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16.08.2016

13:07 Uhr

Gastbeitrag

Die Europa-Strategie der IS-Terroristen

VonGuido Steinberg

Anschläge von Einzeltätern sind Teil eines größeren Plans des IS. Sie sollen Sicherheitsbehörden von größeren Terrorplänen ablenken. Ein Gastbeitrag über die IS-Strategie in Europa – und Möglichkeiten, ihr zu begegnen.

Terrorismusforscher erklärt

Ohne Sozialmaßnahmen wird „Terror ständiger Begleiter von Europa“

Terrorismusforscher erklärt: Ohne Sozialmaßnahmen wird „Terror ständiger Begleiter von Europa“

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Zwei Wochen nach den Anschlägen zweier Anhänger des „Islamischen Staates“ in Ansbach und Würzburg bietet sich ein etwas deutlicheres Bild der Taten und der Beziehung der beiden Terroristen zu der Organisation. Es handelte sich insofern um IS-Anschläge, als beide Männer nicht nur ihre Bekennervideos zum IS schickten, sondern bis kurz vor der Tat noch Kontakt zu Koordinatoren der Organisation hatten, die versuchten sie anzuleiten.

Obwohl beide Täter dilettantisch vorgingen, sollten die Anschläge uns Deutschen eine Warnung sein. Der IS plant seit 2014 Attentate hierzulande, und die Organisation hat immer wieder gezeigt, dass es ihr auch in gut geschützten Ländern und Regionen gelingt, die Sicherheitslücken zu finden.

Die Täter können Einzeltäter sein, die mit nur wenig Mitteln viel Schaden anrichten: In Orlando im US-Bundesstaat Florida etwa tötete ein Amerikaner pakistanischer Abstammung, der sich zum IS bekannt hatte, im Juni 49 Menschen. Die viel größere Gefahr für Deutschland geht aber weiterhin nicht von Einzeltätern, sondern von der Organisation IS selbst aus, wenn diese ihre immer noch beträchtlichen Ressourcen an Personal, Know-how und Geld mobilisiert, um einen von langer Hand sorgfältig geplanten Anschlag durchzuführen.

Guido Steinberg ist Terrorismusexperte der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) in Berlin.

Guido Steinberg

Guido Steinberg ist Terrorismusexperte der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) in Berlin.

Die Organisation

Der IS hat mindestens eine Arbeitseinheit, die Anschläge im Ausland plant und die in den vergangenen zwei Jahren zahlreiche Erfolge verbuchen konnte. Aussagen von Rückkehrern sprechen dafür, dass der Syrer Abu Muhammad al-Adnani ihr Chef ist. Diese Abteilung für „externe Arbeit“ (al-amal al-khariji) steht in enger Verbindung mit oder gehört sogar zu der Geheimpolizei des IS, die sich kurz „die Sicherheit“ (al-amn) nennt. Deren wichtigste Aufgabe ist es, die innere Sicherheit im Lande des Kalifen Ibrahim zu gewährleisten.

Die Väter dieser „IS-Gestapo“ sind ehemalige Offiziere des Regimes von Saddam Hussein, die für den Militärgeheimdienst arbeiteten und ihre Fähigkeiten mit in die neue Organisation brachten. Die enorme Brutalität und Effektivität des Dienstes ist einer der Gründe für die interne Kohäsion und die erstaunliche Beharrungskraft des IS.

Die vielen Namen der Extremistenmiliz IS

Isil

Die Abkürzung steht für „Islamischer Staat im Irak und der Levante“ und ist vor allem im Englischen noch häufig zu hören. Sie kommt der Übersetzung des arabischen Namens recht nahe. Dort ist vom Islamischen Staat im Irak und „al-Scham“ die Rede, also Großsyrien unter den Omajaden und später den Abbasiden.

Isis

Die Kurzform von „Islamischer Staat im Irak und Syrien“.

Isig

Diese Abkürzung benutzt die Bundesanwaltschaft in ihren Pressemitteilungen. Sie steht für den „Islamischen Staat im Irak und Großsyrien“.

IS

So nennt sich die Organisation selbst seit der Ausrufung ihres Kalifats 2014. Die Abkürzung steht für „Islamischer Staat“. Kritiker lehnen diese Bezeichnung ab, weil sie den Anspruch der Miliz untermauere, einen echten Staat – und noch dazu einen islamischen – geschaffen zu haben. Manche sprechen deshalb vom „sogenannten Islamischen Staat“.

Daesch oder Daisch

Als Alternative ist in den vergangenen Monaten vermehrt die Bezeichnung Daesch oder Daisch in Mode gekommen. Dies ist die arabische Abkürzung für die Bezeichnung „Islamischer Staat im Irak und al-Scham“ (Al Daula al-Islamija fi al-Irak wa al-Scham). In den Ohren von Muttersprachlern klingt sie despektierlich, der IS selbst lehnt sie ab. Das ist ein Grund mehr für Gegner der Extremisten, sie zu verwenden.

Seit einigen Monaten häufen sich die Hinweise, dass die Anschläge im westlichen Ausland von Adnanis Abteilung „externe Arbeit“ und der „Sicherheit“ des IS geplant und koordiniert werden. Zunächst beschränkte sich die IS-Geheimpolizei noch darauf, vereinzelt Mordanschläge auf syrische Gegner des IS zu verüben, die sich in grenznahen Städten in der Türkei aufhielten. Dann aber folgten größere Anschläge in der Türkei, in Frankreich und Belgien.

Der Rädelsführer der Attentäter von Paris, Abdalhamid Abaaoud, war ein Unterführer der Geheimpolizei, weitere Attentäter fungierten als Gefängniswärter für sie. Einige Deutsche waren in diese Einheiten aufgenommen worden und standen dort in Kontakt mit den Attentätern von Paris. Mehrere Rückkehrer berichteten schließlich davon, dass der IS seit Frühjahr 2014 versucht habe, sie als Attentäter zu gewinnen. Dies machte deutlich, dass auch Deutschland von diesen Planungen betroffen ist.

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