Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

12.10.2014

19:58 Uhr

Gaza-Konferenz

Katar spendet mehr als USA und EU zusammen

Rund eine halbe Milliarde Euro stellt der Westen für den Wiederaufbau im Gazastreifen zur Verfügung. Das Königreich Katar macht 792 Millionen Euro locker. Insgesamt kommt mehr Geld zusammen, als zuvor geschätzt wurde.

Wiederaufbau im Nahen Osten

5,4 Milliarden Dollar Unterstützung für Gaza-Streifen

Wiederaufbau im Nahen Osten: 5,4 Milliarden Dollar Unterstützung für Gaza-Streifen

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

KairoBei einer internationalen Geberkonferenz in Kairo sind Hilfszusagen für den Wiederaufbau im Gazastreifen in Höhe von 5,4 Milliarden Dollar (rund 4,3 Milliarden Euro) gemacht worden. Insgesamt 450 Millionen Euro will die EU bereitstellen, wie die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton am Sonntag sagte. Die USA geben nach Angaben von Außenminister John Kerry 212 Millionen US-Dollar (rund 168 Millionen Euro). Mit umgerechnet rund 792 Millionen Euro bringt das Emirat Katar die größte Einzelspende auf.

An der von Ägypten und Norwegen einberufenen Konferenz nahmen rund 30 Außenminister sowie regionale und internationale Organisationen teil. Die Gelder werden zur Beseitigung der schweren Schäden benötigt, die der jüngste Gaza-Krieg hinterlassen hat.

US-Finanzhilfen für Israel und die Palästinensergebiete

USA - Palästinas wichtigste Geldquelle

Die USA gehören seit Jahren zu den wichtigsten Geldgebern der Palästinenser. Wegen der Gefahr, dass die Mittel in die Hände von Terroristen fallen, wird die Freigabe der Mittel streng geprüft. Israel wird jedes Jahr mit noch kräftigeren Finanzhilfen aus Washington unterstützt. Eine Übersicht:

Wie viel Geld fließt nach Gaza?

Seit 2008 betrugen die Finanzhilfen der USA für den Gazastreifen und das Westjordanland jedes Jahr durchschnittlich 400 Millionen Dollar. Im laufenden Haushaltsjahr stellte Washington 440 Millionen Dollar (330 Mio Euro) bereit. Das Geld fließt an die Hilfsorganisation USAID und als direkte Budgethilfe an die Palästinensische Autonomiebehörde.

Wer bekommt die Hilfe?

USAID nutzt ihren Anteil nach Angaben des US-Rechnungshofes, um die Palästinenser mit Trinkwasser zu versorgen und Krankenhäuser zu modernisieren. Außerdem werden damit Schulen gebaut oder renoviert und mit Material ausgestattet. Auch der Privatsektor wird unterstützt. 70 Millionen Dollar der Finanzhilfen sind nach Angaben des US-Außenministeriums für die Unterstützung palästinensischer Sicherheitskräfte und

Helfen die USA der Zivilbevölkerung?

Die USA sind zudem der größte Geldgeber für das Hilfswerk der Vereinten Nationen für Palästina-Flüchtlinge im Nahen Osten UNRWA. Für das laufende Haushaltsjahr wurden 250 Millionen Dollar (187 Mio. Euro) bereitgestellt. Das Hilfswerk versorgt Flüchtlinge unter anderem mit Essen, Unterkünften und Medikamenten.

Wie unterstützen USA Israel?

Israel ist der größte Empfänger von US-Finanzhilfen seit dem Zweiten Weltkrieg. Fast das gesamte Geld dient der Unterstützung des Militärs. Dank der Hilfe der USA gehören die israelischen Streitkräfte zu den höchstentwickelten der Welt.

Wie viel Geld bekommt Israel?

Bisher haben die USA das Land mit 121 Milliarden Dollar (90,6 Mrd. Euro) unterstützt. Für das laufende Haushaltsjahr sind 3,1 Milliarden Dollar vorgesehen sowie 502 Millionen Dollar (376 Mio. Euro) für die israelische Raketenabwehr. Für das kommende Jahr soll diese Summe noch aufgestockt werden.

Warum bekommt Israel so viel Hilfe?

Dank einer breiten Unterstützung im Kongress genießt Israel beim Empfang dieser Mittel einmalige Vorteile. So wird das Geld seit Jahren bereits in den ersten 30 Tagen des in den USA am 1. Oktober beginnenden Haushaltsjahres zur Verfügung gestellt. Außerdem kann das Land einen bedeutenden Teil der Finanzhilfen - derzeit rund ein Viertel - zur Beschaffung von Waffensystemen und anderen militärischen Mitteln im Inland verwenden, was sonst unüblich ist.

Israel hatte im Juli und August mehr als 5000 Ziele in dem Palästinensergebiet angegriffen, um den Raketenbeschuss der islamistischen Hamas einzudämmen. Militante Palästinenser feuerten 4500 Raketen auf Israel ab. Mehr als 2100 Palästinenser und mehr als 70 Israelis wurden in dem 50-tägigen Krieg getötet. 18.000 Häuser wurden nach Angaben der UN-Nothilfeorganisation Ocha zerstört oder beschädigt.

Die beiden Kriegsparteien Israel und die Hamas waren nicht zur Konferenz eingeladen. Lediglich die Autonomiebehörde unter Führung von Palästinenserpräsident Mahmud Abbas war in Kairo. Abbas bezifferte die Wiederaufbaukosten auf insgesamt rund vier Milliarden Dollar. Die Spendensumme übersteigt also die Erwartungen.

Deutschland steuert - zusätzlich zu seiner Beteiligung an den EU-Geldern - weitere 50 Millionen Euro bilaterale Hilfe bei. Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier betonte, ein Zurück in die alte Konfrontation dürfe es nicht geben. „Niemand will Infrastruktur aufbauen, nur damit sie kurz darauf wieder zerstört wird“, hieß es in einer Mitteilung seines Amtes. Gaza dürfe deshalb nicht mehr von der Hamas und anderen Extremisten als Waffenlager missbraucht werden. Zudem müssten die Menschen eine wirtschaftliche Perspektive erhalten.

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon warnte, die Geberkonferenz dürfte nicht zum Ritual werden: „Aufbauen und zerstören - und dann von der internationalen Gemeinschaft erwarten, sie zahle die Rechnung.“ Auch US-Außenminister John Kerry sah eine dauerhafte Lösung des Nahost-Konfliktes als Ziel der Verhandlungen. Dem Gazastreifen könne nur dann nachhaltig geholfen werden, wenn er unter palästinensischer Selbstverwaltung stünde. „So lange die Hamas Raketen auf Israel abfeuert, so lange leben auch die Menschen in Gaza weiter in Gefahr.“

Palästinenserpräsident Abbas machte sich für die Gründung eines unabhängigen Palästinenserstaates stark. Die Konferenz müsse für einen neuen internationalen Versuch genutzt werden, den israelisch-palästinensischen Konflikt zu lösen. Die UN sollten eine Grenzziehung überwachen, die es Israel und einem Palästinenserstaat erlauben würde, „in guter Nachbarschaft“ zu leben, sagte Abbas.

Die USA waren im Frühjahr mit monatelangen Vermittlungsversuchen gescheitert. Als besonders strittig zwischen Israel und den Palästinensern gelten der Status von Jerusalem, die Grenzen sowie das Rückkehrrecht palästinensischer Flüchtlinge.

Kommentare (3)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Herr Wolfgang Trantow

13.10.2014, 08:21 Uhr

Spenden für Gaza? Nicht mehr! Was haben die mit den Milliarden gemacht? Sie weigert sich Gaza auf zu bauen und kauften nur Waffen, damit Sie Israel zerstören bzw. Israelis ermorden konnten!! Mörder unterstützen? Nie!!!!!

Herr Rene Weiß

13.10.2014, 11:36 Uhr

Raus mit dem dt. Steuergeld! Warum auch im Inland investierten oder Steuern/Abgaben senken. Raus damit, alles raus. Damit es für religiöse Animositäten zerbombt wird.

Herr Jens Muche

13.10.2014, 12:07 Uhr

„Katar spendet mehr als USA und EU zusammen“

Diese Meldung ist in der Tat bemerkenswert insofern, da sich die superreichen islamischen Staaten sonst mit Spenden für ihre in Not geratenen Brüder im Glauben sehr zurückhalten und denen zu helfen lieber den „Ungläubigen“ überlassen. Die Frage, die sich mir im Falle Gaza stellt, ist, wie oft sollen wir dort noch aufbauen? Ich denke es wird Zeit, daß, besonders auf dieser Seite der Mauer, die Rationalität vor Glaubensfanatismus einziehen muß und statt Waffen endlich ausreichend Versorgungsgüter für die Gazabevölkerung beschafft wird. Das wäre ein Schritt in Richtung Frieden in der Region.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×