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05.01.2011

07:21 Uhr

G20

Weltregierung oder nur Gipfel-Zirkus?

VonDaniel Goffart

Die Wucht der Krise hat Existenzen zerstört und Milliardenwerte vernichtet, aber auch Neues entstehen lassen: So wäre der Zusammenschluss der 20 wichtigsten Länder zu einer Art informeller Weltregierung nie möglich gewesen, wenn die Not der Verhältnisse sie nicht erzwungen hätte. Nun muss die G20 ihre Rolle für die Zeit danach finden.

G20-Staatschef beim Gipfel in Seoul: Welche Rolle nimmt die neue Weltregierung nach der Krise ein? Reuters

G20-Staatschef beim Gipfel in Seoul: Welche Rolle nimmt die neue Weltregierung nach der Krise ein?

BERLIN. Eine politisch spannende Frage für 2011 lautet, ob die G20, die sich in der Krise bewährt hat, auch danach überlebensfähig ist. Oder anders formuliert: Halten so unterschiedliche Länder wie die USA und Saudi-Arabien, China und Indien, Brasilien und Russland noch zusammen, wenn der beginnende Aufschwung den Druck von den Regierungen nimmt, Ergebnisse um jeden Preis zu finden?

Aller Kritik zum Trotz hat die G20, deren Präsidentschaft jetzt Frankreich übernimmt, bei den Krisenthemen erhebliche Fortschritte erzielt: Die Finanzmärkte sind heute transparenter und gegen viele Widerstände in New York und London deutlich stärker reguliert worden - vor allem die Hedge-Fonds. Auch die Erhöhung des Eigenkapitals der Banken und die Bemessung der Boni an langfristige Entwicklungen zählen zu den positiven Ergebnissen.

Weil der Brandherd an den Finanzmärkten erst einmal gelöscht ist, hat sich die Weltregierung für das kommende Jahr neue Themen auf die Fahnen geschrieben: Auf den nächsten G20-Gipfeln soll etwa über die Ausbalancierung der globalen Ungleichgewichte in den Handelsbilanzen gesprochen werden. Ferner finden sich auf der Agenda der Kampf gegen den Hunger, der Klimaschutz, die globale Gesundheitsfürsorge, der Stop der Verbreitung von Nuklearmaterial oder der freie Zugang zu Rohstoffen und strategischen Bodenschätzen.

Nun ist zwar jedes dieser Themen von globaler Bedeutung. Dennoch besteht die Gefahr, dass sich die G20 thematisch verzettelt und zudem in Konkurrenz zu bestehenden Organisationen tritt. Schließlich gibt es bereits ein Uno-Klimasekretariat, eine Weltgesundheitsorganisation und zahlreiche Institutionen für die Bekämpfung von Hunger, Seuchen und anderen globalen Problemen. Wenn die G20 sich dauerhaft etabliert, ist es absehbar, dass sie die Uno marginalisieren wird, weil sie als Exklusivzirkel der mächtigsten Länder ohnehin den Takt vorgibt. Und da inzwischen immer mehr Nationen versuchen, bei den G20-Treffen am Katzentisch der Mächtigen zu hocken, stellt sich die Frage, welchen Sinn noch eine Uno macht, die nur als politische Heimstatt jener unbedeutenden Staaten gilt, die es nicht auf die Gästeliste der G20 schaffen.

Wenn die neue Weltregierung im Jahr eins nach der Krise ihre Rolle finden will, müssen solche Fragen ebenso geklärt werden wie die absehbaren Machtkämpfe im Geflecht der internationalen Organisationen. Dringend ist diese Aufgabe auch aus inhaltlichen Gründen. Die Reform der Finanzmärkte beispielsweise wurde anfangs noch aus der gemeinsamen Einsicht heraus begonnen, dass es angesichts der Krise keine Alternative gibt. Beim Klimaschutz oder der Entwicklungshilfe aber haben die vorherigen Uno-Konferenzen überdeutlich gezeigt, dass die Vorstellungen der großen Nationen noch meilenweit auseinanderklaffen. Auch der Streit über die Ungleichgewichte in den Handelsbilanzen wurde noch beim letzten G20-Gipfel in Seoul mit großer Härte geführt. Und im Bereich nukleare Sicherheit gleicht der Fortschritt bei den Brennpunktthemen eher noch einer Schnecke.

Eine informelle Gemeinschaft wie die G20, die sich ohne den Einigungszwang einer akuten Krise nicht auf die Lösung der drängendsten globalen Probleme verständigen kann, würde schnell an Bedeutung verlieren. Die Gefahr ist groß, dass die Weltregierung dann als medialer Gipfel-Zirkus endet.

Kommentare (3)

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http://infokrieg.tv/wordpress/?p=292

05.01.2011, 10:34 Uhr

Wikileaks übernehmen Sie....

Skyjumper

05.01.2011, 11:49 Uhr

Man mag sie ja belächeln, all die Verschwörungstheoretiker mit ihren "von hinten durch die brust ins Auge" geführten Argumentationsketten. bilderberger, NWO, illuminaten, HAARP oder auch das sog. 4. Reich - man kommt aus dem Kopfschütteln nicht mehr raus wenn man mal in einer ruhigen Stunde durchs internet surft und sich die abstrusen ideen zu Gemüte führt welche man dort zur Genüge finden kann.

Sucht man jedoch nach dem Kern all dieser Verschwörungstheorien wird aus dem belustigten Kopfschütteln schnell ein nachdenkliches Kopfwiegen - zumindest sollte dass besser so sein. Denn schnell wird klar, dass nicht unerhebliche Komponenten dieser Phantasten bereits heute, jetzt, Realität gworden sind und unser aller Leben bereits bis zu einem gewissen Grad bestimmen. Die "Weltregierung" der G20, EU, UNO, Klimakonferenzen etc. etc. - die Entscheidungen mit denen die Regeln unseres Zusammenlebens festgelegt werden fallen immer weiter von der basis entfernt. immer umfassender, planetenumspannender werden die Gremien in denen über uns alle beraten und entschieden wird.

Ob das staatspolitische Dogma von "immer größer" und "immer umfassender" wirklich so segensreich ist wie uns die Funktionäre der politischen Klasse und die Lobbyisten der global agierenden Konzerne weis machen wollen?

Jeder sollte für sich selbst reflektieren wie er das sieht und wenn bereits das Handelsblatt oder andere, nicht gerade für Verschwörungstheorien bekannte Medien, in einem Artikel ganz unbeschwert von einer "Weltregierung" schreibt wird es wohl allerhöchste Zeit. Will ich wirklich, dass ein chinesischer Nobelpreisträger in Wirtschaftsmathematik darüber mitentscheidet ob in Hintertupfingen an der schleswig-holsteinischen Ostseeküste besser links- oder rechtsdrehende Joghurtkulturen vorgeschrieben sind? Und machen wir uns nichts vor - Joghurt und Mathematik haben zwar absolut nichts miteinander zu tun, aber gerade politische Strukturen neigen dazu derartiges miteinander zu verquicken, da mit der Erkenntnis dass ein Rad besser rund sein sollte kein blumentopf mehr zu gewinnen ist.

Joseph Jebri

05.01.2011, 12:05 Uhr

7 oder 8 Supermächte - G8 haben es bis 2008 nicht geschaftmindestens eine Weltfinanzkrise zu verhindern, weil das Supermachtsgefühl gegenüber anderen schwächeren Ländern Aroganz mit sich brachte.Also es ging nach dem Motto : Wir nehmen ,was nehmbar ist , und wir lassen den Rest aller Reste für die anderen . gescheitert ..logisch !!!
Nun erweitern auf 20 vielleicht klappt es ?
ich meine .. nichts wird klappen , denn Egoismus ist menschlicher Natur. Daran werden alle bemühungen scheitern .
Eine Weltregierung darf man sie nicht nennen , da sie aus 20 reichen Ländern besteht .
Eine einzige gerechte Weltregierung , die alle Menschen , ob Arm oder Reich , gleich behandelt und die Schätze für alle gleichmäßig verteilt , kann nur die richtige sein . Als andere ist von kurzer Dauer.

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