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22.08.2011

16:45 Uhr

Gaddafi-Regime vor dem Ende

Freudenschüsse und letzte Kämpfe in Tripolis

VonMartin Gehlen

Jubelschreie in der einen Hälfte von Tripolis, Gefechte in der anderen: Die Kämpf sind nicht vorbei, doch Teile der libyschen Hauptstadt feiern das Ende der Gaddafi-Herrschaft. Noch hat sich der Despot nicht ergeben.

Libysche Rebellen feiern ihren Sieg in Tripolis. dapd

Libysche Rebellen feiern ihren Sieg in Tripolis.

„Es ist vorbei, der Struwwelkopf ist weg“, schreit der Mann immer wieder in sein Handy. Tripolis ist gefallen. Vierzig Jahre Muammar Gaddafi, sechs Monate Bürgerkrieg – und dann plötzlich innerhalb von 48 Stunden das spektakuläre Ende des verhassten Regimes.

Die ganze Nacht hallten Jubelschreie und Autohupen durch die Straßen, Menschen lagen sich in den Armen. „Allah ist groß“ schallte es aus zehntausenden Kehlen. Lustvoll zertrampelten die Leute Gaddafi-Poster, die sie von den Hausfassaden gerissen hatten. Unübersehbar war das Meer von Victory-Fingern und rot-grün-schwarzen Rebellen-Fahnen. Freudenschüsse aus Kalaschnikows knatterten in den sommerlichen Nachthimmel von Tripolis, genauso wie in Benghazi, der 1000 Kilometer entfernten Rebellenhochburg im Osten des Landes.

Libyens Rebellen schreiben dieser Tage Geschichte. Am Sonntagabend besetzten ihre Kämpfer zum ersten Mal den symbolträchtigen Grünen Platz im Zentrum der Hauptstadt, monatelang der zentrale Propagandaort des exzentrischen Diktators und seiner Anhänger.

Der Präsident des Provisorischen Nationalrats (NTC), Mustafa Abdel Jalil, kündigte an, das 20-köpfige Gremium werde schon „in Kürze“ seinen Sitz nach Tripolis verlegen, um ein Machtvakuum zu verhindern. Gleichzeitig rief er in einem eindringlichen Appell die Kämpfer auf, keine Rache an Gaddafi-Anhängern zu üben, nicht zu plündern oder Ausländer zu misshandeln. Das historische Blitzfinale der Selbstbefreiung soll nicht durch blutige Exzesse verdunkelt werden.

Doch noch sind die Kämpfe nicht vollständig überstanden: Rebellen und Gaddafi-Truppen liefern sich in Tripolis weiter heftige Gefechte, vor allem in der Nähe der Residenz von Machthaber Muammar el Gaddafi. Dort könnte sich der Diktator nach Diplomatenangaben weiterhin aufhalten, aber auch der Kasernenkomplex Bab al-Azizia wird als Versteck gehandelt. Gaddafis Anwesen war seit März  mehrfach Ziel von NATO-Luftangriffen, fast alle Gebäude wurden dabei zerstört. Allerdings soll das Gelände über ein Bunkersystem verfügen.

Der Machthaber wehrte sich in Audiobotschaften gegen die drohende Niederlage und rief die Einwohner von Tripolis in der Nacht zum Montag mit krächzender Stimme zum Kampf auf: „Ich bin mit euch, ich bin in Tripolis und kämpfe mit euch bis zum Ende.“ Die Rebellen beschimpfte er als Ratten. Sie würden Tripolis genauso niederbrennen wie Bagdad –  „wie könnt ihr das zulassen?”, wetterte er. Denn dann werde es weder Wasser, Essen, Elektrizität und Freiheit geben.

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Kommentare (10)

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Account gelöscht!

22.08.2011, 17:55 Uhr

Lange haben die Libyer zuerst vom Osten aus gegen das Gaddafi-Regime gekämpft. Nach aktuellen Schätzungen starben Tausende von Menschen, weil der "Revolutionsführer" seine Macht nicht abgeben wollte. Libyen wird bald - hoffentlich! - dem Vorbild Tunesiens folgen und die Weichen für eine Demokratisierung einschlagen können. Die letzte Bastion namens Tripolis wird fallen. Gaddafi wird das selbe Schicksal wie Ben Ali ereilen: http://2010sdafrika.wordpress.com/2011/07/25/heute-vertrieben-und-gehasst-damals-gebraucht-und-beliebt/.

Einflusszonen

22.08.2011, 18:00 Uhr

Motiv der UNO-Operation 1973 ist "Schutz der Zivilbevölkerung". Daraus gemacht hat das NATO-Kommando “Unified Protector” über 7.500 Bombenangriffe auf Bodenziele.
Legitimiert wird dies durch Bitten eines sogenannten "Nationalen Übergangsrat".
Nach der gleichen Methode haben die kommunistischen Sowjets nach 1945 ihren Einfluß in Osteuropa ausgebaut.

Osterwelle

22.08.2011, 18:23 Uhr

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