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12.05.2015

16:10 Uhr

G7-Treffen

Energieminister ringen um einen Weltklimavertrag

Mit einem Weltklimavertrag wollen Energieminister die Erderwärmung beschränken. Ein erster Versuch war 2009 allerdings unter anderem an den USA und China gescheitert. Nun stehen die Chancen offenbar besser.

HamburgDie Energieminister der führenden Industriestaaten der Welt (G7) räumen einem Weltklimavertrag bis zum Ende des Jahres gute Chancen ein. Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) sagte zum Abschluss eines G7-Treffens am Dienstag in Hamburg, die Teilnehmer hätten anerkannt, dass alle Initiativen der G7-Länder darauf zusteuern müssten: „Bei den Zielen der G7-Staaten habe ich noch nie soviel Übereinstimmung erlebt“. US-Energieminister Ernest Moniz verwies auf die steigenden Kosten des Klimawandels, die allen bewusst seien. „Ich glaube, wir gehen in die richtige Richtung“, sagte er mit Blick auf die UN-Verhandlungen am Jahresende in Paris: „Die Aussichten für Paris sind bemerkenswert besser als vor sechs oder sieben Monaten.“

Der Klimavertrag soll sichern, dass die Erderwärmung auf zwei Grad gegenüber der vorindustriellen Zeit beschränkt wird. Ein erster Versuch 2009 in Kopenhagen war unter anderem an den USA und China gescheitert, den beiden größten Produzenten von Treibhausgasen. Deutschland, das derzeit die G7-Präsidentschaft inne hat, will die Klimapolitik auch beim G7-Gipfeltreffen der Staats- und Regierungschef im Juni in Elmau in den Mittelpunkt rücken. Die Energieminister gelten anders als die Umweltminister in den meisten Staaten eher als Skeptiker eines Klimaabkommens.

Im Abschlussbericht des Energieminister-Treffens wurde nun festgehalten, dass noch erhebliche Kürzungen beim Treibhausgas-Ausstoß notwendig seien. Die Staaten betonten die „Dringlichkeit einer konsequenten Energiewende, um wirtschaftliches Wachstum von Kohlendioxid(CO2)-Emissionen zu entkoppeln“.

Die wichtigsten Schlagworte zum Klimawandel

Globale Erwärmung

Seit Beginn des 20. Jahrhunderts ist die Temperatur auf der Erde um gut 0,8 Grad Celsius angestiegen. Das erste Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts (von 2001 bis 2010) war nach Angaben der Weltorganisation für Meteorologie das heißeste seit 1881 - im Durchschnitt betrug die Temperatur 14,47 Grad an der Land- und Meeresoberfläche und damit 0,47 Grad mehr als im Durchschnitt zwischen 1961 und 1990.

Anstieg des Meeresspiegels

Der Anstieg des Meeresspiegels hat sich in den vergangenen 20 Jahren beschleunigt. Laut dem IPCC-Bericht von 2007 dürfte der Meeresspiegel bis zum Endes dieses Jahrhunderts um zwischen 18 und 59 Zentimeter ansteigen. Im neuen Bericht dürfte diese Zahl angehoben werden. Studien zufolge geht der Anstieg zu rund einem Drittel darauf zurück, dass sich das Wasser bei zunehmender Wärme ausdehnt, zu einem weiteren Drittel auf das Schmelzen von Gletschern und zu etwas weniger als einem Drittel auf das Abschmelzen der Eiskappen in Grönland und der Antarktis.

Eisschmelze

Die Arktis erlebte im vergangenen Jahr eine Rekord-Eisschmelze. Laut der US-Behörde für Ozeanologie und Atmosphärenforschung (NOAA) verkleinerte sich die Eisfläche in der Arktis 2012 auf 3,41 Millionen Quadratkilometer. Das ist die kleinste Fläche seit Beginn der Satelliten-Beobachtung der Region vor 34 Jahren und 18 Prozent weniger als der bisherige Niedrigrekord aus dem Jahr 2007. Wissenschaftler gehen davon aus, dass die Gewässer rund um den Nordpol bis 2050 im Sommer eisfrei sein könnten.

Gletscherschwund

Bei Gebirgsgletschern wird weltweit eine starke Eisschmelze beobachtet, etwa im Himalaya-Gebirge oder in den südamerikanischen Anden. Die Gletscher der Pyrenäen zwischen Frankreich und Spanien könnten bis 2050 ganz verschwunden sein.

Extreme Wetterphänomene

In einem Sonderbericht hatte der Weltklimarat IPCC im November 2011 festgehalten, dass es im Zuge der Erderwärmung zu einer Zunahme extremer Wetterphänomene wie heftiger Regenfälle, Hitzewellen und Dürreperioden gekommen ist und diese Entwicklung anhalten wird. 2012 wurden laut eine Untersuchung etwa die Hälfte aller Extremwetterphänomene durch den Klimawandel verstärkt.

Artensterben

Unter einem weiteren Temperaturanstieg wird auch die Tier- und Pflanzenwelt leiden. Ein Anstieg zwischen 1,5 und 2,4 Grad im Vergleich zu den 20 letzten Jahren des 20. Jahrhunderts würde dafür sorgen, dass 20 bis 30 Prozent aller Tier- und Pflanzenarten vom Aussterben bedroht würden.

Zwei-Grad-Ziel

Internationales Ziel ist es, den Temperaturanstieg bis zum Ende dieses Jahrhunderts auf zwei Grad zu beschränken. Laut dem Umweltprogramm der Vereinten Nationen wird der Anstieg aber zwischen drei und fünf Grad betragen, wenn es bei den bisherigen Bemühungen zur Reduzierung von Treibhausgasen bleibt.

Climategate

Im November 2009 drangen Hacker in die Computer des Klimaforschungszentrums der University of East Anglia ein, stahlen mehrere tausend Dokumente und veröffentlichten sie im Internet als angebliche Belege für wissenschaftliches Fehlverhalten der Klimaforscher. Mehrere Untersuchungen unabhängiger Institutionen konnten allerdings keine Hinweise auf ein solches Fehlverhalten nachweisen.

Die „Energiewende“ hin zu klimafreundlichem Ökostrom wird vor allem von Deutschland betrieben und trifft in anderen Staaten teils auf Skepsis. Die USA setzen stark auf Erdgas, das über die umstrittene Fördermethode Fracking gewonnen wird. Die Verstromung von Gas ist allerdings umweltfreundlicher als die von Kohle.

Die USA wollen ab dem nächsten Jahr auch mit dem Export von verflüssigtem Erdgas per Tanker beginnen. Im Abschlussbericht des Treffen wird die Bedeutung von Flüssiggas für die Versorgungssicherheit betont. In Europa gilt dies als Chance, mittelfristig von russischen Pipelines unabhängiger zu werden.

Besonders auf Lieferungen aus Russland ist die Ukraine angewiesen, der die G7-Energieminister Rückendeckung gaben. Man fühle sich verpflichtet, die Ukraine beim Ziel einer besseren Energiesicherheit zu unterstützen. Zu den G7 zählen Deutschland, die USA, Frankreich, Großbritannien, Italien, Kanada und Japan.

Von

rtr

Kommentare (3)

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Herr Holger Narrog

12.05.2015, 17:01 Uhr

Der Text des Artikels ist unabhängig ob man an die Ökoreligion mit der Weltuntergangskatastrophe eines "Klimawandels" glaubt oder nicht, nicht ganz im Einklang mit der Überschrift. Der Text ist fahrig. Fakten findet man wenig. Die Qualifikation des Journalisten besteht in erster Linie im politisch korrektem ökologischen Glauben.

Sachlich gesehen ist die Weltuntergangssaga eines "Klimawandels" in erster Linie in Westeuropa und in Teilen Nordamerikas populär. So ist der aktuelle linke US Präsident Obama davon sehr angetan, die Mehrheit der US Bevölkerung und das Parlament nicht. Somit ist es nicht zu erwarten dass es in den USA auf absehbare Zeit ein Gesetz im Sinne dieses Glaubens gibt. In China ist man bereit ein freundlich unverbindliches Abkommen zu unterstützen, mehr nicht. Einige ärmere Staaten freuen sich auf Klimamilliarden die Ihnen und vielleicht auch den Bevölkerungen Vorteile bringen können. Viele andere Länder, Australien, Kanada, Saudi Arabien, Russland... halten von dem Unsinn nichts.

Soweit mir bekannt ist es vorgesehen auf der Konferenz in Paris ein Abkommen auszuhandeln wo jeder Staat seine "Klimaziele" flexibel vereinbaren kann. Damit kann die EU ihre teure destruktive Ökopolitik weiter betreiben und vor der Bevölkerung rechtfertigen. Die anderen Länder können ihre Wirtschaft und Wohlstand weiter entwickeln.

Herr Marcel Europaeer

12.05.2015, 17:04 Uhr

Die unübersehbaren Folgen des anthropogenen Klimawandels werden die Politiker immer mehr in die Zange nehmen. Da hilft kein Leugnen und kein Jammern und kein Beschönigen. Jede extreme Dürre, jeder extreme Orkan, jede extreme Sturmflut wird von der Bevölkerung dem Klimawandel auf die Rechnung geschrieben und als Folge werden die Menschen fordern, den CO2-Ausstoß zu reduzieren.

Die Lobbyarbeit der Öl-, Kohle- und letztendlich auch Gasindustrie ist zum Scheitern verurteilt.

Herr Holger Narrog

13.05.2015, 09:29 Uhr

Nun, die "Klimaforscher" haben die Engländer mit der Erkenntnis dass es durch den "Klimawandel" bald kein Fish & Chips mehr gibt in Angst versetzt.

Die "Klimaforscher" haben die Amerikaner mit dem wissenschaftlichen Ergebnis dass es durch den "Klimawandel" mehr Prosti...tution gibt in Angst versetzt.

Das Handelsblatt hat kürzlich einen Artikel veröffentlicht, dass der "Klimawandel" für den Bürgerkrieg in Syrien ursächlich ist.

Meinen Sie nicht dass die Menschheit aus dieser Art Steinzeitreligion herauswachsen kann?

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