Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

28.05.2015

08:17 Uhr

G7-Gipfel der Finanzminister

Brainstorming im Barockschloss

VonDonata Riedel

1000 Polizisten, hohe Stahlgitter, viel Symbolik: In Dresdens historischer Altstadt wollen die G7-Finanzminister über das politische Tagesgeschäft hinausdenken. Schäuble erinnert und mahnt. Doch ein Problem holt ihn ein.

Bundesfinanzminister Wolfgang Schaeuble (CDU) bei seiner Rede vor den Minister-Kollegen. Er erinnert an die Vergangenheit Dresdens – und schlägt den Bogen bis zu Pegida. dpa

G7-Finanzministertreffen in Dresden

Bundesfinanzminister Wolfgang Schaeuble (CDU) bei seiner Rede vor den Minister-Kollegen. Er erinnert an die Vergangenheit Dresdens – und schlägt den Bogen bis zu Pegida.

DresdenInspiriert haben Wolfgang Schäuble die Briten. Als sie vor zwei Jahren G7-Gastgeberland waren, luden sie die Finanzminister und Notenbankgouverneure erstmals zu einem reinen Dialog-Treffen ein, das auf Beschlüsse bewusst verzichtete: Wie zu Beginn der Gipfeltreffen in den 70er-Jahren sollte die Zeit nicht für den Streit um Formulierungen im Detail, sondern zum Nachdenken genutzt werden.

So ganz aus der Welt wie der englische Landsitz damals ist Sachsens Landeshauptstadt natürlich nicht. 1000 Polizisten und hohe Stahlgitter, von Sachsens Regierung extra mit barocken Verzierungen bestellt, schirmen das Taschenbergpalais und das Residenzschloss ab. Die übrige Altstadt bleibt aber frei zugänglich, sogar die Gaststätten rund um die Frauenkirche, dem Ort der festlichen Eröffnung am Mittwochabend, bedienen an Tischen auf dem Platz. Und eine kleine Gruppe Demonstranten der Entwicklungshilfe-Organisation „One“ lässt Luftballons, bedruckt mit den Köpfen der G7-Regierungschefs, über dem Neumarkt schweben, den die Delegationsbusse überqueren.

G7-Treffen: Was der G7-Gipfel bringen wird

G7-Treffen

Was der G7-Gipfel bringen wird

Die G7-Finanzminister und -Notenbankchefs kommen am Donnerstag und Freitag in Dresden zusammen. Gastgeber Deutschland setzt auf einen offenen Diskurs und lässt Top-Ökonomen zu Wort kommen. Die Themen des G7-Treffens.

Die barocke Altstadt taugt für Gastgeber Schäuble zum Symbol. In der Frauenkirche erinnert er seine Kollegen aus den USA, Japan, Frankreich, Großbritannien, Italien und Kanada an die Zerstörung Dresdens durch britische Brandbomben am 13. Februar 1945 und an den Wiederaufbau der Ruine mit privaten Spenden nach der deutschen Wiedervereinigung. Geld, das vor allem auch aus Großbritannien kam.

Aber er spricht auch von den Islam- und fremdenfeindlichen Pegida-Demonstrationen, die aus Angst vor dem Unbekannten entstanden seien. „Wir müssen diesen Ängsten entgegentreten“, sagte Schäuble: „Denn kein Land kann die Herausforderungen der Globalisierung alleine meistern.“

Für Schäubles britischen Kollegen George Osborne, der die Festrede hält, ist die Frauenkirche Symbol für die Macht der Zerstörung, aber auch die Kraft des Wiederaufbaus: Die Kampfpiloten damals kamen aus den G7-Staaten Großbritannien, Kanada und den USA, erinnert er. Doch das Kreuz auf der neuen Kuppel fertigte der Sohn eines der britischen Kampfpiloten. „Nur die Deutschen schaffen es, eine Kathedrale innerhalb des Zeitrahmens und des Budgets wiederaufzubauen“, sagt Osborne. Welcher deutsche Zuhörer denkt da nicht an den Berliner Großflughafen? Und Osborne mahnt: „Wir sollten aber nicht nur die Länder sein, die historisch führend waren, sondern wollen dies auch in Zukunft sein“.

Um auf neue Ideen zu kommen, haben die G7 an diesem Donnerstag erstmals berühmte Wirtschaftswissenschaftler eingeladen, darunter Robert Shiller, Kenneth Rogoff und den früheren US-Finanzminister Lawrence Summers.

Kommentare (14)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Sergio Puntila

28.05.2015, 08:31 Uhr

"Brainstorming im Barockschloss"
________

Wo sonst?
Nun also will man nachdenken in Elmau.

Dass mental erfassbare Scheren damit weiter ausgeweitet werden liegt für die Einen auf der Hand für andere noch gleich garnicht.

Wer Visionen habe, solle zum Arzt gehen meinte schon der Altkanzler.

Und es mag sein: Demokratie wirkt nicht sexy bei ihren Prozessen.

Wie traurig solche Sonntagsschülerveranstaltungen wie in Elmau geraten sein können wird wiedereinmal beeindruckend bewiesen: man schottet sich ab, statt weiterzudenken in die Zukunft.

So gesehen könnte es sich bei der Elmau-Zusammenkunft auch um eine Messdienerzusammenkunft handeln.

Herr Manfred Zimmer

28.05.2015, 09:09 Uhr

„Alles dafür tun, dass Konzerne nicht nirgendwo Steuern zahlen“

Politiker verdrehen häufig die Lichter, um sich in einem anderen Licht erscheinen zu lassen und dem Bürger den Durchblick zu verwehren.

In diesem konkreten Fall ist es eindeutig so, dass die Unternehmen die Steuergesetze nicht erlassen. Es sind die Politiker, die die Unternehmen mit "Honig" locken.

Wenn hier der Eindruck erweckt werden soll, dass sich die Politiker hier treffen, um den Unternehmen die "Steuerschlupflöcher zu nehmen, dann versuchen sie eindeutig den Bürgern in der "Bart zu spucken und ihnen trotzdem klarmachen wollen, dass es schneit".

Ethisch und moralisch darf man davon ausgehen, dass sich hier auf abstraktem Niveau nur Ehrenmänner treffen. Ehrenmänner aus unter sich vergleichender Perspektive, die in anderen Funktionen längst eingesperrt wären. Der aktuelle Fall der FIFA lässt darüber nachdenken, ob wir hier nicht einen ähnlichen Fall vorliegen haben.

Das hier aufwendig geprotzt wird, während im Mittelmeer Menschen ertrinken, macht die Bürger um so nachdenklicher.

Herr Renatus Isenberg

28.05.2015, 09:42 Uhr

Schäuble und "Vorausschauen"? Da hat der Autor sich wohl vertippt. Schäuble ist der Handwerker der Regierung Merkel, nicht ein Vordenker..
Schäuble hatte wider besseres Wissen den Deutschen erzählt, dass GR seine Kredite auf Heller und Pfennig zurückzahlen wird. Schäuble hatte Merkel in die EU Finanzverhandlungen geschickt, weil er wusste, dass sein Posten wackelt, falls herauskäme, dass 2012 Monti ihn und nicht die in Finanzen ahnungslose Merkel über den Tisch ziehen würde. Es standen 2013 Wahlen in Deutschland an.
Schäuble ist ein Gegner GR in der EU und im Euro, er schweigt aber brav, damit die Banken und Konzerne ihre falschen EU-Strategien weiter verfolgen können. Er hat nicht den Mut, die Niedrigverdiener und kleinen Rentner zu entlasten. Von Schäuble neue Ideen oder gar Lösungen für die EU zu erwarten, würde bedeuten, wie mein Hund nach 10 Jahren Zusammenleben mit mir Deutsch sprechen könnte.
Die G7 Staaten werden mal wieder der gleichen Meinung sein, vielleicht auch ein wenig besinnlich in die Vergangenheit schauen - als es noch keine zerstörte Staaten in Afrika gab, die Beschäftigung in Europa gut war, Angie die Globalisierung noch nicht angeheizt hatte und Flüchtlingsboote ganz selten mal aus Vietnam kamen.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×