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17.06.2016

20:28 Uhr

Gauck zu Besuch in Warschau

Die Ehekrise mit Polen

Wie ein gutes, altes Ehepaar seien Deutsche und Polen, sagt Polens Präsident Duda. Auch bei ihnen hängt manchmal der Haussegen schief. Bundespräsident Gauck findet später klare Worte gegen Nationalismus.

Joachim Gauck mit seinem Amtskollegen und Andrzej Duda in Warschau. AP

Besuch beim Nachbarn

Joachim Gauck mit seinem Amtskollegen und Andrzej Duda in Warschau.

Berlin/WarschauAndrzej Duda strafft sich in seinem eng geschnittenen Anzug. Jetzt kommt der heikle Part bei seinem Auftritt mit Europas mächtigster Frau. Das deutsch-polnische Verhältnis, sagt der stramm konservative Staatspräsident aus Warschau mit einem feinen Lächeln zu Angela Merkel, sei wie eine „gute, alte Ehe“. Da gebe es immer auch mal strittige Fragen. Duda macht eine Pause.

Wenn man zusammenbleiben will, gegenseitige Sympathie und Wohlwollen noch da sind, erklärt er, wird das schon werden: „Ich bin fest entschlossen, dass wir das gemeinsam lösen.“ Da neigt Merkel fast ein bisschen verlegen den Kopf nach rechts zu ihrem 44-jährigen Nachbarn, lächelt und spitzt den Mund.

Auch sie wählt zuvor wohlwollende Worte, spricht von einer Erfolgsgeschichte beider Länder nach den Grauen des Krieges. Das sei ein großes Glück, das „mich dankbar und angesichts der Geschichte demütig macht“. Dennoch ist bei der Pressekonferenz am Freitagmorgen im Kanzleramt nur wenig Herzlichkeit, keine Wärme zu spüren. Zu frostig ist das Klima zwischen Berlin und Warschau.

Deutsch-polnisches Verhältnis: Kein Freundschaftsspiel

Deutsch-polnisches Verhältnis

Kein Freundschaftsspiel

Wenn am Abend in Paris Deutschland gegen Polen spielt, werden sich beide Mannschaften nichts schenken. Ähnlich steht es um die Beziehungen beider Länder: Deutsche wie polnische Politiker neigten jüngst zu Frustfouls.

Bemerkenswert ist, dass Merkel, die sich sonst gern als Fußball-Kanzlerin inszeniert, kein Wort über das 0:0 zwischen Deutschland und Polen ein paar Stunden zuvor bei der EM in Paris verliert. Auch Duda erwähnt das Spiel nicht. Der Pole hat es sich in seiner Berliner Botschaft angeschaut.

Warum lud Bundespräsident Joachim Gauck Duda nicht ins Schloss Bellevue ein, um auf der Couch bei einem Bier zu gucken, wie Boateng mit seiner Grätsche ein Lewandowski-Tor verhindert? Begründung: Hohe Termindichte. Übersetzt heißt das, Gauck und Duda wollten nicht. Auch fliegen die Präsidenten am Freitag nicht zusammen, sondern im Abstand von 30 Minuten jeder in seiner eigenen Maschine nach Warschau, wo die Feiern zur deutsch-polnischen Silberhochzeit weitergehen. Das lässt tief blicken. Torlos. Unentschieden. Trostlos?

Wenn man den EM-Kick positiv ins Politische drehen möchte: Nur kein Sieger und kein Verlierer. Auf den Tag genau 25 Jahre nach der Unterzeichnung des Nachbarschaftsvertrags zwischen den einstigen Erzfeinden knirscht es zwischen Berlin und Warschau vernehmlich. Selbst wenn Merkel und Gauck immer wieder freundliche Worte finden.

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