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20.05.2011

12:11 Uhr

Gaddafis Flotte

NATO-Kampfjets attackieren Schiffe im Hafen von Tripolis

Libyens Diktator Gaddafi macht nun auch auf dem Meer Jagd auf die Rebellen. Mit Kriegsschiffen unterstützt er seine Truppen beim Kampf um die Küstenstädte. Nun will die Allianz die Flotte des Diktators zu schwächen.

Neue Luftangriffe

Nato versenkt libysche Kriegsschiffe

Neue Luftangriffe: Nato versenkt libysche Kriegsschiffe

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BengasiDie NATO hat in der Nacht zum Freitag den Hafen der libyschen Hauptstadt Tripolis bombardiert und sechs Schiffe beschädigt. Nach Angaben der libyschen Regierung wurden fünf Schiffe der Küstenwache und ein Kriegsschiff getroffen.

Reporter konnten Flammen und Rauch sehen, der von dem Kriegsschiff in den nächtlichen Himmel aufstieg.

Die NATO bestätigte in Brüssel, dass Kampfflugzeuge der Allianz auf die Schiffe geschossen hätten und begründete die Aktion mit dem vermehrten Einsatz von Schiffen der libyschen Regierung in deren Kampf gegen die Rebellen. Das Militärbündnis warf der Regierung von Machthaber Muammar al Gaddafi vor, die Schiffe unter anderem beim Versuch eingesetzt zu haben, die Einfahrt zum Hafen der westlibyschen Stadt Misrata zu verminen. Die NATO habe „keine andere Wahl gehabt, als rigoros durchzugreifen, um die Zivilbevölkerung in Libyen und die NATO-Streitkräfte im Meer zu schützen“, sagte der stellvertretende Kommandeur des NATO-Einsatzes in Libyen, Russell Harding.

Der Gaddafi-Clan

Muammar al-Gaddaf

Libyens Machthaber hat mehrere seiner Kinder in Schlüsselpositionen seines Landes untergebracht. Sein jüngster Sohn Saif al-Arab al-Gaddafi wurde in der Nacht zum Sonntag bei einem Luftschlag der Nato auf Tripolis getötet. Mitte März soll bereits sein Bruder Chamies Opfer eines Kamikaze-Piloten geworden und in einem Krankenhaus in Tripolis gestorben sein. Gaddafi ist seit 1970 in zweiter Ehe mit der Krankenschwester Safija Farkash verheiratet. Mit ihr hat er sieben Kinder.

Mohammed Al-Gaddafi

Der Informatiker wurde 1970 geboren und leitet das staatliche Post- und Fernmeldeunternehmen. Zudem besitzt er zwei libysche Mobilfunk-Anbieter. Er ist das einzige Kind von Gaddafi und der vermögenden Offizierstochter und Lehrerin Fatiha. Die Ehe wurde 1969 nach einem halben Jahr geschieden. Mohammed Al-Gaddafi führt zudem das Nationale Olympische Komitee.

Saif Al-Islam Al-Gaddafi

Sein Vorname wird mit „Schwert des Islams“ übersetzt. Nach einem Studium der Architektur und Wirtschaftswissenschaften in Tripolis, Wien und London gründete er 1999 die formal unabhängige Gaddafi-Stiftung für Entwicklung. Ihm gehören mehrere Wirtschaftsunternehmen. Nach Kritik am Führungsstil seines Vaters hatte er 2006 vorübergehend das Land verlassen. Seitdem gilt er im westlichen Ausland als möglicher reformorientierter Nachfolger des Diktators. Saif wurde 1972 geboren.

Al-Saadi Al-Gaddafi

Er besuchte die libysche Militärakademie und hat - wie sein Vater - den Rang eines Obersten. Nachdem er als Kommandant einer Eliteeinheit Islamisten in Libyen bekämpft hatte, ging er 2003 als Fußballprofi nach Italien. Er stand dort bei mehreren Erstligamannschaften unter Vertrag, kam aber kaum zum Einsatz, bevor er sich nach Doping-Vorwürfen verabschieden musste. Heute ist Al-Saadi (geboren 1973) Präsident des libyschen Fußballverbandes.

Mutassim Billah Al-Gaddafi

Mutassim (geboren 1975) absolvierte eine militärische Ausbildung in Libyen und Ägypten. Nach einem Zerwürfnis mit dem Vater floh er vorübergehend nach Ägypten. Später durfte er zurückkehren und befehligt nun die einflussreiche Präsidentengarde. In den vergangenen Jahren wurde Mutassim Billah wiederholt vom Vater mit wichtigen politischen und diplomatischen Aufgaben betraut.

Aischa Al Gaddafi

Die Juristin (geboren 1976) ist die einzige Tochter des Herrschers. Sie studierte in Tripolis und Paris. Aischa gehörte zu der Gruppe von Rechtsanwälten, die den gestürzten und später hingerichteten irakischen Diktator Saddam Hussein verteidigte. Sie ist seit 2006 mit einem Cousin ihres Vaters verheiratet und leitet heute eine libysche Wohltätigkeitsorganisation.

Hannibal Al-Gaddafi

Der Absolvent der Militärakademie in Libyen (geboren 1977) geriet durch seinen luxuriösen Lebensstil und Gewalttaten in die Schlagzeilen. 2005 soll er eine Freundin in einem Pariser Hotel niedergeschlagen haben. 2007 verhaftete ihn die Schweizer Justiz, weil er in Genf Hausangestellte misshandelt haben soll.

Saif-Al-Arab Al Gaddafi

Über diesen Sohn ist wenig bekannt. Nach Angaben eines libyschen Regierungssprecher war er bei seinem Tod in der Nacht zum 1. Mai 2011 etwa 29 Jahre alt. Er soll in München studiert haben, wo Saif-al-Arab mehrfach der Polizei auffiel, unter anderem wegen seines besonders lauten Ferraris und wegen Schlägereien in Nobel-Diskotheken.

Chamies Al-Gaddafi

Der nach Medienberichten nun getötete Sohn (geboren 1980) ist ebenfalls weitgehend unbekannt. Nach einer militärischen Ausbildung in Russland soll er zuletzt eine wichtige Funktion im libyschen Sicherheitsapparat bekleidet haben.

Milad Aubustaia Al-Gaddafi

Muammars Neffe wurde von dem Herrscher adoptiert. Während eines US-Bombenangriffs auf Tripolis 1986 soll er nach libyscher Legende das Leben des Machthabers gerettet haben. Die 15 Monate alte Adoptivtochter Hana wurde bei dem Bombardement getötet.

Der Generaldirektor des Hafens von Tripolis, Mohammed Raschid, sagte vor Journalisten, die Schiffe der Küstenwache würden für die Patrouille im Meer vor der libyschen Küste eingesetzt, um nach Booten von Einwanderern Ausschau zu halten, sowie für Such- und Rettungsaktionen. Die NATO-Luftangriffe hätten dem Hafen geringfügigen Schaden zugefügt, sagte Raschid.

Ein Beamter der libyschen Regierung äußerte die Befürchtung, der NATO-Luftangriff werde Schiffsbesatzungen entmutigen, den Hafen von Tripolis zu nutzen, wodurch Einfuhren zurückgehen und die Kosten für einfache Güter für die libysche Bevölkerung steigen würden.

Die NATO hat ihre Luftangriffe auf die libysche Hauptstadt Tripolis offenbar in dem Versuch verstärkt, die wichtigste Hochburg Gaddafis zu schwächen und potenziell auf den Machthaber selbst abzuzielen. Bei einem NATO-Luftangriff am Freitagmorgen sei eine Polizeiakademie im Stadtteil Tadschura getroffen worden, sagte ein libyscher Regierungsbeamter.

Der libysche Regierungssprecher Mussa Ibrahim sagte auf einer Pressekonferenz am späten Donnerstagabend, bei einem Treffen mit einer russischen Delegation Anfang der Woche habe ein Gesandter angeboten, die libyschen Streitkräfte aus Städten abzuziehen, sollten die Rebellen dies auch tun.

„Wir sind sogar bereit, soweit zu gehen, alle Truppen aus libyschen Städten und urbanen Zentren abzuziehen“, erklärte er. „Das ist ein neues Angebot.“ Als Teil eines Friedensabkommens müsse die NATO ihre Luftangriffe im Gegenzug auch einstellen, sagte Ibrahim. Eine Stellungnahme der in Bengasi ansässigen Rebellenführer gab es zunächst nicht.

Von

dapd

Kommentare (8)

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MikeM

20.05.2011, 12:42 Uhr

Was hat das noch mit der Einrichtung der Flugverbotszone zu tun, für die das UN-Mandat besteht? Beschämend!

Daniel

20.05.2011, 13:15 Uhr

"...und begründete die Aktion mit dem vermehrten Einsatz von Schiffen der libyschen Regierung in deren Kampf gegen die Rebellen. Das Militärbündnis warf der Regierung von Machthaber Muammar al Gaddafi vor, die Schiffe unter anderem beim Versuch eingesetzt zu haben, die Einfahrt zum Hafen der westlibyschen Stadt Misrata zu verminen. Die NATO habe „keine andere Wahl gehabt, als rigoros durchzugreifen, um die Zivilbevölkerung in Libyen und die NATO-Streitkräfte im Meer zu schützen"

-> Schutz der Zivilbevölkerung
-> Eigenschutz

Mit genug Phantasie bekommt man das schon in das Mandat gepresst ;-)

Wolfgang

20.05.2011, 13:29 Uhr

Natürlich haben das die "friedliebenden, sozialistschen" (komunistischen) Staaten in der Vergangenheit anders gehandhabt, sie brauchten kein UN-Mandat und sind einfach einmarschiert und haben sich um Menschenrechte, Freiheit und Demokratie noch nie gekümmert. Aber die ewig Gestrigen sonnen sich in einem Land mit Meinungsfreiheit und schreiben nur rote Kotze.

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