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25.07.2011

14:56 Uhr

Gastbeitrag zur Euro-Debatte

Warum die Griechenland-Hilfe der Banken eine Mogelpackung ist

VonHeinz-Dieter Smeets

ExklusivBanken und Versicherungen beteiligen sich an den Griechen-Rettungskosten. Das tut ihnen nicht weh, und es hilft dem Land auch nicht auf die Beine, sagt der Ökonom Smeets. Die neuen Hilfen könnten sogar schnell verpuffen.

Griechenland-Flagge. Quelle: dpa

Griechenland-Flagge.

DüsseldorfAm vergangenen Donnerstag haben sich die Staats- und Regierungschefs der Euro-Mitgliedsländer auf einen neuen Rettungsplan für das hoch verschuldete Griechenland geeinigt, der zumindest von den Börsen durch steigende Kurse honoriert wurde. Er setzt sich zunächst zusammen aus neuen finanziellen Hilfen in Höhe von 109 Milliarden Euro, einer Zinsreduktion für die (neuen) EU-Kredite auf 3,5 Prozent bei gleichzeitiger Laufzeitverlängerung auf bis zu 30 Jahren  und einer Beteiligung des privaten Sektors (Banken, Versicherungen, Fonds) in Höhe von rund 50 Milliarden Euro bis 2014. Zusammen ergibt dies einen Betrag in Höhe von 159 Milliarden Euro, auf den das neue Rettungspaket in manchen Veröffentlichungen beziffert wird. Die Beteiligung des privaten Sektors soll sich bis 2019 auf 106 Milliarden Euro weiter erhöhen und damit etwa den gleichen Umfang wie die öffentlichen Hilfen aufweisen.

Eine Vorstellung, die sich in der politischen Diskussion bestens verkaufen lässt und die Zustimmung zu dem neuen Paket sicherlich vereinfacht. Der Rettungsplan enthält darüber hinaus jedoch weitere Maßnahmen: So soll ein neuer Fonds gebildet werden, der die im Rahmen der Umschuldung ausgegebenen neuen Staatsanleihen durch Zero-Bonds absichert und so die volle Auszahlung nach 30 Jahren garantiert. 

Ergebnisse des Euro-Krisengipfels

Neue Kredite

Griechenland soll vom europäischen Krisenfonds für wackelnde Eurostaaten (EFSF) Kredite zu niedrigen Zinssätzen von rund 3,5 Prozent bekommen. Die Laufzeiten der Kredite sollen von bisher siebeneinhalb Jahren auf 15 bis 30 Jahre gestreckt werden. Ein umfangreiches Wachstums- und Investitionsprogramm soll Griechenland in Zusammenarbeit mit der EU-Kommission wieder auf die Beine bringen. Der Internationale Währungsfonds (IWF) wird angehalten, sich am Hilfsprogramm zu beteiligen. Auch die Laufzeiten der Kredite aus dem bereits existierenden Rettungsprogramm von 2010 sollen deutlich verlängert werden.

Einbeziehung von Banken

Der Finanzsektor wird sich auf freiwilliger Basis mit einer Reihe von Optionen an der Rettung Griechenlands beteiligen. Der Nettobeitrag der Banken soll bei 37 Milliarden Euro liegen - für die Zeit von jetzt bis 2014. Zusätzlich wird ein Betrag von 12,6 Milliarden Euro genannt für ein Schuldenrückkaufprogramm. Legt man den Zeitraum von 2011 bis 2019 zugrunde, beträgt der Nettobeitrag des privaten Sektors laut Abschlusserklärung 106 Milliarden Euro.

Neue Aufgaben für Krisenfonds

Der EFSF-Fonds bekommt neue Aufgaben. Er kann künftig zum Ankauf von Staatsanleihen genutzt werden - aber unter strikten Bedingungen. Zudem soll der Rettungsfonds vorbeugende Programme für Wackelkandidaten im Eurogebiet auflegen dürfen. Der EFSF wird nicht aufgestockt.

Irland und Portugal

Auch für Portugal und Irland, die ebenfalls von milliardenschweren Hilfsprogramm der Partner profitieren, sollen die Ausleihbedingungen des EFSF gelten.

Budgetdefizite

EU-weit sollen Budgetdefizite bis 2013 möglichst auf unter drei Prozent gedrückt werden. Das Sparpaket Italiens, mit dem dies bis 2012 erreicht werden soll, fand lobende Worte. Ebenso wurden die Reformanstrengungen von Spanien begrüßt.

Banken-Stresstests

Für durchgefallene Banken sollen die Euro-Länder entsprechende Auffangmaßnahmen bereitstellen.

Wirtschaftliche Koordination

Bei der geplanten Wirtschaftsregierung machen die Staats- und Regierungschefs Druck: Die seit Anfang Juli amtierende polnische EU-Präsidentschaft hat den Auftrag, die festgefahrenen Verhandlungen mit dem Europäischen Parlament voranzubringen.

Rating-Agenturen

Die Regierungschefs sind sich einig, dass die Macht der Rating-Agenturen eingedämmt werden muss. Vorschläge der Kommission zum Umgang mit den Agenturen werden erwartet. Außerdem wollen die Europäer eine eigene international bedeutende Ratingagentur etablieren.

Krisenmanagement

In der Eurozone soll das Krisenmanagement verbessert werden. Bis Oktober sollen EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy, Kommissionspräsident José Manuel Barroso und der Vorsitzenden der Eurogruppe, Jean-Claude Juncker, konkrete Vorschläge machen.

Die Europäische Finanzstabilisierungs-faszilität (EFSF) erhält neue Kompetenzen, zu denen vorbeugende Interventionen am Sekundärmarkt sowie die Rekapitalisierung nationaler Banken (bei einem Default) gehören. Ferner soll Griechenlands Wirtschaft durch technische Hilfen und Zahlungen aus EU-(Struktur-)Fonds gestärkt werden („Marshall-Plan“) und die Defizitquote in allen EWU-Mitgliedsländern, die nicht von Hilfsprogrammen abhängig sind, bis 2013 unter die 3-Prozent-Grenze gesenkt werden.

Besonders von deutscher Seite wurde die private Beteiligung in Höhe von 106 Milliarden Euro bis 2019 als besonderer Erfolg gefeiert. Selbst Josef Ackermann, Chef der Deutschen Bank, erklärte: „Das Paket trifft uns hart.“ Würde diese Aussage zutreffen, hätte er – als einer der Beteiligten am letzten Donnerstag – ein für ihn und die europäischen Banken schlechtes Ergebnis ausgehandelt. Schaut man sich die private Beteiligung jedoch etwas genauer an, dann erkennt man, dass sie eher einem symbolischen Beitrag gleicht; ein Beitrag, den man öffentlichkeitswirksam herausstellen kann, um von den eigentlichen (finanziellen) Zugeständnissen der Mitgliedsländer abzulenken.

Wie kommt es nun zu dem Beitrag von 106 Milliarden Euro? Die Forderungen privater Gläubiger gegenüber Griechenland belaufen sich bis 2019 auf rund 150 Milliarden Euro. Die EU geht nun davon aus, dass 90 Prozent der alten Schuldtitel im Rahmen des Umtauschprogramms, dass bereits in der Zeit von Ende August  bis Anfang September 2011 durchgeführt werden soll, in neue griechische Staatsanleihen überführt werden. Dies entspricht wiederum einem erwarteten Tauschvolumen von 135 Milliarden Euro. Die neuen Staatsanleihen sollen eine Laufzeit von 30 Jahren aufweisen und ihre Konditionen (Nennwertabschlag gegenüber den ursprünglichen Anleihen, Zinsverzicht) sollen so gestaltet sein, dass sich gemessen am Gegenwartswert – also demjenigen Wert, den die Anleihe unter Berücksichtigung der Konditionen zum gegenwärtigen Zeitpunkt besitzt – bei allen Varianten ein Verlust gegenüber den ursprünglichen Anleihen in Höhe von ca. 20 Prozent (das entspricht einem Gegenwartswert von 80 bezogen auf einen ursprünglichen Nennwert von 100) ergibt.

Kommentare (13)

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R.B.

25.07.2011, 15:26 Uhr

Es ist sogar noch schlechter. Viel schlechter.
Die Banken haben Nebelkerzen geworfen. Den Ökonomen wurden ein paar Knochen als Übungshausaufgaben hingeworfen an denen sie fleissig nagen bzw. rechnen können.

Zäumt man das Pferd nämlich nicht von hinten, sondern von Vorne auf - wie z.B. Bernd Niquet - ergibt sich eine ganz andere Rechnung:

http://nachrichten.finanztreff.de/news_news,awert,kommentare,bwert,bn,sektion,vermischtes.html
Aus dem Text:
"Wenn Sie also, lieber Leser, ins Casino gehen, die Hälfte ihres Geldes verspielen, anschließend jedoch die Hälfte der verlorenen Hälfte vom Steuerzahler zurückbekommen, dann haben Sie sich an den Verlusten beteiligt. Ja, haben Sie ja strenggenommen auch, weil Sie nicht alles vom Steuerzahler zurückbekommen haben."

Account gelöscht!

25.07.2011, 15:30 Uhr

ES FEHLEN DIE BEARBEITUNGSGEBÜHREN DER BANKEN!
Wer das Zahlenwerk aufmerksam liest, erkennt, daß die Ähnlichkeit zu einem Leasing-Vertrag eines gebrauchten Kraftfahrzeuges mit Motorschaden entweder beabsichtigt oder der Einstieg in eine kabarrettistischen Beitrag gelungen ist.
PAPPERLAPAPP - GRIECHENLAND IST PLEITE!

bommel

25.07.2011, 15:43 Uhr

jepp. und die versicherungen sind auch aus dem schneider, wenn sie den tod durch krieg und terroranschläge nicht involvieren in ihren verträgen. klever diese idioten.

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