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25.10.2011

18:05 Uhr

Gastbeitrag

Ansteckungsgefahr aus dem Westen

VonMohamed El-Erian

Die Schwellenländer sind wirtschaftlich viel stärker geworden - aber immernoch verwundbar. Die Schuldenkrise in Europa und den USA stellt sie deshalb vor schwierige Entscheidungen.

Mohamed El-Erian ist Chef der Allianz-Tochter Pimco. Reuters

Mohamed El-Erian ist Chef der Allianz-Tochter Pimco.

Stellen Sie sich einen Augenblick vor, Sie wären der wichtigste politische Entscheidungsträger in einem erfolgreichen Schwellenland. Mit Sorge, Wut und Verwunderung beobachten Sie, wie sich die lähmende Schuldenkrise in Europa ausbreitet und wie die dysfunktionale Politik in Amerika dazu führt, dass das Land außerstande ist, seine marode Wirtschaft wieder in Gang zu bringen. Würden Sie sich mit der beeindruckenden binnenwirtschaftlichen Stabilität Ihres Landes trösten, oder würden Sie auf Nummer sicher gehen und die vorsorglichen Reserven Ihres Landes erhöhen?

Das ist die Frage, die sich gerade mehreren Schwellenländern stellt. Ihre Tragweite geht weit über die Grenzen dieser Länder hinaus. Tatsächlich geht es bei dieser Frage auch um die beunruhigenden Aussichten für die Weltwirtschaft.

In früheren Tagen hätte die Wirtschaftskrise der westlichen Industriestaaten den meisten Schwellenländern schon längst den Boden unter den Füßen weggezogen. Heutzutage hingegen profitieren mehrere Schwellenländer von erheblichen Anstrengungen, ihre finanzielle Verwundbarkeit durch die Anhäufung gewaltiger Währungsreserven zu verringern. Sie haben außerdem einen erheblichen Teil ihrer Auslandsverschuldung zurückgezahlt und einen Großteil der übrigen Schulden in leichter zu handhabende Verbindlichkeiten in Landeswährung umgewandelt.

Die Schwellenländer von heute sind politisch erheblich flexibler und verfügen über bedeutend mehr Handlungsspielraum als in der Vergangenheit. Angesichts einer weltweiten Konjunkturabschwächung sehen sie sich demnach zwei Entscheidungsvarianten gegenüber.

Kommentare (2)

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ColeWilliams

25.10.2011, 21:59 Uhr

Die grösste Gefahr bekommen die Eliten der Schwellenländer gerade täglich in einem Drama bei freiem Eintritt vorgeführt. Vielleicht haben Sie es nur noch nicht ganz verstanden: Das beste für sein Volk zu wollen, mit regelmässigen Handelsüberschüssen wachsende Schuldverhältnisse mit dem Ausland herzustellen, um sich dann irgendwann vorwerfen lassen zu müssen unverantwortlich mit Steuergeldern umzugehen und das hartverdiente Geld den faulen und unfähigen Schuldnern in den Rachen zu werfen. USA & Europa, zieht euch warm an. Gruss auch an Mr.Gross - und sie werden doch fallen!

Vielleicht sollte man an dieser Stelle einmal grundsätzlich über das Thema Handelsüberschüsse und Devisenreserven nachdenken. Sollte im Sinne der fairen internationalen Verteilung von Wohlstand & Arbeit, und um oben genannte Entwicklungen zu vermeiden nicht eher ein gleichgewichtiger Handel angestrebt werden? Was würde ein sich nach dieser Maxime verhaltendes Land tun(sofern es eine eigene Währung besitzt)? Es würde stets nur geringe Devisenreserven halten und dadurch die eigene Währung kurzfristig aufwerten (freue mich schon auf die Gesichter der Schweizer, wenn plötzlich alle Chinesen in St.Moritz Skiunterricht nehmen). Und wenn der Urlaub dann vorbei ist, und die eigene Währung wieder gefallen ist, wird wieder in die Hände gespuckt und die anderen können sich ein bisschen ausruhen.

Student

25.10.2011, 23:53 Uhr

"Die Schwellenländer sind wirtschaftlich viel stärker geworden - aber immernoch verwundbar."

immer noch - bitte getrennt schreiben.

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