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29.04.2014

16:42 Uhr

Gauck kontert Erdogan

„Ich war noch zurückhaltend“

Er ließ sich seine Agenda nicht nehmen: Bundespräsident Gauck sprach auf seiner Türkeireise Klartext, plädierte für mehr individuelle Freiheit. Dafür kritisierte ihn Gastgeber Erdogan scharf – zu Unrecht, findet Gauck.

Reaktion auf Gaucks Kritik

Erdogan: „Er hält sich noch immer für einen Pastor“

Reaktion auf Gaucks Kritik: Erdogan: „Er hält sich noch immer für einen Pastor“

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IstanbulBundespräsident Joachim Gauck hat Vorwürfe des türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdogan wegen seiner Kritik an demokratischen Defiziten in der Türkei zurückgewiesen. „Ich habe mir erlaubt, das zu tun, was ich immer tue. Nämlich die kritischen Themen, die in einer Gesellschaft diskutiert werden, aufzunehmen. Das ist normal unter Freunden“, sagte Gauck. Ich habe nichts erfunden, ich bin eher noch zurückhaltend gewesen.“

Erdogan hatte Gauck „Einmischung in die inneren Angelegenheiten unseres Landes“ vorgeworfen. Dazu sagte der Bundespräsident, er frage nicht nur bei den Regierenden, sondern auch bei den Regierten nach. „Wir bilden uns aus beiden Informationen unser Bild.“ Zuvor war Gauck auch mit Regierungsgegnern zusammengetroffen, die zum Teil massive Kritik an autoritären Tendenzen der Regierung Erdogan übten. Gauck beendet am Dienstag seinen Staatsbesuch in der Türkei.

Kommentar: Gauck geht mit Erdogan ins Gericht

Kommentar

Gauck geht mit Erdogan ins Gericht

Das dürfte dem türkischen Premier Erdogan nicht gefallen haben: Bundespräsident Gauck hat ihn so deutlich kritisiert wie lange kein Besucher mehr. Doch Erdogan wird das nicht zum Nachdenken bringen – im Gegenteil.

Auch im Auswärtigen Amt stößt die Kritik des türkischen Ministerpräsidenten Erdogan an den Äußerungen von Bundespräsident Gauck auf entschiedenen Widerspruch. Die „emotionalen Auslassungen“ Erdogans seien „weder im Inhalt noch im Ton angemessen“, sagte Staatsminister Michael Roth (SPD) der „Welt“. „Ich kann mich nur wundern und den Kopf schütteln“, fügte er hinzu.

Roth sagte, der Bundespräsident habe mit seinen Worten „genau die richtige Balance gefunden – Respekt vor den großen Leistungen für die syrischen Flüchtlinge und Anerkennung für den immensen wirtschaftlichen und sozialen Aufschwung der Türkei“. Gaucks Kritik greife „konkrete Sorgen aus der Mitte der türkischen Zivilgesellschaft auf – die Infragestellung der Unabhängigkeit der Justiz, staatliche Beeinflussung der Medien und rechtsstaatliche Mängel“. Dies müsse „unter Freunden möglich“ sein.

Kommentare (10)

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29.04.2014, 17:03 Uhr

Einer der besten Bundespräsidenten seit langem!

Account gelöscht!

29.04.2014, 17:37 Uhr

Wenn die Sonne tief steht werfen auch kleine Manschen lange Schatten.

Account gelöscht!

29.04.2014, 18:27 Uhr

Der Bundesgauckler redet nur dort Klartext, wo es OPPORTUN ist.
Köhler hatte dagegen auch dort Klartext geredet, wo es ganz und gar nicht genehm war, z.B. in der "Eurokrise":
"Wir brauchen ein zweites Bretton Woods, um die Ursachen der globalen Krise aufzuarbeiten".
http://www.sueddeutsche.de/politik/sz-interview-koehler-fordert-weltfinanzkonferenz-1.368381
Er wusste nämlich als Ex-IWF-Direktor viel - zu viel - über unser Geldsystem.
Und wo ist z.B. Gaucks Kritik an unseren Spionage-"Freunden"??
Obama kriecht er stattdessen derart in den Enddarm hinein, dass er, wenn er wieder herauskommt, äußerlich nicht mehr von ihm zu unterscheiden ist.

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