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08.01.2009

15:11 Uhr

Gasstreit

In Gaskrise droht längerer Lieferengpass

Trotz einer Reihe von Krisentreffen und zahlreicher Appelle der EU-Staaten zeichnet sich keine Lösung im Gasstreit ab. Bundeskanzlerin Merkel plädiert angesichts der Krise dafür, im Rahmen einer gemeinsamen europäischen Energiepolitik die Frage der Gasspeicherung in den Mittelpunkt zu rücken.

Im Gasstreit ist kein Ende in Sicht. Foto: Reuters Quelle: Reuters

Im Gasstreit ist kein Ende in Sicht. Foto: Reuters

HB MOSKAU/KIEW/BRÜSSEL. Gespräche zwischen Vertretern des russischen Gas-Monopolisten Gazprom und der Ukraine sowie der EU-Kommission brachten am Donnerstag keinen Durchbruch, so dass sich Europa auf einen längeren Lieferengpass einstellen muss. Während deutsche Versorger die Reserven und Lieferungen aus anderen Ländern trotz eisiger Kälte für Wochen ausreichend nannten, spitzte sich die Lage in Ost- und Südosteuropa wegen des russischen Lieferstopps zu.

Kanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy drängten in Paris die russische Seite erneut, ihre Lieferverpflichtungen an EU-Staaten zu erfüllen. „Das erwarten wir“, sagte Merkel und mahnte Russland, seinen Ruf als zuverlässiger Lieferant nicht aufs Spiel zu setzen.

Russland und die Ukraine streiten seit Wochen über Schulden und Preise für Gaslieferungen. Die russische Gazprom hatte der Ukraine deswegen zu Jahresbeginn den Gashahn abgedreht und deren Versorger Naftogaz vorgeworfen, für Westeuropa bestimmten Brennstoff aus den Transit-Leitungen abzuzweigen. Gazprom hatte daraufhin gar kein Gas mehr in die Pipeline eingespeist.

Merkel bekräftigte, Deutschland sei „relativ gut ausgestattet mit Speicherkapazität“ und stehe damit besser da als andere EU-Staaten. In der gemeinsamen europäischen Energiepolitik müsse deshalb die Frage der Gasspeicherung mehr im Mittelpunkt stehen.

Etwa 37 Prozent des deutschen Bedarfs wird von Russland gedeckt. Der Großteil floss bisher durch ukrainische Pipelines. Gazprom hat inzwischen erklärt, man liefere nun mehr Gas etwa über Weißrussland gen Westen.

Am Donnerstagmorgen hatten sich Naftogaz-Chef Oleg Dubina und der Gazprom-Vorsitzende Alexej Miller in Moskau getroffen, um Wege für eine Lösung des Konflikt auszuloten. Dabei gab es aber laut russischer Agentur Interfax keine konkreten Ergebnisse. Anschließend trafen sie sich mit EU-Vertretern in Brüssel, wo ebenfalls kein Durchbruch vermeldet wurde. Naftogaz gab sich allerdings optimistisch. Man erwarte, dass die Gespräche sich in eine „positive Richtung“ bewegten.

Die Beziehungen zwischen Russland und der Ukraine sind seit langem gespannt, da das Land sich stärker an den Westen anlehnen will und zudem eine Mitgliedschaft in der Nato anstrebt.

Die deutschen Versorger versicherten weiter, die Verluste aus Russland ausgleichen zu können. „Unter den gegebenen Umständen kann die Versorgung der Haushalts- und Industriekunden in Deutschland über mehrere Wochen aufrechterhalten werden“, sagte ein Sprecher von RWE Energy. Die Gasspeicher seien weiter sehr gut gefüllt. Zudem beziehe RWE größere Mengen aus anderen Ländern als Russland, darunter aus Dänemark, Norwegen und den Niederlanden. „Wir nutzen den Spielraum unserer Lieferverträge aus.“Eon Ruhrgas teilte mit, der „dramatische Lieferausfall“ sei beherrschbar. Die Versorgung der Kunden laufe ohne Störung.

Eon Ruhrgas stellt zudem auch mittel- und osteuropäischen Ländern Stützungslieferungen zur Verfügung. Länder wie Ungarn, die bereits Gas für die Industrie rationiert haben, sind darauf angewiesen. Die Türkei legte drei Gaskraftwerke still, versicherte aber, die Stromversorgung des Landes sei dennoch gesichert. Dramatischer ist die Lage für Staaten wie die Slowakei, Mazedonien oder Bosnien, die völlig auf russisches Gas angewiesen sind und über keinerlei Reserven verfügen.

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