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31.07.2014

04:33 Uhr

Gaza-Konflikt

Harte Kritik nach Angriff auf Uno-Schule

Im Nahost-Konflikt zeichnet sich kein Ende ab: Granaten töten Zivilisten in einer Uno-Schule und auf einem Marktplatz. Der Hamas-Militärchef will weiter kämpfen – bis die Blockade der Mittelmeer-Enklave vorbei ist.

Scharfe Kritik

UN fordern Ende der Gewalt im Gaza-Streifen

Scharfe Kritik : UN fordern Ende der Gewalt im Gaza-Streifen

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Gaza/Tel AvivGut drei Wochen nach Beginn des Gazakrieges sind palästinensische Zivilisten erneut ins Fadenkreuz der Kämpfe geraten. Beim Beschuss einer Einrichtung der Hilfsorganisation UNRWA kamen am Mittwoch im Flüchtlingslager Dschabalia im nördlichen Gazastreifen mindestens 15 Menschen ums Leben, wie ein Sprecher der palästinensischen Rettungsdienste mitteilte. Israelische Panzergranaten töteten nach diesen Angaben Stunden später mindestens 17 Palästinenser auf einem Marktplatz im Stadtteil Sadschaija.

200 weitere Menschen erlitten Verletzungen, wie es hieß. Die Bewohner des umkämpften Stadtviertels strömten zum Markt, nachdem Israel eine vierstündige humanitäre Feuerpause erklärt hatte, die allerdings von einem Sprecher der militant-islamischen Hamas als „Täuschungsmanöver“ abgelehnt wurde. Wie Augenzeugen berichteten, hörten die israelischen Panzer auch dann nicht auf zu schießen, als Rettungskräfte und Journalisten am Schauplatz eingetroffen waren.

Eine Armeesprecherin in Tel Aviv sagte, dass das Militär den Vorfall noch prüfe. Zu dem Beschuss der UNRWA-Schule im Flüchtlingslager Dschabalia sagte eine andere Sprecherin der israelischen Streitkräfte, dass militante Palästinenser in der Nähe der Schule Mörsergranaten auf israelische Soldaten abgefeuert hätten. Die Truppen hätten das Feuer erwidert.

US-Verteidigungsminister Hagel telefoniert mit Jaalon

Angesichts der Gewalteskalation hat US-Verteidigungsminister Chuck Hagel mit seinem israelischen Kollegen Mosche Jaalon gesprochen. Hagel habe in dem Telefonat die Besorgnis Washingtons über die hohe Zahl palästinensischer Opfer im Gazastreifen bekräftigt, teilte Pentagonsprecher John Kirby am Mittwoch mit. Jaalon habe sich zudem für die finanzielle US-Hilfe mit Blick auf das israelische Raketenabwehrsystem Iron Dome bedankt.

Trotz der Bedenken des Weißen Hauses über den hohen Blutzoll der seit gut drei Wochen andauernden Militäroffensive unterstützen die USA Israel weiter bei der Aufstockung seiner Waffenarsenale. So habe Washington Mörsergeschosse und Granaten aus einem Depot angeboten, das es in Israel unterhält, sagte ein Mitarbeiter im Pentagon. Das Vorgehen sei eine Routinemaßnahme, bei der ältere Lagerbestände durch neuere Munition ersetzt werde.

Streitpunkte zwischen Israel und Hamas

Ende der Feindseligkeiten nicht in Sicht

Sowohl Israel als auch die Palästinenser verlangen ein Ende des Beschusses. Jedoch befeuern sich Hamas und Israel beständig gegenseitig, so dass ein Ende der Gewalt nicht in Sicht ist.

Grenzübergänge

Die Hamas will in Gaza vor allem den Güter- und Personenverkehr über die Grenze wieder in Gang setzen. Israel blockiert die Grenzübergänge im Osten und Norden sowie von der Seeseite, Ägypten führt im Süden ein strenges Grenzregime. Der gescheiterte ägyptische Vorschlag sah vor, Übergänge im Süden zu öffnen, wenn sich die Lage beruhigt habe.

Der Hamas geht es vor allem um den Übergang in Rafah. Es ist der wichtigste Zugang der Menschen von Gaza zur Außenwelt. Ägypten hat dort den Personenverkehr im vergangenen Jahr stark eingeschränkt. Dies hängt mit der engen Verbindung der Hamas zur in Ägypten verfolgten islamistischen Muslimbruderschaft zusammen, der der gestürzte Präsident Mohammed Mursi angehört. Die Hamas will nun vor allem von Ägypten Garantien für den Übergang in Rafah, denn frühere Versprechungen waren nicht eingehalten worden.

Gefangene

Bei der Suche nach drei entführten und letztlich getöteten israelischen Religionsschülern im Westjordanland haben israelische Sicherheitskräfte Hunderte Hamas-Angehörige festgenommen. Dutzende der Männer waren bereits früher in Haft und wurden bei einem Gefangenenaustausch 2011 freigelassen. Israel argumentiert, die nun wieder Festgenommenen hätten gegen ihre Entlassungsbedingungen verstoßen. Die Hamas will sie mit ihrem ununterbrochenen Raketenbeschuss freipressen. Beobachter rechnen nicht damit, dass sich Israel darauf einlassen könnte.

Entmilitarisierung

Israel würde eine Waffenruhe mit der Hamas akzeptieren, wenn sie für eine Entmilitarisierung des Gazastreifens genutzt würde. Raketen und von der Hamas genutzte Tunnel will Israel beseitigen.

Die Hamas hat ihr Raketenarsenal in den vergangenen Jahren erweitert. Inzwischen kann sie auch weiter entfernte Ziele in Israel angreifen. Raketen flogen bereits auf Tel Aviv und bis zur mehr als 160 Kilometer entfernten Stadt Haifa. Für die Hamas kommt eine Entwaffnung nicht infrage.

Aussicht auf eine längere Kampfpause?

Zuletzt hatten sich Hamas und Israel 2012 einen mehrere Tage dauernden bewaffneten Konflikt geliefert. Danach war für mehrere Monate weitgehend Ruhe. Israel hofft, mit seinen massiven Angriffen diesmal die Hamas einzuschüchtern und sie so auf längere Zeit von Raketenbeschuss abzuhalten.


UN-Vertreter zeigten sich unterdessen schockiert über den Angriff auf die UNRWA-Schule. „Wo ist die Menschlichkeit, wo ist die Moralität?“, twitterte die UN-Nothilfekoordinatorin Valerie Amos. „Hier sterben Kinder, Zivilisten.“ Der UNRWA-Sprecher in Gaza, Chris Gunness, schrieb auf Twitter: „Das ist das 6. Mal, dass 1 unserer Schulen bei Kämpfen in #Gaza getroffen wurde. Unsere Notunterkünfte quellen über.“ Auch fünf UN-Mitarbeiter, darunter drei für UNRWA tätige Lehrer, seien bislang getötet worden. Mehr als 200.000 Palästinenser hätten in UN-Schulen Schutz gesucht.

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