Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

15.11.2013

15:00 Uhr

Gastbeitrag

Wie aus einem Investmentbanker ein Aussteiger wurde

VonRudolf Wötzel

Das Leben als Investmentbanker bedeutet Druck von innen und von außen und ein stets gefülltes Arbeitszeitkonto. Rudolf Wötzel blickt zurück auf seine Zeit als stromlinienförmiger Karrierist bei der Deutschen Bank.

Rudolf Wötzel in der Natur. In seiner Zeit als Investmentbanker schaffte er es nicht abzuschalten und die Arbeit ruhen zu lassen. Heute betreibt er im Sommer eine Berghütte in den Graubündner Alpen und möchte seinen Gästen einfachen Natur- und Lebensgenuss nahe bringen. Foto: privat

Rudolf Wötzel in der Natur. In seiner Zeit als Investmentbanker schaffte er es nicht abzuschalten und die Arbeit ruhen zu lassen. Heute betreibt er im Sommer eine Berghütte in den Graubündner Alpen und möchte seinen Gästen einfachen Natur- und Lebensgenuss nahe bringen.

Foto: privat

Arbeitszeit in meinem „alten“ Leben als Investmentbanker: Eine unselige Mischung aus Druck von innen und von außen als Superdünger für das Arbeitszeitkonto. Da wuchs eine riesige Zwiebel, Schicht an Schicht. Wenn ich die heute im Rückblick schäle, treibt es mir mit jeder weiteren Häutung mehr Tränen in die Augen.

Zunächst die Außenschale: die reine, tatsächlich erforderliche Zeit, um einen Job ordentlich, konzentriert und gewissenhaft zu erledigen. Das vertraglich vereinbarte minimale Pensum ist da durchaus eine sinnvolle Leitlinie. Doch es ist das Selbstverständnis erfolgreicher Menschen, dieses Maß verächtlich beiseite zu schieben. Die Frage ist nicht vertragliche Arbeitszeit plus X, sondern 24 Stunden Tageszeit minus Y.

So viele Feiertage hat die Welt

4 Tage

Schlusslicht: So wenig gesetzliche Feiertage wie Kanada hat kein anderes Land: Nur vier Mal im Jahr dürfen die Kanadier neben Urlaub und Wochenende offiziell zu Hause bleiben, etwa an Neujahr und Karfreitag.

Quelle: Handelsblatt Research Institute

7 Tage

Wenig besser als in Kanada sieht es bei den gesetzlichen Feiertagen in Großbritannien aus: Sieben offizielle Nationalfeiertage gibt es nur – genauso viele (oder wenige) wie in Indien, wo etwa am 26. Januar der Tag der Republik und am 15. August der Tag der Unabhängigkeit gefeiert wird.

8 Tage

Nur acht gesetzliche Feiertage gestehen die Regierungen den Arbeitnehmern in Australien und in den Niederlanden zu.

In Australien wird im Januar der Australia Day wird, um an den 26. Januar 1788 zu erinnern. Damals hisste Kapitän Arthur Phillip erstmals die britische Flagge in der Sydney Cove

9 Tage

Die EU-Staaten Irland und Portugal teilen sich Platz acht des Feiertags-Rankings. In beiden Ländern gibt es insgesamt neun nationale Feiertage.

10 Tage

Mittelmaß bei den gesetzlichen Feiertagen ist Deutschland: Nur zehn offizielle freie Tage gibt es in der Bundesrepublik. Genauso wie in Neuseeland, Belgien und Norwegen.

11 Tage

Viele Staaten gewähren ihren Arbeitnehmern elf nationale Feiertage: Darunter sind Dänemark, Estland, Israel, Italien Frankreich, Schweden, die Schweiz und die USA.

12 Tage

Bei zwölf Nationalfeiertagen sind die Tschechien, Finnland, Griechenland, Ungarn, Mexiko, Slowenien und Südafrika gleichauf.

13 Tage

Österreich hat 13 nationale Feiertage. Genauso viele haben Island, Polen und die Türkei.

Nur drei der 13 Feiertage in Polen sind dabei staatlich, der Großteil sind christliche Feiertage.

15 Tage

Kaum ein Land hat so viele nationale Feiertage wie Brasilien, die Slowakische Republik, Japan und Russland. Dort sind es 15 Tage.

In Brasilien wird etwa am 7. September die Unabhängigkeit von Portugal gefeiert, die an diesem Datum im Jahr 1822 erklärt wurde.

16 Tage

Zwei zweite Plätze bei den meisten Nationalfeiertagen gehen an: Südkorea und Chile. Dort gibt es offizielle 16 Feiertage. In Chile gehört etwa der 18. September als Unabhängigkeitstag dazu. Nur ein Land hat mehr...

26 Tage

Mit 26 nationalen Feiertagen ist China dabei absoluter Spitzenreiter. Dazu gehört der 1. Oktober, die an die Ausrufung der Volksrepublik durch Mao Zedong im Jahr 1949 erinnert.

Die erste Schale aus freiwilliger zusätzlicher Arbeitszeit: das Produkt aus Unsicherheit über eigene Leistung mal vorauseilender Gehorsam mal persönlicher Ehrgeiz. Besonders am Anfang der Karriere sind wir hier sehr anfällig. Wer weiß schon, ob er im eben begonnenen Traumjob bestehen kann? Also mal lieber Vollgas geben. Wer kennt nicht diese stromlinienförmigen Karrieristen, die immer einen Schritt schneller spüren, was von ihnen erwartet wird? Und wer packt sich nicht selber an der Nase und gesteht: Ja, der größte Treiber in meinem Karrierestreben und Karriereleiden ist mein eigener Ehrgeiz?

Diese Strategien helfen, uns am unteren Ende der Fresskette gut festzubeißen und die Attacken nach oben vorzubereiten. Sie führen uns über längere Zeit möglicherweise an die Spitze, wahrscheinlicher aber in den Verlust unserer Autonomie, in sinnfreies Schuften und tiefe Lebenskrisen. Spätestens dann, wenn wir den eigenen Leistungszenit überschritten haben.

Die nächste Schale bildet sich im Wettbewerbsdruck unter Kollegen. Der Vergleich mit anderen ist ja etwas sehr Menschliches. Wenn es in der typischen Konzernwelt einen allgemein anerkannten, perfekt messbaren und vergleichbaren, für jeden verständlichen, im hohen Maße sichtbaren Indikator für außergewöhnliche Leistungs- und Leidensbereitschaft gibt, dann ist es die schiere Zeit, während der wir Bürostühle, Konferenzstühle, Autositze und Flugzeugsitze im Dienste der Firma plattsitzen. Die Bereitschaft zur „extra hour“ als kulturstiftende Einstellung, als höchste Form der Loyalitätsbekundung.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×