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12.01.2009

13:27 Uhr

Gasstreit

„Wir werden sehen, wer einen Rückzieher macht“

VonFlorian Willershausen

Sergej Pawluscha kann die Partymusik unten auf der Straße hören. Der ukrainische Vize-Energieminister residiert am Kreschtschatik, wo das halbe Land während der „orangenen Revolution“ vor gut vier Jahren für politischen Wandel demonstrierte. Doch Pawluscha ist nicht zum Feiern zumute. Er ist einer der Verhandlungsführer im Gasstreit mit Russland.

KIEW. An diesem Wochenende ist der Kiewer Prachtboulevard für den Autoverkehr gesperrt, weil Hunderte junger Leute bei Temperaturen um die null Grad mit Flaschenbier und Live-Musik ihr Wochenende feiern. Doch Pawluscha beschäftigen andere Dinge: Mag Russland den Westen auch bald wieder mit Gas versorgen, der Preiskrieg mit der Ukraine geht weiter. Und sein Land, droht Pawluscha, sei für seinen langen Atem bekannt: „Wir haben Zeit.“

Am Donnerstag und Freitag weilte der stellvertretende Minister in Brüssel, wo Delegationen aus Moskau und Kiew im Beisein von EU-Schiedsrichtern über die Gaslieferungen nach Europa stritten. Beide Seiten stimmten schließlich grundsätzlich der Entsendung von Beobachtern zu, unter deren Augen bald wieder russisches Gas durch die Ukraine nach Europa fließen soll

Für die Ukraine sind die Probleme damit aber nicht gelöst: „Wir haben einen Kompromiss mit der EU-Kommission geschlossen“, betont Pawluscha, „nicht aber mit Gazprom.“ Von der Beobachtermission selbst hält er nicht viel: „Die Russen schlagen vor, den Transit zu kontrollieren. Was soll das? Bei uns läuft alles vollkommen transparent. Niemand braucht den Transit zu kontrollieren.“

Das Treffen in Brüssel sei „sehr formal“ abgelaufen, sagt Pawluscha, Gazprom habe lediglich einen Abteilungsleiter zu den Verhandlungen geschickt. Nicht eine einzige Zahl hätten die Russen vorlegen können. Dann schlägt er einen Stapel Akten auf und zeigt auf Daten, die die exakte Menge an Gas in Kubikmetern dokumentieren sollen, die im Januar durch die Ukraine nach Westen geleitet wurden. „Wir haben die Durchleitung nicht gestoppt und kein Gas gestohlen“, ruft er, fast schon schreiend. „Die Russen waren es, die den Hahn abgedreht haben.“

Vier Tage hat es gedauert, bis die vorläufige Lösung im Gasstreit offiziell abgesegnet wurde – am Samstag vom russischen Premierminister Wladimir Putin, gestern auch vom ukrainischen Präsidenten Viktor Juschtschenko. Zu diesem Zeitpunkt waren die EU-Beobachter bereits im Land, es ging schließlich um die schnellstmögliche Wiederaufnahme des Gastransits in teils trockengelegte EU-Länder. Jetzt sind die Weichen dafür gestellt, dass es bald wieder wärmer wird – vorerst.

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