Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

21.03.2016

14:14 Uhr

Gauck in China:

Kooperation trotz Differenzen ausbauen

China ist für Deutschland ein ebenso wichtiger wie schwieriger Partner. Der Bundespräsident ist bei seinem Staatsbesuch vor allem vorsichtig. Am ersten Tag betont Gauck die Gemeinsamkeiten.

Bundespräsident Joachim Gauck wird am Montag in Peking vom chinesischen Staatspräsidenten Xi Jinping (l) mit militärischen Ehren empfangen. dpa

Gauck in China

Bundespräsident Joachim Gauck wird am Montag in Peking vom chinesischen Staatspräsidenten Xi Jinping (l) mit militärischen Ehren empfangen.

PekingUngeachtet der Differenzen über Menschenrechte und Demokratie wollen Deutschland und China ihre Kooperation weiter ausbauen. Bundespräsident Joachim Gauck würdigte am ersten Tag seines Staatsbesuchs in Peking die guten Beziehungen. Er traf am Montag mit Staats- und Parteichef Xi Jinping und Ministerpräsident Li Keqiang zusammen. Gauck und Xi eröffneten ein „Jahr des Jugendaustausches“, um die Begegnungen von Schülern und Studenten zu intensivieren.

„Ich komme in einer Zeit, in der es wichtig ist, bestehende Brücken auszubauen und die Beziehungen zu vertiefen“, sagte Gauck. Menschenrechtler begleiteten seinen Besuch mit Appellen, sich für inhaftierte Anwälte und Bürgerrechtler sowie für Glaubensfreiheit und die Rechte von Minderheiten einzusetzen.

Zahlen und Fakten zu China

Bevölkerung

China ist mit 1,37 Milliarden Menschen das bevölkerungsreichste Land der Erde.

Fläche

Auf einer Fläche von rund 9,5 Millionen Quadratkilometern ist China in 22 Provinzen und fünf Autonome Regionen gegliedert.

Sonderverwaltungszonen

Dazu kommen die beiden Sonderverwaltungsregionen Hongkong und Macau.

Hauptstadt

Die Hauptstadt des Reichs der Mitte ist Peking. Dort allein leben mehr als 20 Millionen Menschen – und das sind nur die offiziellen Zahlen.

Han und Minderheiten

Die große Mehrheit der Bevölkerung sind Han-Chinesen (91,6 Prozent), dazu kommen 55 Minderheiten.

Religion

Rund ein Fünftel der Bevölkerung hängt Volksreligionen an, dazu kommen sechs Prozent Buddhisten und 2,4 Prozent Muslime.

Stadt und Land

Mit 749 Millionen Menschen lebt die Mehrheit der Bürger (55 Prozent) in Städten.

Gauck sagte, er wolle mit Chinas Führung über „Gemeinsamkeiten, aber auch Differenzen“ reden. „Wir beide wissen, dass wir in einigen politischen Fragen nicht wirklich miteinander übereinstimmen, aber wir sind bereit, darüber zu sprechen“, sagte er dem chinesischen Magazin „Caixin“ und nannte Menschenrechte und Rechtsstaatlichkeit.

Chinas Präsident empfing den Bundespräsidenten vor der Großen Halle des Volkes mit militärischen Ehren. Danach sagte Gauck: „Es befriedigt mich sehr, dass die führende Nation Asiens und die Bundesrepublik Deutschland in einer so ausgewogenen und harmonischen Beziehung sind.“ Es gebe auch Konkurrenz, etwa in der Wirtschaft und zwischen den Gesellschaftssystemen, aber „in gegenseitiger Achtung und großem Respekt“.

Mit Premier Li Keqiang sprach der Bundespräsident über den Ausbau der ökonomischen Beziehungen, die Lage der langsamer wachsenden chinesischen Wirtschaft und den neuen Fünf-Jahres-Plan, den der Volkskongress erst vergangene Woche gebilligt hatte.

Zum Auftakt seines Besuches diskutierte Gauck in der zentralen Hochschule der Kommunistischen Partei mit dem für Propaganda zuständigen Politbüromitglied Liu Yunshan. In dem „offenen Gespräch“ fragte Gauck nach Angaben von Teilnehmern auch, wie sich der Führungsanspruch der kommunistischen Partei mit rechtsstaatlichen Prinzipien vereinbaren lasse. „Der Bundespräsident hat viele kritische Fragen gestellt“, sagte ein Delegationsmitglied.

Bei seinem fünftägigen Besuch in China wird Gauck, der von seiner Lebensgefährtin Daniela Schadt begleitet wird, außer Peking auch die ostchinesische Hafenstadt Shanghai und die alte Kaiserstadt Xi'an besuchen. Am Dienstag wollte Gauck auch den chinesischen Künstler Zeng Fanzhi und fünf bekannte Schriftsteller treffen, bevor er nach Shanghai weiterreist.

Die muslimische Minderheit der Exil-Uiguren rief Gauck dazu auf, sich auch für die Volksgruppe in der nordwestchinesischen Unruheregion Xinjiang einsetzen. Die Uiguren beklagen politische, kulturelle und religiöse Unterdrückung.

Von

dpa

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×