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25.02.2012

02:37 Uhr

G20-Treffen in Mexiko

Europäer stoßen auf Gegenwind

Auf dem G20-Treffen in Mexiko fordern gleich mehrere Partner mehr Anstrengungen von Europa. Eine Entscheidung über die IWF-Mittelaufstockung wird deshalb nicht erwartet.

Treffen der Finanzminister und Notenbankchefs der 20 führenden Industrie- und Schwellenländer in Mexiko. Reuters

Treffen der Finanzminister und Notenbankchefs der 20 führenden Industrie- und Schwellenländer in Mexiko.

Mexiko-StadtDie Hoffnungen der Europäer auf eine Stärkung des Internationalen Währungsfonds und damit mehr Hilfen zur Bekämpfung der Schuldenkrise haben in der G20-Gruppe einen Dämpfer erhalten. Die Partner forderten die Europäer kurz vor dem Treffen der Finanzminister und Notenbankchefs der 20 führenden Industrie- und Schwellenländer am Wochenende in Mexiko-Stadt auf, zunächst selbst mehr zu tun, um ihre Krise zu bekämpfen.

Erst dann könnten sie auf zusätzliche Hilfen aus einer Erhöhung der IWF-Finanzmittel hoffen. Bundesbank-Präsident Jens Weidmann erklärte wie andere Teilnehmer, er rechne bei dem Treffen nicht mit Entscheidungen zur Aufstockung des Fonds. Die Europäer werben bei ihren Partnern um eine Beteiligung an den finanziellen Anstrengungen, mit denen eine Verschärfung der Schuldenkrise verhindert werden soll.

Ein Weg könnte darin bestehen, dass zahlungskräftige IWF-Mitgliedsländer wie China oder Japan dem Fonds bilateral Kredite geben, die dann als Hilfen unter anderem nach Europa fließen könnten. Der Fonds hatte kürzlich einen Bedarf von 600 Milliarden Dollar angemeldet, von denen 500 Milliarden Dollar für Hilfen fließen sollen. 200 Milliarden Dollar davon sollen aus Europa kommen.

Länder wie die USA argumentieren aber, die Euro-Länder sollten zunächst ihre Rettungsschirme EFSF und ESM deutlich verstärken, bevor solche Hilfen infrage kommen könnten. Europa müsse den ersten Schritt machen, fordern viele G20-Länder. Der Gastgeber des G20-Treffens, Mexikos Finanzminister Jose Antonio Meade erklärte, es sei noch zu früh, um über Zahlen für eine IWF-Kapitalerhöhung und die Methoden dafür zu diskutieren.

Sein US-Kollege Timothy Geithner sagte im Fernsehsender CNBC: „Was wir nicht wollen, ist, dass der IWF ein Ersatz - und er kann dafür wirklich kein Ersatz sein - für einen stärkeren Impuls aus Europa wird.“ Selbst wenn die US-Regierung dem IWF mehr Mittel zufließen lassen wollte, hätte sie kaum Chancen, dies im US-Wahlkampf im Kongress durchzusetzen. Deswegen rechnet man im Falle der Vereinigten Staaten in Deutschland schon nicht mehr mit einem Entgegenkommen. Das gilt aber nicht für andere Länder wie China, Indien oder Brasilien.

Die Staats- und Regierungschefs der Europäischen Union wollen sich Anfang März in Brüssel treffen. Dabei soll erneut über die Ausstattung der Rettungsfonds gesprochen werden. Davon wird es abhängen, ob sich wichtige G20-Länder letztlich über den IWF an der Bekämpfung der Schuldenkrise beteiligen. Mexikos Zentralbank-Präsident Agustin Carstens beklagte, in vielen Ländern würden bei Krisen Entscheidungen verschleppt.

Wenn die Europäer rasch entschieden, wäre das für die Weltwirtschaft verheißungsvoll. Deutschland ist bei dem G20-Treffen besonders unter Druck, weil viele Partner noch mehr von der Bundesrepublik verlangen. Die Kritik lautet, mit einem einseitigen Beharren auf Sparen habe Deutschland Staaten wie Griechenland noch stärker in die Krise gestoßen. Dem widersprach Weidmann entschieden.

Deutschland trage zu den europäischen Rettungsanstrengungen überproportional viel bei, sagte er in einer Diskussionsveranstaltung. Ohne Haushaltsdisziplin könne Vertrauen und Stabilität nicht zurückgewonnen werden. Auch zur IWF-Mittelerhöhung sei Deutschland bereit, knapp 42 Milliarden Dollar beizutragen. Bedingung sei aber eine breite Beteiligung anderer Länder.

Das Ministertreffen der G20 beginnt am Samstag in Mexiko-Stadt. Wegen der Bundestagsabstimmung über das zweite Griechenlandpaket wird der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble am Sonntagmittag und damit noch vor dem offiziellen Ende der Konferenz nach Deutschland zurückreisen.

Von

rtr

Kommentare (7)

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Alleswirdgut

25.02.2012, 07:41 Uhr

Auf der internationalen Bühne wurde beschlossen, die deutschen Sparvermögen zu verbraten. Natürlich im Dienst einer guten Sache.
Der Michel ist nur zu dämlich zu merken, was da gerade passiert. Der wird bald ziemlich blöd aus der Wäsche gucken. Und vor allem erst mal die Guteuromenschen in Deutschland, die nach wie vor in Goebbelscher Manier die Trommeln schlagen. Über Reaktionen darf sich dann niemand wundern. Eine Katastrophe steht an, so oder so...

Account gelöscht!

25.02.2012, 08:08 Uhr

"Die Partner forderten die Europäer kurz vor dem Treffen der Finanzminister und Notenbankchefs der 20 führenden Industrie- und Schwellenländer am Wochenende in Mexiko-Stadt auf, zunächst selbst mehr zu tun, um ihre Krise zu bekämpfen".

Diese Forderung ist absolut berechtigt. Nur was können die Europäer außer Schulden machen. Ich klammere ausdrücklich NL, FIN, D, A und L aus.

Zahltag

25.02.2012, 09:54 Uhr

Das ist problematisch, dass die Schuldenkrise von den USA, China, Brasilien etc. als "europäische Krise" bezeichnet wird. In Wirklichkeit war die Währungsunion doch nicht als "Vereinigte Staaten der Eurozone" gedacht. Jeder Staat sollte unabhängig bleiben und für seinen eigenen Haushalt verantwortlich sein. Davon ist wenig übrig geblieben. Jetzt sind es "die" Europäer und "ihre" Krise. Auf einmal sind nicht mehr Griechenland, Spanien, Portugal, Irland und Italien für ihre Schulden verantwortlich. Mit der künstlichen Konstruktion "Europa" kommt man eben besser an deutsche Steuergelder heran und ganz schnell ist es die "Pflicht" der Deutschen, für andere gerade zu stehen. Umgekehrt würde niemand trotz Staatenbund und geplanter Währungsunion von "Südamerika" verlangen, für die Verschuldung eines einzelnen Landes zu haften. Viele Jahre haben Politiker mit dem Begriff "Europa" jongliert und Europa gar zu einer Frage von Krieg und Frieden erklärt. Jetzt ist Zahltag.

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