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25.08.2011

14:59 Uhr

Gastkommentar

Roubini warnt vor Rezession und Währungskrieg

ExklusivZwischen Märkten und öffentlichen Gütern muss ein neues Gleichgewicht gefunden werden, fordert Starökonom Nouriel Roubini. Das erfordere die Schaffung von Arbeitsplätzen, aber auch Eingriffe in die Besteuerung.

Nouriel Roubini:  Der Autor ist Chairman von Roubini Global Economics. Sie erreichen ihn unter:gastautor@handelsblatt.com ap

Nouriel Roubini: Der Autor ist Chairman von Roubini Global Economics. Sie erreichen ihn unter:gastautor@handelsblatt.com

DüsseldorfDie massive Korrektur der Aktienkurse signalisiert, dass die meisten hochentwickelten Volkswirtschaften am Rande einer W-förmigen Rezession (Double Dip) stehen. Bis letztes Jahr konnte die Politik immer wieder ein neues Kaninchen aus dem Hut zaubern, um eine wirtschaftliche Erholung auszulösen. Alles wurde probiert. Aber jetzt sind der Politik die Kaninchen ausgegangen. Die Fiskalpolitik ist sowohl im Euro-Raum als auch in Großbritannien ein Bremsklotz für das Wirtschaftswachstum.

Eine weitere Runde von Bankenrettungen ist politisch inakzeptabel und wirtschaftlich undenkbar: Die meisten Regierungen vor allem in Europa stecken derart in finanziellen Schwierigkeiten, dass Rettungsaktionen für sie unbezahlbar sind; tatsächlich heizen die staatlichen Ausfallrisiken derzeit Bedenken über die Gesundheit der europäischen Banken an, die den Großteil der zunehmend fragwürdigen Staatspapiere halten. Auch die Geldpolitik ist keine besondere Hilfe. Im Euro-Raum und in Großbritannien sind einer quantitativen Lockerung durch die über dem Zielwert liegende Inflation Grenzen gesetzt. In den USA dürfte die Federal Reserve eine dritte Runde der quantitativen Lockerung (QE3) einleiten, doch dies ist zu wenig und kommt zu spät.

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Eine Währungsabwertung ist keine praktikable Alternative für alle hochentwickelten Volkswirtschaften: Sie alle brauchen eine schwächere Währung und eine bessere Handelsbilanz, um das Wachstum wiederherzustellen, aber sie können das nicht alle gleichzeitig haben. Auf die Wechselkurse zu setzen, um die Handelsbilanzen zu beeinflussen, ist ein Nullsummenspiel. Am Horizont drohen daher Währungskriege; Japan und die Schweiz schlagen derzeit erste Schlachten, um ihre Wechselkurse zu schwächen. Andere werden in Kürze folgen.

Währenddessen laufen im Euro-Raum jetzt Italien und Spanien Gefahr, ihren Zugang zu den Märkten zu verlieren, und auch der finanzielle Druck auf Frankreich wächst. Aber Italien und Spanien sind beide zu groß, um scheitern zu dürfen, und auch zu groß, als dass man sie retten könnte. Fürs Erste wird die Europäische Zentralbank einige ihrer Anleihen aufkaufen – als Brücke zur neuen Europäischen Finanzstabilisierungsfazilität (EFSF). Doch falls Italien und/oder Spanien den Zugang zum Markt verlieren, könnte die Kriegskasse der EFSF von 440 Milliarden Euro bis Ende 2011 oder Anfang 2012 aufgebraucht sein. Anschließend bestünde, sofern nicht der EFSF-Topf verdreifacht würde – ein Schritt, dem sich Deutschland widersetzen würde –, die einzig verbleibende Option in einer geordneten Zwangsumstrukturierung der italienischen und spanischen Schulden.

Kommentare (9)

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mcmike

25.08.2011, 15:41 Uhr

Lieber Herr Moppelmann: Prinzipiell haben Sie vielleicht recht. Aber USD 96.000,- sind rund EUR 67.000,-

mitgerechnet

25.08.2011, 15:48 Uhr

Ihre Rechnung mag ja weitgehend richtig sein, aber bitte beziehen Sie auch die Kaufkraft mit ein. Vergleichen Sie dazu einfach Immobilienpreise, Lebensmittelpreise, Energiepreise usw. Was bringt das Mehr an Geld, wenn man dafür nichts kaufen kann.

der-oekonomiker

25.08.2011, 15:57 Uhr

Wir haben schon seit Monaten einen Währungskrieg. Es kämpft Dollar gegen Euro. Sollte Roubini es auch so langsam merken?

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