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07.06.2015

13:31 Uhr

G7 in Elmau

Lächeln für die Kameras

VonSimon Book, Jan Hildebrand, Thomas Sigmund

Angela Merkel und Barack Obama mischen sich unters Volk, der Präsident macht ein paar Witze und zusammen beschwören sie die deutsch-amerikanische Freundschaft. Krisenthemen klingen nur in Nebensätzen an.

Das korrekte Weißwurstessen hat US-Präsident Barack Obama am Sonntag im oberbayerischen Krün gelernt. Joachim Sauer (links), Ehemann von Kanzlerin Angela Merkel (CDU), wies den Gast aus Amerika in die hohe Kunst ein. ap

Barack Obama, Angela Merkel, Joachim Sauer

Das korrekte Weißwurstessen hat US-Präsident Barack Obama am Sonntag im oberbayerischen Krün gelernt. Joachim Sauer (links), Ehemann von Kanzlerin Angela Merkel (CDU), wies den Gast aus Amerika in die hohe Kunst ein.

Garmisch-Partenkirchen/ElmauEs läuft wie bestellt für Angela Merkel. Kanzlerinnenwetter in Krün, als sie mit ihrem Ehemann Joachim Sauer eintrifft. Die Alphornbläser stimmen ein, Merkel setzt ein mildes Lächeln auf und schreitet im hellblauen Blazer durch den eigens aufgebauten Biergarten vor dem Rathaus der kleinen Gemeinde, in dem ausgesuchte Einheimische in Dirndl und Lederhosen seit Stunden in der Sonne ausharren. Hunderte stehen zudem am Straßenrand, um die Kanzlerin und ihren wichtigsten Gast hautnah zu erleben.

Der lässt seine Gastgeberin eine Viertelstunde in der Sonne warten. Dann endlich kommt er: federnder Gang, Küsschen für Merkel, Handschlag für Sauer. Um kurz vor sieben war der Amerikanische Präsident auf dem Münchner Flughafen gelandet und anschließend mit dem Hubschrauber nach Elmau weitergeflogen.

Nun trägt er sich mit Merkel ins goldene Buch der Gemeinde ein. Die Kanzlerin beginnt: „Lieber Barack Obama, herzlich willkommen im Namen aller, die sich hier versammelt haben. Es ist mir eine große Freude, dass Du die Gelegenheit wahrnimmst, hier ein Stück oberbayerisches Kulturgut zu sehen.“ Trotz aller Meinungsverschiedenheiten, sagt Merkel, sei Amerika „Freund und Partner“ mit dem man Werte teile und eng kooperiere.

Darum geht es beim G7-Gipfel

Finanzminister und Notenbankchefs

Die Finanzminister und Notenbankchefs der führenden westlichen Industrieländer (G7) kommen am Donnerstag und Freitag in Dresden zusammen. Die Agenda ist gut gefüllt, konkrete Beschlüsse werden aber nicht erwartet.

Lage der Weltwirtschaft

Nach der Geldschwemme der Notenbanken geht es vor allem um nachhaltiges Wachstum. Deutschland macht sich für Schuldenabbau und einen schrittweisen Ausstieg aus der Politik des billigen Geldes stark - bei gleichzeitigen Reformen. Thema ist auch die Vorsorge für absehbare Risiken wie die Alterung der Gesellschaft.

Steuern

In diesem Jahr wollen die führenden Industrie- und Schwellenländer (G20) ihr Maßnahmenpaket gegen Steuertricks und Gewinnverlagerungen internationaler Konzerne (BEPS) endgültig schnüren. In Dresden geht es um den „Post-BEPS-Prozess“ - die Frage also, wie die gemeinsamen Standards konkret umgesetzt werden sollen.

Finanzmarkt

Zusätzliche Kapitalpuffer sollen sicherstellen, dass im Krisenfall bei großen Banken ausreichend Mittel zu deren Sanierung beziehungsweise notfalls Abwicklung zur Verfügung stehen. Sogenannte GLAC- (Gone-Concern Loss-Absorbing Capacity) und TLAC-Puffer (Total Loss-Absorbing Capacity) sollen verhindern, dass kriselnde Institute mit Steuergeld gerettet werden müssen. Die G20 haben vereinbart, dass 30 globale, systemrelevante Banken dickere Polster anlegen sollen.

Staatsanleihen

Im Gegensatz zu Krediten müssen Banken Staatsanleihen nicht mit teurem Eigenkapital in der Bilanz absichern. Das macht die Papiere für Finanzinstitute attraktiv, erhöht aber tendenziell die Abhängigkeit zwischen Staaten und Banken. Die Bundesbank bemüht sich seit Jahren, die Sonderbehandlung von Staatsschulden in den Bilanzen zu beenden – nicht zuletzt wegen der schlechten Erfahrungen aus der jüngsten Krise.

Obergrenze für Banken

Bundesbank-Chef Jens Weidmann macht sich nicht nur für eine Absicherung durch Eigenkapital stark, sondern fordert auch eine Obergrenze für Banken, sich Staatsanleihen auf die Bücher zu laden. Für ein Umsteuern hatte sich hier im März auch der europäische Risikorat ESRB (European Systemic Risk Board) ausgesprochen.

Terrorismus-Finanzierung

Terrorgruppen wie der Islamische Staat (IS) sind längst nicht mehr nur auf Großspenden angewiesen, sie beschaffen sich Geld zunehmend auch auf anderen Wegen. Die G7 wollen über Lücken im Kampf gegen solche Finanzströme beraten sowie über neue Wege, um Vermögenswerte von Terroristen schnell einfrieren zu können.

Ukraine

Über ein internationales Hilfspaket sollen gut 40 Milliarden Dollar für die Ukraine bereitgestellt werden. Der IWF steuert rund 17,5 Milliarden Dollar bei. Hinzu kommen Hilfen einzelner westlicher Staaten. Weil das nicht reicht, verhandelt die ukrainische Regierung mit weiteren Geldgebern – darunter auch Russland –, um Kiews Staatsschulden auf ein tragfähiges Niveau zu senken. 15 Milliarden Dollar sollen durch Restrukturierungen zusammenkommen. Dabei geht es um den Verzicht auf Forderungen, niedrigere Zinsen sowie Laufzeitverlängerungen.

Griechenland

Auch wenn Griechenland kein offizielles G7-Thema ist, dürfte die Lage in dem Land beim Treffen angesprochen werden. Denn in Dresden sind auch die Spitzen internationaler Finanzorganisationen, unter ihnen IWF-Chefin Christine Lagarde. EZB-Chef Mario Draghi, Eurogruppen-Chef Jeroen Dijsselbloem sowie EU-Währungskommissar Pierre Moscovici sind ebenfalls vertreten. Damit kommen die Chefs der internationalen Geldgeber zusammen, die mit Athen über weitere Finanzhilfen beraten.


Obama antwortet mit Witz: „Gruss Gott“, beginnt er seine Ansprache in breitem Englisch. „Es ist wunderbar zurück zu sein in Deutschland.“ Zum vierten Mal sei er jetzt hier bei seiner „Freundin und Partnerin“ Angela. „Ich möchte allen Danken für diesen wunderbaren Besuch, ich weiß, dass es immer anstrengend ist, wenn ich komme. Aber ich darf ihnen verraten: Das war die beste Alphornaufführung, die ich jemals gehört habe. Leider habe ich meine Lederhose vergessen – aber vielleicht kann ich noch eine kaufen.“

Merkel und Obama besuchen bayerisches Dorf

Video: Merkel und Obama besuchen bayerisches Dorf

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Als er mitbekommen habe, dass Merkel das G7-Treffen in Bayern feiern wolle, habe er auf das Oktoberfest gehofft. „Aber ich musste feststellen: Es gibt nie einen schlechten Tag für Bier und Weißwurst.“ Dann zieht Obama sein Jackett aus, lässt sich an einem Tisch nieder, betrachtet das Weißbier vor sich.

Er prostet Merkel zu, die inzwischen auch von Wasser auf Bier umgestiegen ist. Merkels Ehemann Joachim Sauer erklärt dem US-Präsidenten derweil, wie eine Weißwurst fachgerecht gepellt wird. Die Stimmung ist gut - der Gipfel kann beginnen.

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