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03.01.2011

20:05 Uhr

Gasfeld

Wird Israel zum Erdgas-Exporteur?

VonPierre Heumann

Die Entdeckung eines großen Gasfeldes vor der Küste des Landes sorgt für Aufsehen - und könnte die Zukunft Israels ändern. Leviathan, so der Name des Feldes, könnte das Land sogar zum Exporteur von Erdgas machen. Doch schon gibt es Streit - mit Libanon und über die Höhe der Steuern.

Hafen in Haifa: Vor der Küste wurde ein riesiges Gasfeld entdeckt. IMAGO

Hafen in Haifa: Vor der Küste wurde ein riesiges Gasfeld entdeckt.

TEL AVIV. Ein neuer, aufsehenerregender Gasfund vor der Küste Israels könnte die Energieversorgung des Landes komplett auf den Kopf stellen: Israel, bislang auf die Einfuhr fossiler Brennstoffe angewiesen, könnte langfristig zum Exporteur von Erdgas werden. Denn vor der israelischen Küste wurde mehr Gas nachgewiesen, als die Binnennachfrage in den nächsten hundert Jahren absorbieren kann. Die Exploration des neues Gasfeldes könnte zwar noch auf Schwierigkeiten stoßen. Aber die beteiligten Energiefirmen, darunter die amerikanische Noble Energy und israelische Partner wie die Delek Group, sehen das Land bereits als wichtigen Gas-Exporteur im Mittleren Osten.

"Ein ökologischer Segen für das Land"

In der letzten Woche haben die explorierenden Energiefirmen nach erfolgreichen Tests die Menge im neu entdeckten Gasfeld Leviathan, das sich fünf Kilometer unter dem Meeresboden befindet, auf rund 450 Milliarden Kubikmeter beziffert, was laut israelischen Analysten einen Wert von 45 Milliarden Dollar hat. Im Vergleich zu den Gasvorkommen in Bolivien, Nigeria oder Katar sei das Volumen zwar bescheiden, meint Energieexpertin Brenda Shaffer von der Universität Haifa. "Aber für Israel und die Region ist das eine ganze Menge", sagte sie. Bereits vor Leviathan wurde im Mittelmeerbecken vor der israelischen Küste eine Reihe von Gasfeldern entdeckt, darunter "Tamar", das aber deutlich kleiner ist.

Leviathan, benannt nach dem biblischen Meeresungeheuer, liegt rund 130 Kilometer nordwestlich der Küste von Haifa. Das Feld sei ein ökologischer Segen für das Land, weil es zur Ablösung der Kohlekraftwerke beitragen werde, sagt Shaffer.

Doch das Gas-Fieber könnte die Spannung in der Region erhöhen. Israels nördlicher Nachbar, Libanon, erhebt bereits Ansprüche und will jetzt ebenfalls vor der Küste nach Gas suchen lassen. Beirut werde bis 2012 Explorationsrechte vergeben, sagte bereits im Oktober der libanesische Ölminister, Gebran Bassil. Der mit der Schiitenmiliz Hisbollah alliierte Bassil hat Unterstützung aus Teheran erhalten. 75 Prozent des Gasfundes vor der israelischen Küste gehörten Libanon, behauptete der iranische Botschafter in Beirut. Israel werde nötigenfalls mit Gewalt seine Ansprüche durchsetzen, warnte demgegenüber Energieminister Usi Landau. Israel hat Bojen gelegt, um seine Position zu markieren. Libanon und Israel befinden sich offiziell im Kriegszustand.

Zu den potenziellen Abnehmern israelischer Gasexporte gehören die russische Gazprom, die im vergangenen Jahr eine Delegation nach Haifa geschickt hatte, und Griechenland. Israel möchte Griechenland zudem als Drehscheibe für Gasverkäufe nach Europa einsetzen. Geprüft werden derzeit der Bau von Pipelines und die Verschiffung von verflüssigtem Gas. Seit es im einst guten türkisch-israelischen Verhältnis kriselt, haben sich die früher frostigen Beziehungen zwischen Athen und Jerusalem verbessert. So üben Piloten der israelischen Luftwaffe jetzt über Griechenland, seit sie in der Türkei nicht mehr willkommen sind.

Die Gasfunde sorgen auch in der israelischen Innenpolitik für Zoff. Umstritten ist insbesondere die Frage, wie viel die Energiefirmen dem Staat abliefern sollen. Eine Kommission unter dem Vorsitz des emeritierten Ökonomieprofessors Etan Shishinsky empfiehlt eine deutliche Erhöhung der Gewinnsteuern. Derzeit müssen Energiefirmen in Israel laut einem Gesetz aus dem Jahr 1952 lediglich 12,5 Prozent an den Staat abführen. Finanzminister Juval Steinitz möchte die Lizenzgebühren rückwirkend auf 60 Prozent erhöhen, was die Energie-Branche verhindern will.

Da die US-amerikanische Energiefirma Noble Energy am israelischen Gasfund mit knapp 40 Prozent beteiligt ist, wehren sich auch Politiker in Washington gegen die beabsichtigte Steuererhöhung. Diese würde die Attraktivität Israels reduzieren, warnt die amerikanische Energielobby.

Die Bevölkerung soll vom Gasfund profitieren

Doch das israelische Finanzministerium bleibt hart. Die Bürger und die Staatskasse sollen von dem Gasfund profitieren, fordert Steinitz. Dank des Gaseinkommens hofft er, die Steuerbelastung reduzieren und gleichzeitig die Infrastruktur des Landes ausbauen zu können - falls sich für das Gas aus der Krisenregion Abnehmer im Ausland finden.

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