Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

27.08.2014

14:20 Uhr

Gasstreit mit Russland

Ukraine schürt Sorge vor Lieferstopp gegen EU

Russland und die Ukraine streiten erneut über die russischen Gaslieferungen. Der ukrainische Ministerpräsident Arseni Jazenjuk will nun von Plänen Russlands erfahren haben, auch der EU den Gashahn abzudrehen.

Der ukrainische Ministerpräsident Arseni Jazenjuk will erfahren haben, dass Russland auch der EU den Gashahn abdrehen will. dpa

Der ukrainische Ministerpräsident Arseni Jazenjuk will erfahren haben, dass Russland auch der EU den Gashahn abdrehen will.

KiewRussland droht im Gasstreit mit der Ukraine nach Darstellung der Regierung in Kiew auch mit einem Stopp der Lieferungen nach Europa. Ministerpräsident Arseni Jazenjuk sagte am Mittwoch in Kiew: „Wir kennen Pläne Russlands, selbst den Gastransit in die EU in diesem Winter zu blockieren.“ Die Union deckt rund 30 Prozent ihres Gasbedarfs aus Russland, davon fließt die Hälfte durch die Ukraine. Im Osten des Landes tötete die ukrainische Armee nach eigenen Angaben rund 200 prorussische Separatisten. Ein Armeesprecher warf Russland vor, weiter Soldaten über die Grenze zu schicken. Wegen der Krise trübt sich unterdessen die Stimmung der deutschen Verbraucher ein.

Russland hatte die Gaslieferung an die Ukraine im Juni gestoppt, liefert aber weiter in die EU. Jazenjuk sagte nicht, wie er von den angeblichen Plänen erfahren haben will, auch der EU den Gashahn abzudrehen. Das Thema spielte auch eine Rolle beim russisch-ukrainischen Gipfeltreffen am Dienstag in Minsk. Dort verständigten sich die Präsidenten Wladimir Putin und Petro Poroschenko auf eine Wiederaufnahme der Gasgespräche. Die neue Runde soll am Freitag in Moskau unter Vermittlung von EU-Energiekommissar Günther Oettinger stattfinden.

Fragen und Antworten zu Sanktionen gegen Russland

Auf welche Sanktionen müssen sich Unternehmen einstellen?

Die EU diskutiert bislang über eine mögliche Einschränkung für Rüstungsausfuhren sowie für Exporte von Hochtechnologie für den Energiebereich. Offen ist, was damit genau gemeint ist. Außerdem sollen Möglichkeiten geprüft werden, den Zugang Russlands zu den EU-Finanzmärkten zu erschweren.

Was wären die Folgen?

Eingriffe in die Finanzierung würden die russische Wirtschaft querbeet treffen. „Die Abhängigkeit Russlands von externen ausländischen Finanzierungen hat in den letzten Jahres stark zugenommen“, schreiben die Volkswirte der Hypovereinsbank (HVB). Sollte die EU dem Beispiel der USA mit einem Verbot für die Finanzierung erster russischer Unternehmen folgen, werde dies zwangsläufig sehr schnell wirken - denn bislang hätten russische Firmen Finanzierungen in Dollar zumindest teilweise durch Finanzierungen in Euro ersetzen können.

Und wie sieht es mit Handelsbeschränkungen aus?

Von Handelsverboten beispielsweise bei Rüstung und Maschinen wären natürlich die Hersteller selbst betroffen. Schon jetzt berichten Maschinenbauer über Einbrüche, obwohl es noch gar keine konkreten Schritte gibt. „Die Russen würden uns die Maschinen ja gern abnehmen, aber es ist nicht sicher, ob sie zum Zeitpunkt der Fertigstellung überhaupt noch nach Russland ausgeführt werden können“, sagt der Präsident Branchenverbandes VDMA, Reinhold Festge. Einzelne Firmen berichten, russische Kunden sähen sich schon jetzt nach Alternativen zum Beispiel in Asien um. Die mittelständische Wirtschaft fürchtet, dass ein Embargo bei uns vor allem auf Klein- und Mittelbetriebe in den Branchen Maschinen- und Fahrzeugbau, Elektronische Erzeugnisse, Pharma und Nahrungsmittel zurückschlagen würde.

Wie wichtig ist denn Russland insgesamt als Kunde?

Russland hat zuletzt (2013) Waren für rund 36 Milliarden Euro in Deutschland gekauft. Das entspricht rund 3 Prozent aller Exporte. Damit steht das Land aber nur auf Platz 11 der wichtigsten Kunden, hinter Handelspartnern wie zum Beispiel Belgien, Polen, der Schweiz oder Österreich. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes führen aber lediglich 10 Prozent aller Exporteure Waren nach Russland aus. „Für etwa 73 Prozent dieser Unternehmen machen die Exporte nach Russland maximal ein Viertel ihrer gesamten Exporte aus.“ Einzelne Firmen oder Branchen könnten also deutlich heftiger getroffen werden als die Gesamtwirtschaft.

Dann droht also kein handfester Konjunktureinbruch?

Eher nicht. Sollte die ohnehin aktuell schwächelnde russische Wirtschaft weiter einbrechen, hätte das zwar auch negative Konsequenzen für Deutschland. Wegen des begrenzten Anteils der Exporte nach Russland wäre das für die deutsche Wirtschaft aber „wohl verschmerzbar“, meinen die HVB-Ökonomen.

Wie könnte Russland auf ein Embargo reagieren?

Auch das ist völlig unklar. Allerdings hätte Moskau genügend Mittel für einen Gegenschlag: Binnen eines Jahrzehnts hat es das Riesenreich von Platz 16 auf Platz 8 der weltweit größten Volkswirtschaften geschafft. Ein Großteil der Wirtschaftsmacht des „Rohstoffgiganten Russland“ beruht auf Erdöl, Erdgas, Kohle sowie Metallen wie Nickel, Aluminium. Und genau hier könnte das Drohpotenzial liegen - theoretisch zumindest: „Nach rationalen Erwägungen würden sich die Russen stärker selbst schaden, wenn sie uns den Gashahn beginnen abzudrehen, weil sie ... von den Einnahmen daraus abhängig sind“, sagte der stellvertretende Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Volker Treier, am Donnerstag im Südwestrundfunk.

Die beiden Länder streiten zum dritten Mal innerhalb von zehn Jahren über die russischen Lieferungen. Russland beziffert die ukrainischen Gasschulden inzwischen auf 5,3 Milliarden Dollar. Die Ukraine wirft der Regierung in Moskau vor, aus politischen Gründen überhöhte Preise zu verlangen. Der Streit hatte 2006 und 2009 auch zu Engpässen bei Lieferungen in die EU geführt. Oettinger sagte am Dienstag, die EU solle sich für den Winter auch für einen Totalausfall der Gaslieferungen aus Russland wappnen. Er verwies darauf, dass sechs Länder zu 100 Prozent von russischem Gas abhängen. Dies sind Schweden, Finnland, die drei baltischen Staaten und Bulgarien.

Nach dem zweistündigen Gespräch mit Putin hatte Poroschenko einen Plan für eine Waffenruhe angekündigt. Das erste direkte Aufeinandertreffen seit Juni beschrieb er als „sehr hart und kompliziert“. Putin sagte, die Verhandlungen über eine Waffenruhe mit den Separatisten sei Sache der Ukraine. Sobald der Friedensprozess beginne, werde ihn Russland unterstützen.

Bei den Kämpfen sind seit Mitte April den Uno zufolge mindestens 2200 Menschen getötet worden. Der Westen wirft Russland vor, die Separatisten zu unterstützen und sie mit Waffen zu beliefern. Russland weist die Vorwürfe zurück.

Ein ukrainischer Militärsprecher sagte dagegen am Mittwoch, eine Gruppe russischer Soldaten habe die Grenze überquert und sei in die ostukrainische Stadt Amwrossijiwka gefahren. Weiter im Norden habe die ukrainische Armee in Horliwka und Ilowaysk rund 200 Separatisten getötet sowie Panzer und Raketensysteme zerstört. In den vergangenen 24 Stunden seien 13 ukrainische Soldaten ums Leben gekommen und 36 verletzt worden, sagte er.

Kommentare (6)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Herr Teito Klein

27.08.2014, 15:07 Uhr

Der Winter wird kalt!
------------
Der ukrainische Ministerpräsident Arseni Jazenjuk will erfahren haben, dass Russland auch der EU den Gashahn abdrehen will.

Die Eskalation erreicht die nächste Stufe.
Jetzt droht Warlord Putin der EUdSSR den Gashahn abzudrehen.
Damit schneidet sich Russland aber ins eigene Fleisch, denn Russland ist auf die Einnahmen (Devisen) angewiesen.

Aber Deutschland hat ja die "erneuerbaren Energien".
Sollte Russland jedoch im Winter nicht mehr den "freundlichen Atomstrom" aus Tschernobyl liefern, wird es kalt in Deutschland.

Frau Elena Zhila

27.08.2014, 15:49 Uhr

Wie soll den er das "erfahren haben"? Reine Provokation.

Frau Elena Zhila

27.08.2014, 15:52 Uhr

Herr Teito Klein, Sie sollen sich erst mal bitte informieren, Tschernobyl ist doch nicht in Rußland, sondern in der Ukraine.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×