Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

15.05.2015

20:44 Uhr

Gastbeitrag zur zyprischen Annäherung

Schritt für Schritt oder großer Wurf?

VonGünter Seufert

Seit Jahren schwelt der Konflikt zwischen Griechenland und der Türkei um die Mittelmeer-Insel Zypern. Der neue Präsident Nordzyperns Mustafa Akıncı könnte nun die Wende bringen – zum Leidwesen der Türkei.

Gleich zu Beginn seiner Amtszeit traf sich Nordzyperns Präsident Mustafa Akinci (l) mit dem Berater des UNO-Generalsekretärs für Zypern, Espen Barth Eide. ap

Diplomatisches Treffen in der Pufferzone

Gleich zu Beginn seiner Amtszeit traf sich Nordzyperns Präsident Mustafa Akinci (l) mit dem Berater des UNO-Generalsekretärs für Zypern, Espen Barth Eide.

BerlinFast euphorisch begrüßten die Europäische Union und die USA in der ersten Maiwoche die Wahl des neuen Präsidenten eines Staates, den sie nicht anerkennen. EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker sandte dem Wahlsieger Mustafa Akıncı ein Glückwunschtelegramm in die Türkische Republik Nordzypern (TRNZ), und EU-Parlamentspräsident Martin Schulz gratulierte telefonisch.

Auch US-Vizepräsident Joe Biden griff zum Hörer. Er forderte Nicos Anastasiadis, den Präsidenten der griechisch dominierten Republik Zypern auf, die Chance zu nutzen, die die Wahl Akıncıs für eine Lösung des Zypernproblems biete.

Günter Seufert ist Türkei- und Zypernexperte bei der Berliner Stiftung Wissenschaft und Politik.

Günter Seufert

Günter Seufert ist Türkei- und Zypernexperte bei der Berliner Stiftung Wissenschaft und Politik.

Mehr als zurückhaltend waren dagegen die Reaktionen in der Türkei, dem Staat, der als einziger diplomatische Beziehungen mit der TRNZ unterhält. Präsident Recep Tayyip Erdoğan bügelte moderate Vorstöße des neuen Führers der Zyperntürken nach größerer Unabhängigkeit der TRNZ von Ankara ab. Er machte klar, dass der anatolische »Mutterstaat« und nicht der „Babystaat“ die türkische Linie in den Verhandlungen bestimmen werde.

Damit relativiert ausgerechnet die Türkei, die stets betonte, dass die Türken auf Zypern ein Souverän für sich seien, die Rechte dieses Souveräns. Welche Möglichkeiten bietet der Konflikt zwischen Akıncı und Erdoğan für Fortschritte auf der geteilten Insel?

Die Zyperntürken hatten 2004 für die Annahme des UN-Plans zur Vereinigung der Insel votiert. Doch nach dessen Scheitern durch das „Nein“ der Zyperngriechen hatten sich die türkischen Zyprioten auf die anhaltende Teilung der Insel eingerichtet und 2009/10 den Gegner einer Einigung, Derviş Eroğlu, erst zum Premier und dann zum Staatspräsidenten gewählt. Enttäuscht waren die türkischen Zyprioten damals auch von der EU gewesen, die dem Versprechen des Europäischen Rates, ihnen den Direkthandel mit der EU zu ermöglichen, keine Taten folgen ließen.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×