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11.02.2012

16:57 Uhr

Gastkommentar

Ohne die Jugend ist Europa verloren!

VonWolfgang Clement

Europas Zukunft entscheidet sich nicht auf dem Finanzmarkt, sondern auf dem Arbeitsmarkt. Die eskalierende Jugendarbeitslosigkeit in den meisten Mitgliedsstaaten muss überwunden werden, damit Europa nicht scheitert.

Wolfgang Clement war Bundesminister für Wirtschaft und Arbeit. dpa

Wolfgang Clement war Bundesminister für Wirtschaft und Arbeit.

DüsseldorfEs scheint im Widerspruch zu allem, was derzeit die Schlagzeilen bestimmt. Und dennoch ist es wohl keine überzogene Einschätzung: Die Zukunft Europas entscheidet sich letztlich nicht auf den Finanzmärkten. Über sie wird auf den europäischen Arbeitsmärkten entschieden. Denn ein Europa, dem sich die Bürger Europas verweigerten, müsste scheitern. Und sie werden sich verweigern, wenn es nicht gelingt, die derzeit in den meisten Mitgliedstaaten der Europäischen Union wieder teils drastisch ansteigende Arbeitslosigkeit und namentlich die buchstäblich den Atem verschlagende Eskalation der Jugendarbeitslosigkeit zu überwinden.

In Brüssel wird seit nunmehr fast 20 Monaten über alles und jedes, was „die Märkte“ angeht, intensivst diskutiert und jetzt auch entschieden, wenn auch nicht immer in logischer Abfolge. Nur eines stand bisher auf keiner aktuellen Tagesordnung, nämlich die Tatsache, dass in Spanien und Griechenland inzwischen jeder zweite Jugendliche ohne Ausbildungsplatz oder Arbeitsplatz ist, dass es in Portugal und selbst im reichen Italien nicht wesentlich besser ist und dass auch in der Mehrheit der anderen Mitgliedstaaten – in Frankreich wie in Großbritannien – längst die Alarmglocken über die wachsende Zahl von jugendlichen Arbeitsuchenden schrillen müssten.

Ein Skandal ist, dass dies nicht längst zu einem herausgehobenen Thema europäischer Erörterungen geworden ist, und es ist durchaus geeignet, den europäischen Einigungsprozess in der Substanz zu gefährden. Wenn der Euro scheitert, scheitert Europa, lautet das Credo von Merkozy. Richtiger ist: Wenn Europa die Jugend verliert, ist Europa verloren!

Dieses Europa war einmal eine Hoffnung, auf Frieden, auf Freiheit und auch auf einen fairen Wohlstand seiner Bürgerinnen und Bürger. Zumindest auf dem Kontinent standen die Volkswirtschaften, auch wenn man es hier oder da in den nationalen Programmen anders las, unter dem Rubrum einer Sozialen Marktwirtschaft. Heute aber wirkt dieses Europa auf die Mehrheit seiner Bürger nach allem, was man aus der Meinungsforschung ablesen kann, wie ein bürokratisches Monstrum, das einer wachsenden Zahl junger Leute keine Zukunftsperspektive vermittelt und sich mehr um Wohl und Wehe der Finanzmärkte sorgt als um seine Arbeitsmärkte. Das ist verheerend!

Kommentare (21)

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Account gelöscht!

11.02.2012, 17:13 Uhr

Die Überwindung der Jugendarbeitslosigkeit funktioniert am besten über Dumpinglöhne, damit sich die faulen S6cke mal wieder ans Aufstehen und Arbeiten gewöhnen können. Hat in Deutschland blitzsauber funktioniert, und sollte auch auf spanische Jungakademiker anwendbar sein. Bravo, Herr Adecco!

Kotz_dich_frei

11.02.2012, 17:47 Uhr

Ohne die Jugend ist Europa verloren!

... sagt der Cheflobbyist der Leiharbeitsbranche und Mitverantwortlicher der Agenda 2010 und der Rentenkürzungen.

Parasitaere_Systeme

11.02.2012, 18:00 Uhr

Ein solches europaweites Programm sollte im Wissen darum, dass eine Wirtschafts- und Währungsunion unweigerlich einen mobilen, also grenzüberschreitenden Arbeitsmarkt voraussetzt – das ist Conditio sine qua non –, die Förderung der Mobilität jugendlicher Arbeitsuchender ausdrücklich betreiben.
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Genau um das geht es Clement.
Er will „billige“ Ausländer für die deutschen Unternehmen anwerben, welche ja unter Fachkräftemangel leiden.
Ich bin nicht rassistisch, aber so langsam platzt mir wirklich der Kragen, wenn ich das hier lese.
Erst werden wir Deutschen vom diesem rotgrünen Pack jahrelang ausgeplündert und prekarisiert, unsere Ersparnisse bei Arbeitslosigkeit gesetzlich angeordnet umverteilt und jetzt werden unsere Arbeitsplätze und Einkunftsmöglichkeiten durch Ausländeranwerbung weiter entwertet.
Lobbyisten wie Clement sollten sich nicht darüber wundern, wenn der Rassismus und die Gewaltbereitschaft gegen Ausländer in D immer mehr zunimmt.

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