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19.05.2012

14:35 Uhr

G8-Gipfel

Merkels schwierige Mission

VonSven Afhüppe

Auf dem G8-Gipfel in den USA steht die Schuldenkrise ganz oben auf der Agenda. Für die Kanzlerin ein schwieriges Thema: Sie steht mit ihrer Sparpolitik weitgehend alleine da.

Die Regierungschefs der G8-Staaten am Runden Tisch. dapd

Die Regierungschefs der G8-Staaten am Runden Tisch.

Camp DavidHinter Bundeskanzlerin Angela Merkel liegt keine normale Woche, wenn am heutigen Samstag die Arbeitsgespräche der G8-Staaten im amerikanischen Camp David beginnen. Das desaströse Ergebnis der CDU bei den Landtagswahlen in Nordrhein-Westfalen, der kurzfristige Rausschmiss von Umweltminister Norbert Röttgen und die Zuspitzung der Euro-Krise durch die notwendigen Neuwahlen in Griechenland und die Milliardenprobleme der spanischen Banken haben die deutsche Regierungschefin erheblich gefordert. Selbst für eine krisenerprobte Kanzlerin ist die Ballung so vieler  Probleme eine echte Herausforderung. Merkel ist deshalb nicht geschwächt, aber auch nicht so unbelastet wie beim G8-Gipfel vor einem Jahr.

US-Präsident Barack Obama begrüßte die Vertreter der wichtigsten westlichen Industriestaaten gestern Abend auf dem Landsitz des Präsidenten und bat sie zu einem ersten zweistündigen Arbeitsessen. Dabei stand die Sorge um die Folgen der Schuldenkrise im Vordergrund. Aber auch die Lage in Syrien und Iran sorgten für Gesprächsstoff.

G8 demonstrieren Einigkeit in Camp David

Video: G8 demonstrieren Einigkeit in Camp David

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Zur Euro-Krise wird Merkel heute gleich in der ersten Arbeitssitzung zur Lage der Weltwirtschaft Stellung beziehen müssen. Eineinhalb Stunden ist für das wohl wichtigste Thema des G8-Gipfels angesetzt – und die Erwartungen an die Bundeskanzlerin sind immens. So hat US-Präsident Barack Obama bereits im Vorfeld des Gipfeltreffens klar gemacht, dass er sich eine baldige Lösung der Euro-Krise wünscht. Obama hat nach Angaben aus Regierungskreisen kein Interesse daran, dass sein Präsidentschaftswahlkampf durch eine Zuspitzung der Schuldenkrise auf dem europäischen Kontinent beeinflusst wird. Schon gar nicht soll es zu einem Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone kommen. Mittlerweile hat der US-Präsident erhebliche Zweifel, ob das Krisenmanagement der Euro-Länder überhaupt funktioniert. Statt einseitige Austeritätspolitik fordert Obama von den Europäern deutlich mehr Anstrengungen für zusätzliches Wachstum, im Zweifel auch über neue Schulden.

In der Wirtschaftspolitik drängen auch andere Länder der G8 Kanzlerin Merkel zu einer stärkeren Wachstumspolitik in Europa. Obama schloss sich nach einem Gespräch mit den neuen französischen Präsidenten François Hollande den Forderungen nach wirtschaftlichen Impulsen in Europa an. Auch Großbritanniens Premier David Cameron rief den Kontinent zu entschlossenem Handeln auf, um die Schuldenkrise in Griff zu bekommen. Kanada und Italien unterstützen ebenfalls eine Wachstumsinitiative, Japan hat wiederholt große Sorgen um die europäische Entwicklung geäußert.

Nach dem Treffen mit Hollande forderte Obama die Europäer auf, dem Wirtschaftswachstum die gleiche Aufmerksamkeit wie der Haushaltskonsolidierung einzuräumen. Er stimme mit seinem neuen französischen Kollegen darin überein, dass diese Frage für die gesamte Weltwirtschaft von außerordentlicher Bedeutung sei, sagte Obama. Der US-Präsident befürchtet einen Rückschlag für den Aufschwung in seinem Land, wenn der Kontinent länger als Wachstumsmotor ausfällt und ein Ausscheiden Griechenlands aus der Euro-Zone internationale Turbulenzen auslöst.

Kommentare (22)

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Account gelöscht!

19.05.2012, 14:28 Uhr

"Sie setzt weiter auf ihre Sparpolitik, die anderen Länder setzen auf Wirtschaftswachstum."

Das klingt so, als ob "Wirtschaftswachstum" ein Hebel wäre, den man nach Belieben betätigen können.
Tatsächlich muss Geld ausgegeben werden, um einen Stimulus zu erzeugen, der eventuell(!) das Wirtschaftswachstum anregt.
Bei der Abwrackprämie wurde Geld, das vorher über Steuern eingesammelt wurde, dafür ausgegeben, dass sich Leute ein Auto heute statt im nächsten Jahre kaufen. Die Nachfrage, die zukünftig entstanden wäre, wurde sofort abgerufen.

In dieser Weise handelt die Politik derzeit unentwegt.
"Schulden sind vorgezogener Wohlstand, der in der Zukunft ausfällt."

Ben

19.05.2012, 14:44 Uhr

Und die Menschen schauen wieder zu bei diesem verlogenen Treiben.....
Meine Güte, was muss passieren damit die dumpfe Schafherde aufwacht und all diese korrupten Politiker zum Teufel jagt ??

raipre

19.05.2012, 14:48 Uhr

Zu glauben, man könne immer mehr ausgeben als eingenommen wird, ist eine Illusion. Jeder kann das am eigenen Leibe experimentieren. Immer mehr ausgeben als vorhanden ist, ist irgendwann nicht mehr möglich. Unterstützung für Griechenland musste und muss erwirtschaftet werden. Wenn es ein Ende haben soll, eine Welt 'auf Pump' zu produzieren, muss irgendwann Schluss damit sein. Jeder, der glaubt, es bräuche Wirtschaftswachstum um Schulden abzubauen, lebt in der eigenen Illusion. Ich verzichte als Ökonom auf komplexe Darstellung simpler Sachverhalte. Deshalb mal ganz einfach. Was produziert wird, braucht Nachfrage. Wenn der Nachfragende das, was er will, nicht bezahlen kann, muss er anhalten, innehalten, und akzeptieren, dass das im Moment nicht geht. Kein Kredit, sondern Sparen. Übrigens die Banken oder Staaten, die ständig Geld verleihen, verleihen Geld ohne den Inhaber des Geldes zu fragen, ob er damit einverstanden ist. Eine Welt 'auf Pump', in der Anleihen vergeben werden, ohne dass Transparenz besteht, ist eine Welt 'auf Zeit'. Wenn keine Bereitschaft besteht aufzuwachen aus dem Traum, dann wird der größte Teil der Politik und Menschheit selbst den Untergang dieser Welt verschlafen.

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