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31.10.2011

14:26 Uhr

G20-Treffen

Ökonomen fordern eine globale Schuldenbremse

VonDaniel Goffart

Die Staats- und Regierungschefs der G20 treffen sich in Cannes um Schuldenabbau und Bankenreformen zu diskutieren. Ökonomen fordern Ergebnisse - doch schon im Vorfeld gibt es Streit.

Die französische Polizei vor dem Cannes Festival Palace, in dem sich die G20 treffen wird. dapd

Die französische Polizei vor dem Cannes Festival Palace, in dem sich die G20 treffen wird.

BerlinAngesichts der Rekorddefizite in den wichtigsten Ländern der G20 fordert der deutsche Wirtschaftswissenschaftler Klaus Zimmermann eine globale Schuldenbremse nach dem Vorbild Deutschlands oder der Schweiz. „Um eine weitere Ausbreitung der Krise zu vermeiden, ist eine globale Schuldenbremse erforderlich“, sagte Zimmermann dem Handelsblatt. Zwar haben sich die G20 beim ihren letzten Treffen in Seoul auf einen Konsolidierungsplan verständigt. Dieser hat jedoch keinen bindenden Charakter.

Nach Ansicht von Zimmermann, der das Forschungsinstitut zur Zukunft der Arbeit (IZA) in Bonn leitet, kann ein nachhaltiger Defizitabbau nur durch die Verankerung einer Schuldenbremse in den jeweiligen nationalen Verfassungen der G20 gewährleistet werden. Ferner sei eine Überwachung der Verpflichtungen durch ein transnationales, unabhängiges Expertengremium erforderlich, so der IZA-Ökonom.

Klaus Zimmermann, Leiter des Forschungsinstituts IZA, fordert eine globale Schuldenbremse. dapd

Klaus Zimmermann, Leiter des Forschungsinstituts IZA, fordert eine globale Schuldenbremse.

Diese Überwachungsgremien könnten beim Internationalen Währungsfonds (IWF) oder beim Europäischen Stabilitätsmechanismus (EMS) angesiedelt werden und eine regelmäßige Evaluierung der nationalen Budgetplanung vornehmen. „Durch dieses globale Monitoring würde ein wirksames Frühwarnsystem entstehen, um künftige Staatsschuldenkrisen zu vermeiden“, hofft Zimmermann.

Die „Strategie des Durchwurstelns“ funktioniere nicht mehr, weder in der auf Zeit spielenden Euro-Zone noch in den USA. Die G20 seien der „richtige Rahmen für eine globale Schuldenbremse“, weil sie 90 Prozent der Wirtschaftsleistung repräsentieren, 80 Prozent des internationalen Handels und rund zwei Drittel der Weltbevölkerung.

Die Staats- und Regierungschefs der G20 treffen sich am Donnerstag und Freitag dieser Woche im südfranzösischen Cannes. Neben dem Abbau der Schulden stehen weitere Reformen im Bankensektor sowie die Spekulationen auf den globalen Rohstoffmärkten im Mittelpunkt. Auch das Thema Finanzmarkttransaktionssteuer wird eine Rolle spielen.

Wie die höhere Kapitalquote den Crash verhindern soll

Was ist die Kernkapitalquote?

Die Kernkapitalquote beschreibt das Verhältnis vom Kapital einer Bank zu ihren risikobehafteten Geschäften, also zu den vergebenen Krediten und den getätigten Geldanlagen. Das Kernkapital kann Verluste abfangen, die es durch Kreditausfälle und Kursabstürze gibt.

Warum ist die Erhöhung nötig?

Die Lage Griechenlands ist inzwischen so dramatisch, dass dem Land ein Teil seiner Schulden erlassen werden muss. Anvisiert wird ein Schuldenschnitt von mindestens 50 Prozent. Athens private Gläubiger müssten damit auf die Hälfte ihrer verliehenen Gelder verzichten und entsprechende Ausfälle verbuchen.

Woher soll das frische Geld für die Stärkung der Banken kommen?

Die Banken sollen sich selbst um die Erhöhung der Quote kümmern. Sie können dazu einen Teil ihrer Gewinne zur Aufstockung des Kapitalpuffers verwenden. Reicht dies nicht, müssten sie versuchen, am Markt Geldgeber zu finden. Möglich ist eine Kapitalerhöhung, bei der neue Aktien ausgegeben werden. Wenn einzelne Banken das Geld nicht zusammenbekommen, müsste wohl der Staat einspringen.

Was könnte die höhere Kapitalquote für Bankkunden bedeuten?

Eine höhere Kernkapitalquote senkt das Risiko von Pleiten, damit ist das Geld der Bankkunden sicherer. Unklar ist, ob Institute neuen Kapitalbedarf auch über höhere Gebühren einspielen würden. Geschmälert werden voraussichtlich die Dividenden von Bank-Aktionären, wenn die Institute mehr von ihren Gewinnen einbehalten. Die Auswirkungen auf Kunden und Aktionäre hängen immer auch davon ab, wie hoch die bisherige Kernkapitalquote bei der jeweiligen Bank und damit ihr zusätzlicher Finanzbedarf ist.

Kommentare (6)

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hamp

31.10.2011, 14:34 Uhr

world government!!...wow...kann gar nicht sein...alle wissen das sowas nur ein verschwörungstheorie ist...

Nachfrager

31.10.2011, 15:00 Uhr

Heisst das dann, dass wir alle auch nicht mehr "reicher" werden?

Weil, und das wissen diese ökonomischen Fachkräfte ja sicher aus dem efef, die andere Seite der Medaille "Schulden" (böse böse), "Reichtum" (gut gut, wenn nicht sogar sehr gut) heisst.

Ja, verrückte Welt. Die Welt der Verrückten.

Account gelöscht!

31.10.2011, 15:27 Uhr

Das dürfte wohl die Wichtigste Forderung der EU sein, da sie die einzig wahre Kernursache angeht.

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