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28.02.2016

13:57 Uhr

G20-Treffen

China als Unsicherheitsfaktor

VonStephan Scheuer

China war der Wachstumstreiber der G20-Staaten. Aber das Turbowachstum in der Volksrepublik ist vorbei. Zum G20-Treffen muss Peking erklären, dass es nicht die Kontrolle über seine Wirtschaft verloren hat.

Handelsblatt Reporter vor Ort

„Die Zeiten des Wachstums sind vorbei - die Zweifel wachsen“

Handelsblatt Reporter vor Ort: „Die Zeiten des Wachstums sind vorbei - die Zweifel wachsen“

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SchanghaiJiang Jianqing ist gewohnt, im Zentrum zu stehen. Seit mehr als zehn Jahren ist er Vorstandsvorsitzendender der chinesischen Großbank ICBC, der größten Bank der Welt nach Bilanzsumme. Sein Wort hat Gewicht. Und bislang war der 63-Jährige international gefragt als Entscheider und Impulsgeber. Aber der Wind hat sich gedreht.

Jiang steht am Pult auf der Bühne in einem Luxushotel. Die im Institute of International Finance (IIF) zusammengeschlossene Finanzindustrie hat die Branche aus Anlass des Treffens der Finanzminister und Notenbankchefs der führenden Industrie- und Schwellenländer (G20) zusammengetrommelt. Aber die drängendste Frage vieler Banker lautet: Wie schlimm steht es um Chinas Wirtschaft? Und hat Peking die Situation noch im Griff?

Wo der Kommunismus noch lebt

Kommunistische Regime der Gegenwart

Vor dem Fall der Sowjetunion gab es zahlreiche Länder mit kommunistischen Regierungen. 2016 verbleiben noch vier, oder - je nach Lesart des nordkoreanischen Regimes - fünf.

Quelle: dpa

China

Mit 1,3 Milliarden Menschen bevölkerungsreichstes Land der Welt. Es hat den Aufstieg zur zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt seiner Abkehr vom kommunistischen Wirtschaftsmodell zu verdanken. Seit den 1980er Jahren verfolgt China eine Politik der Reformen und der Öffnung. Die sozialistische Marktwirtschaft funktioniert nach kapitalistischen Methoden. Die kommunistische Ideologie wird gepflegt, dient aber nur dem Erhalt der Diktatur der Kommunistischen Partei.

Vietnam

Nachbarland Chinas, etwa so groß wie Deutschland ohne Hessen, mit mehr als 3000 Kilometern Küste am Südchinesischen Meer. Rund 94 Millionen Einwohner. Ho Chi Minh gründete die Kommunistische Partei in den 1930er Jahren im Kampf gegen die Kolonialmacht Frankreich. Nach der Niederlage Frankreichs besiegten die Kommunisten auch das US-gestützte Regime in Südvietnam. Seit 1975 regieren sie das vereinigte Land. Seit 1986 gibt es marktwirtschaftliche Reformen.

Kuba

Gut elf Millionen Einwohner, etwa so groß wie einst die DDR. Nach der Revolution von 1959 wandte es sich Anfang der 1960er Jahre zum Kommunismus und suchte bei der Sowjetunion Schutz vor dem kapitalistischen Nachbarn USA, der zuvor großen Einfluss auf der Insel hatte. Bis 2006 regierte Revolutionsführer Fidel Castro (89). Unter Fidels jüngerem Bruder Raúl (84) versucht Kuba seit einigen Jahren mit zaghaften markwirtschaftlichen Reformen, die marode Wirtschaft des Landes anzukurbeln.

Laos

Armes Nachbarland Vietnams ohne Küstenzugang, etwas kleiner als die Bundesrepublik ohne die neuen Bundesländer. Knapp sieben Millionen Einwohner. Laos war Teil des französischen Kolonialgebiets Indochina. Im Vietnamkrieg wurde es zum meist bombardierten Land der Welt. US-Bomber legten weite Teile in Schutt und Asche, weil vietnamesische Kommunisten sich im Grenzgebiet versteckten. Bis heute sind die Böden verseucht. Nach dem Ende des Vietnamkriegs marschierte Vietnam ein und installierte 1975 die kommunistische Regierung.

Nordkorea

Nachbarland Chinas, etwa ein Drittel so groß wie Deutschland, 24 Millionen Einwohner. Die UN werfen der Diktatur gröbste Menschenrechtsverletzungen vor. Nordkorea hat zwar 2009 alle Bezüge zum Kommunismus aus seiner Verfassung gestrichen. Aber die Arbeiterpartei wurde 1945 als Zweig der ehemaligen Kommunistischen Partei gegründet. An der Spitze von Staat, Partei und Armee steht der Machthaber Kim Jong Un; er „erbte“ die Machtposition von seinem Vater. Bereits sein Großvater Kim Il Sung war mit Hilfe Moskaus an die Spitze der Partei gelangt und wird als Staatsgründer verehrt.

„Wir spüren den Abwärtsdruck“, räumt Jiang ein. „Einige internationale Kräfte spekulieren gegen China. Sie wollen von einem schwachen Yuan verdienen“, klagt der Top-Banker. Die Kritik geht gegen den ehemaligen Hedgefonds-Manager und Milliardär George Soros. Der hatte beim Weltwirtschaftsforum in Davos über China gesagt: „Eine harte Landung ist unvermeidbar.“

Chinas Banker und politische Entscheider sehen sich in einer neuen Rolle. Erst dominierte die globale Finanzkrise die Treffen der Gruppe der 20. Dann die Sorgen um die Krise der Eurozone. Stets war Chinas Hilfe gefragt. Aber plötzlich ist China nicht mehr Geldgeber und Sicherheitsgarant, sondern Unsicherheitsfaktor.

Gefälschte Rechnungen und Export-Einbruch: Wie schlimm steht es um China?

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Pekings eingebrochener Außenhandel, der zunehmende Kapitalabfluss und dann sind auch noch die deutschen Exporte rückläufig. Wie geht es der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt?

Die Sorge um die Entwicklung der chinesischen Währung seien allgegenwärtig, betonte der Ex-US-Finanzminister Henry Hank Paulson. „Sie stehen für die Sorgen um die Entwicklung der gesamten Volkswirtschaft“, erklärte Paulson.

Von Chinas Führung werden die Probleme klar gesehen. „Es gibt viele Herausforderungen“, betont der Vize-Gouverneur der chinesischen Zentralbank, Yi Gang. Deshalb würden die Reformen Stück für Stück vorangetrieben. Im Zentrum gehe ein neues Fundament der chinesischen Wirtschaft.

Zahlen und Fakten zu China

Bevölkerung

China ist mit 1,37 Milliarden Menschen das bevölkerungsreichste Land der Erde.

Fläche

Auf einer Fläche von rund 9,5 Millionen Quadratkilometern ist China in 22 Provinzen und fünf Autonome Regionen gegliedert.

Sonderverwaltungszonen

Dazu kommen die beiden Sonderverwaltungsregionen Hongkong und Macau.

Hauptstadt

Die Hauptstadt des Reichs der Mitte ist Peking. Dort allein leben mehr als 20 Millionen Menschen – und das sind nur die offiziellen Zahlen.

Han und Minderheiten

Die große Mehrheit der Bevölkerung sind Han-Chinesen (91,6 Prozent), dazu kommen 55 Minderheiten.

Religion

Rund ein Fünftel der Bevölkerung hängt Volksreligionen an, dazu kommen sechs Prozent Buddhisten und 2,4 Prozent Muslime.

Stadt und Land

Mit 749 Millionen Menschen lebt die Mehrheit der Bürger (55 Prozent) in Städten.

Mehr Binnenkonsum und weniger Abhängigkeit von Investition seien zentrale Ziele. Und obwohl das Wirtschaftswachstum im vergangen Jahr auf den niedrigsten Stand seit zwei Jahrzehnten gefallen sei, komme die Umstrukturierung gut voran. Diese Zuversicht wird international aber nicht unbedingt geteilt.

China stehe vor „überwältigenden“ Aufgaben, hob etwa IWF-Chefin Christine Lagarde hervor. Im Rahmen der Strukturreformen müsse Peking seine Finanzmärkte öffnen und sein Wirtschaftsmodell von der Schuldenabhängigkeit wegbewegen. Peking habe zwar viel geleistet. Die Herausforderungen seien aber weiterhin gewaltig.

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