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20.05.2017

16:06 Uhr

G20-Treffen

Staaten wollen bei Gesundheitsschutz zusammenrücken

Die G20-Staaten haben sich auf eine bessere globale Vorbereitung auf Epidemien und Gesundheitskrisen geeinigt. Zukünftig sollen regelmäßige Abstimmungen und Ernstfall-Übungen den globalen Gesundheitsschutz stärken.

Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) betonte, dass ein umfassender, weltweiten Gesundheitsschutz für eine gute soziale, politische und wirtschaftlich Entwicklung in der Welt grundlegend ist. dpa

G20-Gesundheitsministertreffen

Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) betonte, dass ein umfassender, weltweiten Gesundheitsschutz für eine gute soziale, politische und wirtschaftlich Entwicklung in der Welt grundlegend ist.

BerlinDer Schutz vor ansteckenden Krankheiten und der Kampf gegen wachsende Antibiotika-Resistenzen soll in der G20-Gruppe der führenden Industrie- und Schwellenländer ein Dauerthema werden. Die Gesundheitsminister der Staatengruppe beschlossen nach Angaben des deutschen Gastgebers Hermann Gröhe vom Samstag bei ihrem ersten Treffen in Berlin, künftig regelmäßig in diesem Rahmen zusammenzukommen. „Dass die globale Gesundheit zum festen Bestandteil auf der Tagesordnung der G20 wird, ist ein starkes Signal, das heute von Berlin ausgeht“, sagte Gröhe. Ohne einen umfassenden, weltweiten Gesundheitsschutz könne es keine gute soziale, politische und wirtschaftlich Entwicklung in der Welt geben. Das sei die gemeinsame Auffassung der G20-Minister.

Die Ergebnisse der Berliner Ministerkonferenz sollen in die Diskussionen beim G20-Gipfel der Staats- und Regierungschefs Anfang Juli in Hamburg einfließen. Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte dem Treffen der Gesundheitsminister am Freitag durch ihre Eröffnungsrede am Freitag besonderes Gewicht verliehen. Bei anderen G20-Ministertreffen tritt sie nicht auf.

Taktiken um Antibiotika richtig einzusetzen

Antibiotika richtig dosieren

Verordnet ein Arzt ein Antibiotikum, darf es nicht zu niedrig dosiert sein oder die Behandlung zu früh abgebrochen werden. Sonst überleben genau jene Keime, die Abwehrstrategien entwickelt haben. Sie geben die Resistenzen dann an die Nachkommen weiter.

Antibiotika sparsam verwenden

Auch wenn es banal klingt – nur wenn ein Bakterium mit einem Antibiotikum in Kontakt kommt, bringt ihm eine Resistenz einen Überlebensvorteil. Daher sollten Mediziner die Mittel nur dann verordnen, wenn es aus medizinischen Gründen wirklich erforderlich ist. Doch noch immer setzen sie Antibiotika viel zu lax und häufig ein. Sogar dort, wo sie gar nicht wirken: etwa bei Erkältungen. Die werden meist von Viren verursacht, gegen die jedes Antibiotikum machtlos ist. Erste Schnelltests für Hausärzte gibt es schon, die zwischen Viren oder Bakterien unterscheiden.

Zudem verwenden Landwirte Breitbandantibiotika seit Jahrzehnten als Mastmittel in der Tierzucht, was zumindest in Europa offiziell verboten ist. Von den 2000 pro Jahr in Deutschland verbrauchten Tonnen sind nur 350 Tonnen für den Menschen bestimmt, der Rest für Tiere. In den Ställen entstehen durch den dauernden Kontakt mit Antibiotika schnell Resistenzen, die auch auf Keime überspringen, die Menschen befallen.

Früh diagnostizieren

Bisher weiß ein Arzt oft nicht, ob er mit einem Breitbandantibiotikum früh zugeschlagen soll, um möglichst schnell viele Bakterienarten zu töten, oder ob er lieber mit einem speziellen Mittel einen einzelnen Erreger zielgerichtet angreifen soll. Gen-Schnelltests machen es jetzt möglich, einen Krankheitserreger vor der Behandlung genau zu identifizieren. Bisher dauerte das Tage.

Sorgfältig desinfizieren

Krankenhäuser sind eine Art Paradies für Keime: Die vielen vorkommenden Erreger können Resistenzgene austauschen; alte, immungeschwächte Patienten bringen neue Keime ins Haus: Jede Operation eröffnet den Erregern ideale Einflugschneisen in den Körper. Deshalb ist penible Hygiene in den Kliniken extrem wichtig. Viele Häuser lehnen es mittlerweile ab, verkeimte Patienten etwa aus schlecht geführten Pflegeheimen aufzunehmen, oder schicken sie konsequent auf Isolierstationen.

Wie Antibiotikaresistenzen entstehen

Bakterien verändern sich ständig, um sich an wandelnde Umweltbedingungen anzupassen. Kleine Variationen im Erbgut, die Mutationen, verschaffen manchen Mikroben einen Überlebensvorteil, die sich daraufhin stärker vermehren als ihre übrigen Artgenossen. Dieses Grundprinzip der Evolution hilft auch Krankheitserregern, sich gegen Antibiotika zu wehren, etwa indem sie Wirkstoffe zerstören, bevor sie ihnen gefährlich werden. Doch wir können es den Keimen schwerer machen, diese Resistenzen zu bilden, indem wir einige Taktiken beachten.

„Das Wohl aller Menschen hängt gleichermaßen davon ab, ob wir es schaffen, globalen Gesundheitsgefahren kraftvoll entgegenzutreten", sagte Gröhe. „Wir brauchen ein wirklich funktionierendes Verteidigungsbündnis gegen Gesundheitsgefahren.“ Im Zentrum stehe die Aufgabe, die Gesundheitssysteme überall zu stärken und reaktionsfähiger zu machen für den Fall von Pandemien und andere Gesundheitskrisen. Das müsse mit Ernstfall-Übungen ständig geprüft werden.

Als „wichtigen Durchbruch im Kampf gegen Antibiotika-Resistenzen“ bezeichnete Gröhe die Zusage aller G20-Länder, bis Ende 2018 nationale Aktionspläne umzusetzen. Solche Medikamente sollten weltweit verschreibungspflichtig werden. Außerdem müsse die Forschung für neue Medikamente auch mit Anreizen vorangetrieben werden. Daneben wollen die G20-Länder armen Staaten unter die Arme greifen, um den Gesundheitsschutz zu stärken und ihnen Zugang zu bezahlbaren Medikamenten zu erleichtern.

In dem ihrem gemeinsamen Kommunique warnten die G20-Gesundheitsminister: „Die globale Vernetzung der Gesellschaften, der Geschäftswelt und der Regierungen bedeutet, dass Risiken von Infektionskrankheiten an einem Ort zu Gesundheitsrisiken überall werden können - mit weitreichenden humanitären, sozialen, politischen, wirtschaftlichen und sicherheitspolitischen Folgen.“

Von

rtr

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