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08.09.2011

18:38 Uhr

Gastkommentar

Weg mit dem Einheits-Euro

VonHans-Olaf Henkel

Der Euro, so wie er ist, provoziert eine Spaltung nicht nur zwischen den Geber- und den Nehmerländern. Warum also nicht aus der einen Währung zwei machen - und den „Nord-Euro“ einführen?

Hans-Olaf Henkel, ehemaliger BDI-Präsident. dpa

Hans-Olaf Henkel, ehemaliger BDI-Präsident.

Die gestrige Entscheidung des BVG hat zwar ein paar parlamentarische Hürden aufgestellt, aber sie ändert nichts daran, dass die Bundesregierung mit ihrer „alternativlosen“ Euro-Politik in Richtung einer Transferunion weiterlaufen kann. Dabei drängt sich eine Alternative zur heutigen Euro-Politik geradezu auf, wenn man sich gezielt mit den drei Ursachen der Krise befasst.

Erstens stehen als Langzeitfolge der Finanzkrise viele Banken auf wackligen Füßen. So manches Rettungspaket für den Euro entpuppt sich als eins für Banken. Zweitens sind einige Euro-Länder massiv überschuldet. Drittens trägt auch der Euro Schuld an der gegenwärtigen Misere. So hätte sich weder Griechenland ohne niedrige Euro-Zinsen so hoch verschulden können, noch wäre in Spanien eine derartige Immobilienblase entstanden. Auch nahm der Euro den Ländern im Süden die Möglichkeit, durch Abwertungen wettbewerbsfähig zu bleiben. Schließlich führt die Einheitswährung zu einer Spaltung zwischen den „Geber- und Nehmerländern“ in der Euro-Zone und zu einem Graben zwischen diesen und den zehn Nicht-Euro-Staaten.

Wenn die Politiker mit dem Rückenwind des BVG-Urteils den Einheits-Euro weiter verteidigen, „koste es (die Deutschen), was es wolle“, wird jedes Land für die Schulden aller Länder verantwortlich. Wir kennen das Ergebnis aus dem deutschen Länderfinanzausgleich: organisierte Verantwortungslosigkeit! Auch ein teilweiser Schuldenerlass oder die Variante, Griechenland aus dem Euro zu werfen, würde nicht nur zum Sturm auf die Banken Athens, sondern sofort zu Dominoeffekten in anderen Ländern führen. Höchste Zeit, sich einer Alternative zuzuwenden, die den Knoten aus Finanzkrise, Euro-Krise und Verschuldungskrise löst.

Als Erstes müssen die Rettungsschirme renationalisiert werden. Französische Banken sollten durch französische Steuerzahler gerettet werden, nicht durch deutsche. Dazu müssen in Frankreich und anderswo die Banken temporär verstaatlicht werden. In den USA und in Schweden wurde das erfolgreich vorexerziert. Für Deutschland wäre das irrelevant, da sich schon fast zwei Drittel der Banken in staatlicher Hand befinden.

Statt den Euromantikern weiterhin das Heft des Handelns zu überlassen, sollte Merkel es selbst in die Hand nehmen und zusammen mit Ländern, die auf eine ähnliche Finanz- und Wirtschaftskultur zurückblicken, eine neue Währung begründen (Arbeitstitel: „Nord-Euro“). Neben Deutschland kämen hier Österreich, die Niederlande und Finnland infrage, aber auch Länder, die sich bis heute nicht für den Einheits-Euro entscheiden konnten, wie zum Beispiel Schweden.

Kommentare (57)

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Pendler

08.09.2011, 18:48 Uhr

Danke Herr Henkel, dass sie es auf den Punkt bringen. Giechenland ist schon seit 2-3 Monaten abgeschrieben.

Wir alle (die netto Stuern zahlen) wollen ein ehrlichen und faires Euro-Spiel.

## Schmeißt Griechenland endlich aus dem Euro##,

damit auch in Italien wieder die Politiker an die Macth kommen, die nicht von der MAFIS bezahlt werden.

P-G

08.09.2011, 19:12 Uhr

Leider richtig. Nur haben alle, die ein Ende des Deutschen Geldtransfers nach Süden herbeisehnen, nichts zu sagen. Und die, die das Sagen haben, wünschen sich nichts sehnlicher als ihre Wähler ins Chaos und in die Schuldensklaverei zu stürzen. Selbst das Verfassungsgericht macht mit. Keiner kann sie stoppen. Selbst die nächste Bundestagswahl nicht. Da werden Steinbrück, Gabriel und Co zusammen mit einem türkischen Erzieher und einer rothaarigen Ex-Bandmanagerin als erste Amtshandlung die EUDSSR-Ökodiktatur ausrufen. Das Volk kann nur eines tun. Mit den Füssen abstimmen oder an einem Tag X einen Bankrun veranstalten und die Konten räumen. Dann ist der Resetknopf auch gedrückt. Wenn die Zockerbanken mal nichts mehr auszahlen können, sehen die Leute wie sicher ihr Vermögen ist, dann geht dem Letzten Träumer ein Licht auf und Angies Garantien lösen sich in Luft auf. Ende des Euros - Bravo

Hanschen

08.09.2011, 19:20 Uhr

Das entscheidende Moment bei der Argumentation Herrn Henkels ist doch folgendes:
Es hilft den Griechen doch viel eher eine Rückkehr zur Drachme, als wenn sie jetzt am Boden liegend noch mit Euros zugeschmissen werden.
Hier redet vor allem Rot-Grün immer von Solidarität, aber wo ist diese denn tatsächlich, wenn man Griechenland nicht erlaubt, über Schuldenschnitt und Abwertung einer eigenen Währung wieder auf die Beine zu kommen. Hier wird m.E. tatsächlich das Europrojekt als das entlarvt, was es wirklich ist, nämlich das ideologische Konstrukt selbsternannter Eliten.

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