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29.08.2011

15:55 Uhr

Gastkommentar zur Euro-Krise

Deutsche Banken feierten mit

VonGordon Brown

Aus Sicht des früheren britischen Premierministers Gordon Brown trägt Deutschland eine Mitschuld an der Euro-Krise. Deutsche Banken hätten die Getränke spendiert für rauschende Feste in Spanien, Irland und Portugal.

huGO-BildID: 17403040 Britain's Prime Minister Gordon Brown holds a news conference at the end of an European Union leaders summit in Brussels, March 26, 2010. Euro zone leaders agreed on Thursday to create a joint financial safety net with the IMF to help debt-ridden Greece and to try to restore confidence in their common currency after weeks of wrangling. REUTERS/Sebastien Pirlet (BELGIUM - Tags: BUSINESS POLITICS) Reuters

huGO-BildID: 17403040 Britain's Prime Minister Gordon Brown holds a news conference at the end of an European Union leaders summit in Brussels, March 26, 2010. Euro zone leaders agreed on Thursday to create a joint financial safety net with the IMF to help debt-ridden Greece and to try to restore confidence in their common currency after weeks of wrangling. REUTERS/Sebastien Pirlet (BELGIUM - Tags: BUSINESS POLITICS)

Ich kann die rebellische Stimmung in Deutschland sehr gut verstehen. Der deutsche Ärger über die Krise in der Euro-Zone ist wohlbegründet. Während der vergangenen zehn Jahre haben die Deutschen auf Löhne verzichtet, strukturelle Reformen ertragen und fünf Millionen Arbeitslose akzeptiert, während die Wirtschaft modernisiert wurde. Spanien, Irland, Portugal und andere haben derweil rauschende Feste mit niedrigen Zinsen gefeiert.

Kein anderes Land hätte es geschafft, die Kosten der Integration von 16 Millionen Ostdeutschen zu schultern, dem Euro zu einem wenig attraktiven Kurs beizutreten und dennoch die Wettbewerbsfähigkeit zu steigern.

Deutschland verfügt jetzt über Europas stärkste Wirtschaft, Angela Merkel und die Deutschen verdienen Anerkennung. Wenn das jedoch die einzige Story wäre, dann wäre die Lösung für die Krise simpel. Einfach dem deutschen Modell folgen: Sparen, und wenn das nicht genug ist, mehr sparen.

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Vor drei Jahren, als die Finanzkrise zum ersten Mal zuschlug, definierte die deutsche Regierung das Problem rasch als ein angelsächsisches und machte die USA und Großbritannien dafür verantwortlich. Ein Jahr später, als sich die Finanzkrise zu einer globalen wirtschaftlichen ausweitete, retteten sich die Deutschen auf sicheres Terrain, indem sie die weltweite Krise nicht als eine Finanzkrise sahen, sondern in eine Krise von Staatsdefiziten und Schulden umtitulierten. Deutschland hat jedwede Schuld für alles, was fehlgelaufen war, abgelehnt. Die Deutschen können die Übernahme von teuren Maßnahmen zur Lösung der Krise aber nur solange zurückweisen, wie sie behaupten können, sie seien nicht die Ursache des Problems.

Deutschland hat jedoch der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich zufolge 1,5 Billionen Dollar an Griechenland, Spanien, Portugal, Irland und Italien ausgeliehen. Beim Ausbruch der Krise hielten deutsche Banken 30 Prozent aller Darlehen für diese Länder. Wenn man das deutsche Engagement im US-Hypothekenmarkt und in spekulative Anlagen auf dem europäischen Grundstücksmarkt hinzurechnet, dann wird klar, dass deutsche Banken die Getränke spendiert haben, wo immer eine Party stattfand. Deshalb sind deutsche Banken wesentlich tiefer in die Krise verstrickt als die Banken irgendeiner anderen entwickelten Volkswirtschaft. Sie schultern laut IWF das Zweieinhalbfache der US-Banken.

Kommentare (19)

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Pendler

29.08.2011, 16:09 Uhr

Auch wenn der nette engl. Lord mit dem € eigentlich nix am Hut hat, kommt man nicht ganz drum herum ihm Recht zu geben.

Mit anderen worten, wir haben unser Ausbildungssystem abgewürgt (PISA), damit die Dolce Vita Staaten Halli-Gally auf unsere Kosten machen können.

Danke Herr Schröder
Danke Frau Merkel

JaJa

29.08.2011, 16:18 Uhr

War dieser Gordon Brown nicht jener Politiker, der während seiner Amtszeit in feudaler Manier den Großteil der britischen Goldrerven in dubioser Art und Weise zum Tiefspreis verramscht und so dem britischen Volk schwersten finanziellen Schaden zugefügt hat?
Oder ist das nicht auch jener Gordon Brown, der als Premierminister das Land endgültig ruiniert und eine ältere, ihm verbundene Wählerin nach einem freundlichen Gespräch als "bornierte Frau" bezeichnet hat und damit seine ganze Verachtung gegenüber dem "Pöbel" zum Ausdruck gebracht hat?
Ist das nicht jener Gordon Brown, der für die katastrophalen Zustände in GB, die zu den jüngsten Unruhen führten, in hohem Maße Mitverantwortung trägt?
Bitte um Entschuldigung, wenn das ein anderer Gordon Brown ist, der sich hier als Finanzexperte outet....

nobum

29.08.2011, 16:19 Uhr

Ist in England der Gläubiger schuldig, wenn der Schuldner nicht bezahlen kann?

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