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20.05.2011

09:42 Uhr

Gastkommentar

"Keine Schlupflöcher mehr auf dem Finanzmarkt"

VonChristine Lagarde

Christine Lagarde gilt als Top-Kandidatin für den Spitzenposten beim IWF. Doch wofür steht sie? In einem Handelsblatt-Gastbeitrag erklärt sie, wie die Finanzmärkte reguliert und künftige Krisen vermieden werden können.

Die französische Finanzministerin Christine Lagarde. Quelle: dpa

Die französische Finanzministerin Christine Lagarde.

Seit der Krise stellen wir uns die Frage, welchen wirtschaftlichen Sinn der Finanzsektor hat. Ich bin davon überzeugt, dass es langfristig denkende Finanziers gibt, die der Realwirtschaft dienen und nicht nur an heutige Gewinne, sondern auch an die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit von morgen denken. Genau diese Art von Finanzen wollen wir im Rahmen der G20 stärken.

Die Krise von 2007/08 hat unseren Volkswirtschaften einen harten Schlag versetzt und viele unserer Bürger um ihre Arbeit gebracht. Sie haben das als einen unfairen Schlag empfunden. Frankreich hat als Präsidentschaft der G20 eine besondere Verantwortung dafür, eine bessere Welt zu schaffen, in der unsere Jobs und Unternehmen nicht mehr Gefahr laufen, von einem neuen finanziellen Tsunami zerstört zu werden.

Aus meiner Sicht gibt es deshalb drei Prioritäten für die Regulierung des Finanzsektors: 1. die Entscheidungen der vergangenen fünf G20-Gipfel umsetzen, 2. neue Krisen zu verhindern und 3. für eine größere Bandbreite der Regulierung zu sorgen.

Je weiter die Krise zurückliegt, desto größer wird das Risiko, dass die G20-Entscheidungen links liegen bleiben. Wir müssen aber alle Teile des Finanzmarktes, die ihr entflohen waren, wieder in die Regulierung bringen, seien es nun Länder, Institute oder Individuen. Die Prinzipien, denen wir dabei folgen sollten, sind: Verantwortung der Entscheider, es darf keinen Anreiz für das Eingehen übermäßiger Risiken und keine Prämien für Versager mehr geben. Das Eigenkapital der Banken muss ausreichen, dafür haben wir mit den Basel-III-Vorschriften die Grundlage gelegt. Sie werden schrittweise bis 2019 eingeführt, so dass der Kreditfluss und der wirtschaftliche Aufschwung nicht abgewürgt werden. Und schließlich müssen wir eine gute Aufsicht über die Märkte haben.

In Europa haben wir die ersten gemeinsamen Regulierungsbehörden geschaffen und eine Richtlinie zur Überwachung der Hedge-Fonds beschlossen. Allen aus der G20 muss klar sein, dass es keine Schlupflöcher mehr geben darf, dass alle Staaten und Gebietskörperschaften nach den Regeln spielen müssen. Die Kontrolle durch das Financial Stability Board (FSB) ist dabei sehr wichtig.

Die zweite Priorität bei der Regulierung betrifft die Verhinderung und Lösung von Bankkrisen. Alle Mitglieder des FSB brauchen entsprechende nationale Mechanismen. Dazu gehören auch Instrumente, um die private Beteiligung bei Bankkrisen zu stärken, etwa durch Umschuldungen.

Kommentare (3)

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wolfi

20.05.2011, 13:55 Uhr

Was soll die Frage wo für Frau Lagarde steht, dies ist aus der Vergangenheit bekannt: Gegen Deutschland !!!

schafli

20.05.2011, 14:03 Uhr

und Deutschland ist ja auch die ganze Welt.
Setzen: 6.
sry

SeriousSam

20.05.2011, 14:33 Uhr

habe ich das nur überlesen oder hat die Frau tatsächlich keine Silbe zu den Staatsschulden verloren?

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