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30.01.2008

09:09 Uhr

G4-Treffen

Banken sollen an die kurze Leine

VonDirk Heilmann

Mehr Transparenz und verschärfte Aufsicht: Politiker und Behörden fordern strengere Regeln für den Finanzsektor, um Krisen besser vorbeugen zu können. Ihnen geht es um den Schutz vor großen Bankenpleiten und ein besseres Risikomanagment. Und der britische Schatzklanzer Alistar will gleich das ganze Aufsichtssystem auf der Insel umbauen.

Setzt sich für neue Aufsichtsregeln ein: der britische Schatzkanzler Ailstair Darling. Foto: Reuters

Setzt sich für neue Aufsichtsregeln ein: der britische Schatzkanzler Ailstair Darling. Foto: Reuters

LONDON/BERLIN/BRÜSSEL/ZÜRICH. Eine stärkere internationale Regulierung der Finanzbranche rückt näher. Die EU und die führenden europäischen Wirtschaftsmächte drohten am Dienstag mit neuen Regeln, um die Finanzmärkte transparenter zu machen. Die Schweizer Bankenaufsicht forderte international abgestimmte Vorkehrungen gegen Bankenpleiten. In Großbritannien will Schatzkanzler Alistair Darling am Mittwoch Pläne für eine verschärfte Bankenaufsicht vorstellen. Politiker und Aufseher reagieren damit auf die Finanzkrise, die das Vertrauen in die Selbstregulierung der Finanzmärkte untergraben hat.

Die Banken müssten umgehend sämtliche Risiken in ihre Bilanzen aufnehmen, forderten die Regierungschefs der vier europäischen G8-Staaten Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Italien. Sie trafen sich am Dienstagabend in London. In ihrer Erklärung warnen sie die Finanzbranche, dass sie notfalls regulatorisch einschreiten würden. Dagegen hatte sich die britische Regierung lange gesperrt.

„Die Erfahrung zeigt, dass nur Transparenz Vertrauen schafft und nur Vertrauen das Funktionieren der Märkte ermöglicht“, hieß es in deutschen Regierungskreisen. Die vier Regierungschefs schlagen ein ganzes Paket an Maßnahmen vor, darunter auch engere Absprachen zwischen amerikanischen und europäischen Finanzaufsichtsbehörden. Der Internationale Währungsfonds (IWF) soll stärker als Frühwarnstelle dienen.

Wie ebenfalls am Dienstag bekannt wurde, will die EU-Kommission das Risikomanagement der Banken verbessern. Bis Oktober wolle sie Vorschläge dazu formulieren, kündigte David Wright, einer der engsten Mitarbeiter des EU-Binnenmarktkommissars Charlie McCreevy, gestern in Brüssel an. Die Behörde will die umfangreichen Eigenkapitalvorschriften für die Kreditwirtschaft (Basel II) erweitern, die erst Anfang 2007 in Kraft getreten sind. So könnten die Berichtspflichten gegenüber den Bankenaufsehern verschärft und die Eigenkapitalvorschriften bei besonders umfangreichen und riskanten Operationen erhöht werden. Das Ziel von Basel II ist es, die Kreditausfallrisiken der Institute durch strengere Vorschriften für die Eigenmittelunterlegung, durch mehr Markttransparenz und durch schärfere Bankenaufsicht zu minimieren.

Aus Kreisen der deutschen Kreditwirtschaft hieß es, die Ankündigung sei überraschend. Es sei nicht wünschenswert, Basel II jetzt schon wieder zu ändern. Es reiche aus, wenn der Ausschuss der europäischen Bankenaufseher (CEBS) außerhalb der Baseler Eigenmittelvorschriften neue Regeln für die Vergabe von Großkrediten erlasse.

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