prozent des Bruttoinlandsprodukts auszugeben. Alles, was die Länder darüber hinaus ausgeben, ginge auf ihre eigene Rechnung." Europa könnte in diesem Fall von den Amerika lernen, fügte der gebürtige US-Amerikaner und ehemalige Goldman-Sachs-Manager hinzu. So hätten die Vereinigten Staaten nach dem Unabhängigkeitskrieg ein einziges Mal die Schulden aller Einzelstaaten übernommen, seitdem seien sie auf sich allein gestellt. "Europa könnte ein ähnliches System einführen", sagte Zoellick.

Der Weltbankchef betonte, letztlich sei vor allem das Tempo im Kampf gegen die Schuldenkrise entscheidend: "Es kommt mir nicht so sehr darauf an, welches Modell die Europäer wählen. Sie sollen sich nur für eines entscheiden. Und zwar schnell." Die deutsche Regierung solle dabei vorangehen, doch in anderer Form als bislang. "Deutschland muss weiterhin auf fiskalen und strukturellen Reformen in einem vereinigten Europa bestehen", sagte Zoellick. Aber die Regierung in Berlin müsse auch klar sagen, wie es Staaten, die mitten in Reformen steckten, helfen wolle. "Deutschland leistet ja eigentlich sehr viel. Doch es stünde besser da, wenn es im Voraus genauer erläuterte, was für Hilfen es im Gegenzug für Reformen anbietet."

Von

rtr

Kommentare (23)

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Account gelöscht!

17.06.2012, 09:38 Uhr

Ich habe vergeblich im Internet versucht herauszufinden, was konkret mit Reformen gemeint ist. Finde nichts Genaues. Nur bla bla bla.

Unter konkret verstehe ich, dass z.B. die Ausgaben für Behörden prozentual an der jeweiligen Wirtschaftsleistung des Landes gekoppelt werden. Genauso die Ausgaben der Sozialleistungen, usw, usw.

Was meint man unter Sparen eigentlich? Das ist mir alles zu allgemein. Deshalb vermute ich, dass unsere Politiker überhaupt keinen Plan haben.

Wo findet man eigentlich im Internet konkret die Ausgaben von Deutschland? Mich würde mal interessieren, welche Bereiche/Ministerien, wie viele Steuergelder in Anspruch genommen werden.

Account gelöscht!

17.06.2012, 09:40 Uhr

Zitat: >"Deutschland leistet ja eigentlich sehr viel. Doch es stünde besser da, wenn es im Voraus genauer erläuterte, was für Hilfen es im Gegenzug für Reformen anbietet."<

Reformen, die nur versprochen, aber so gut wie nie richtig eingehalten wurden/werden (Gr,S etc.) zwingen demnach Deutschland abermals in Vorleistungen, die es hinterher nie wieder sieht. So passiert es seit Jahren und die Karre versinkt dabei immer tiefer im Dreck. Zoellick hat eher die USA und seine frühere Bank im Auge, keinesfalls jedoch die fundamentalen Interessen Deutschlands.

Widerstand

17.06.2012, 09:47 Uhr

Sehr geehrter Herr Zoellick,

Sie verschweigen das eigentliche Problem. Das Problem in Europa ist nicht fehlendes Geld. Das Problem sind total korrupte, kriminelle Strukturen in Südeuropa. Ich bin nicht bereit, Geld an Griechenland zu zahlen, das dort in den Taschen von Millionären und Milliardären landet, die nie einen Cent Steuern gezahlt haben. Ich bin nicht bereit, mit meinen Steuern die Yacht des Athener Chefarztes zu finanzieren, der in seiner Steuererklärung ein Hartz-4-Einkommen deklariert. Ich bin nicht bereit, für die Immobilen-Fehlspekulation der spanischen Oberschicht zu haften - das können die selbst zahlen. Ich bin nicht bereit, Geld an Italien zu zahlen, obwohl die Italiener im Mittel reicher sind als die Deutschen.
Alle diese Staaten haben genug Geld. Sie müssen es bei ihrer kriminellen Oberschicht eintreiben und nicht beim grundsoliden deutschen Steuerzahler. Wie wir vom IWF und vom griechischen Rechnungshof wissen, gäbe es in Griechenland keine Krise, wenn endlich mal Steuern gezahlt würden.
Sehr geehrter Herr Zoellick, ich erwarte von Ihnen, dass Sie mithelfen, die korrupten Strukturen in den Mittelmeerländern zu bekämpfen statt auf Deutschland herumzuprügeln!
Deutschland muss gar nichts mehr zahlen. Die Schutzgelderpressung muss beendet werden. Die Mittelmeerstaaten müssen wieder zu Staaten werden, die diesen Namen verdienen, und ihre Korruption bekämpfen. Die Feinde der Griechen sitzen in Griechenland, nicht in Deutschland!
Die Feinde der Deutschen sitzen in Berlin. Es sind die Rettungsirren, die unter Bruch der Europäischen Verträge unser Geld an Kriminelle verteilen. Deutschland muss endlich austreten aus dem Euro, damit die Dauererpressung aufhört. Weitere Zahlungen werden weder den Euro noch Europa retten. Nur nach einem Austritt Deutschlands kann vielleicht der Sumpf aus Korruption im Süden trockengelegt werden. Dazu muss das Problem Europas aber auch klar benannt werden: Es heisst KORRUPTION. Herr Zoellick, das ist der Feind!

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