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26.05.2017

19:53 Uhr

G7-Gipfel

Lost in Translation

VonRegina Krieger, Thomas Sigmund

Erst gibt es Rätselraten um einen anti-deutschen Satz des US-Präsidenten, dann „ehrliche“ Verhandlungen. Am Ende des ersten G7-Tages sagen die Staats- und Regierungschefs immerhin dem Terrorismus den Kampf an.

Handelsblatt auf dem G7-Gipfel

„Die Sonne scheint — doch hinter den Kulissen kracht es gewaltig“

Handelsblatt auf dem G7-Gipfel: „Die Sonne scheint — doch hinter den Kulissen kracht es gewaltig“

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TaorminaAuch in Taormina dreht sich wieder alles ausschließlich und allein um Donald Trump – wie bei bislang jeder Station der Nahost- und Europareise des US-Präsidenten. Beim G7-Gipfel auf Sizilien verging der erste Tag damit, Trumps Aussagen in Brüssel vom Tag zuvor zu interpretieren. „Die Deutschen sind böse, sehr böse“, soll Trump beim Treffen mit der EU-Kommission laut Spiegel gesagt haben, und der deutsche Handelsüberschuss sei „schlecht, sehr schlecht“, hat die Süddeutsche Zeitung vernommen. Und weiter: „Schauen Sie sich die Millionen von Autos an, die sie in den Vereinigten Staaten verkaufen. Fürchterlich. Wir werden das stoppen“, laut Spiegel.

Alles falsch. Sean Spicer, der Sprecher des US-Präsidenten, stellte das in Taormina richtig. Zum Handelsblatt sagte er in einer der malerischen Gassen der sizilianischen Stadt, dass Trump die unfaire Handelsbilanz zwischen Deutschland und den USA am Vortag in Brüssel angesprochen habe. In dem Zusammenhang habe Trump „das Wort 'bad' nie benutzt, das ist ein falscher Bericht“, sagte Spicer. Der Präsident habe ein ungeheures Maß an Respekt vor den Deutschen.

G7-Gipfel: Schadensbegrenzung beim Sightseeing

G7-Gipfel

Schadensbegrenzung beim Sightseeing

Nach den kolportierten Tiraden des US-Präsidenten gegen Deutschland begegnet Trump-Sprecher Sean Spicer zufällig einem Handelsblatt-Reporter. Spicer nutzt das Treffen: Trump habe ungeheuer viel Respekt vor den Deutschen.

Und auch EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker sprang dem US-Präsidenten zur Seite, wenn auch mit einer anderen Nuance. „Es stimmt nicht, dass Trump Deutschland gegenüber einen aggressiven Ton angeschlagen hat“, sagte er am Vormittag in Taormina. „Das war ein Problem der Übersetzung“, meinte er weiter und wechselte dann vom Englischen ins Deutsche: „Es wird übertrieben, ‚bad‘ heißt nicht ‚böse‘.“

Immerhin: Am ersten Tag des Gipfels gab es dann noch eine Übereinkunft. Manchmal reicht Zeitdruck, damit die Dinge in Bewegung kommen. Sie würde schon Freitagabend abreisen, hatte die britische Premierministerin Theresa May angekündigt, sie müsse zuhause sein wegen der Untersuchungen des Attentats von Manchester. Und prompt war am Abend eine gemeinsame Erklärung der sieben führenden Industriestaaten fertig – von allen unterschrieben, zweieinhalb Seiten lang. Darin heißt es: „Der brutale Anschlag von Manchester demonstriert, dass wir jetzt unsere Anstrengungen verdoppeln müssen, um unsere gemeinsamen Überzeugungen in Aktion umzuwandeln.“ Das sollen die Innenminister der G7-Staaten machen.

Ein kleiner Erfolg des ersten Gipfeltages auf Sizilien. Der einzige. Kontroverser waren die Debatten über Handel und Klima. Bundeskanzlerin Angela Merkel ließ sich am Abend ihre Enttäuschung nicht anmerken. Sie lobte die „konstruktive und ehrliche Atmosphäre“ der Gespräche. Beide Seiten, sprich die Amerikaner auf der einen und die anderen auf der anderen Seite, hätten ihre Argumente vorgebracht. Eine Entscheidung zum Klima wird es laut USA nicht geben. „Zum Thema Handel wurde verabredet, dass wir die Details noch einmal intensiv austauschen“, so Merkel.

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