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01.01.2009

10:32 Uhr

Gaza-Konflikt

Israel bereitet Bodenoffensive vor

Am Rande des Gazastreifens warten offenbar zahlreiche israelische Bodentruppen auf den Einmarschbefehl. Eine Tageszeitung meldete, mehrere tausend Soldaten seien in Bereitschaft, darunter viele Reservisten. Der Bodeneinsatz mit starken Verbänden solle nach Vorstellung der Armee heftig und kurz sein, hieß es. Der UN-Sicherheitsrat konnte sich derweil nicht auf eine Resolution einigen.

Zerstörte Gebäude im Gazastreifen. Foto: rtr Reuters

Zerstörte Gebäude im Gazastreifen. Foto: rtr

HB JERUSALEM. Trotz internationaler Appelle für eine Feuerpause bereitet sich das israelische Militär einem Bericht der Tageszeitung "Haaretz" zufolge auf eine massive Bodenoffensive im Gazastreifen vor. Demnach sprach sich die israelische Armeeführung für einen groß angelegten, zeitlich jedoch befristeten Einmarsch in das von der radikal-islamischen Hamas kontrollierte Küstengebiet aus. Israels Ministerpräsident Ehud Olmert soll den Vorschlag befürworten.

Entlang der militärischen Sperrzone um den Gazastreifen rüsteten sich die israelische Soldaten in Panzern für einen Angriff. Wenige hundert Meter entfernt warteten Kämpfer der Hamas in Schützengräben auf eine Offensive. Die palästinensischen Extremisten haben angekündigt, im Falle eines Einmarschs mit einem breit angelegten Netz aus Sprengfallen und Minen der israelischen Armee hohe Verluste zufügen zu wollen.

Regen und Sturm machten einen unmittelbaren Einmarsch in den Gazastreifen am Donnerstag zwar unwahrscheinlich. Das Wetter in der Region sollte den Vorhersagen zufolge aber in den kommenden Tagen aufklaren, womit bessere Bedingungen für einen militärischen Angriff gegeben wären.

Seit Beginn der Kämpfe am vergangenen Samstag sind nach palästinensischen Angaben 396 Menschen im Gazastreifen getötet und mehr als 1700 verletzt worden. Auf israelischer Seite kamen vier Menschen ums Leben. Israel begründet seine Luftangriffe auf den Gazastreifen mit anhaltendem Raketenbeschuss der Hamas aus dem Küstengebiet. Beide Seiten haben einen bedingungslosen Waffenstillstand wiederholt abgelehnt.

Die israelische Luftwaffe setzte auch am sechsten Tag der Militäroffensive "Gegossenes Blei" ihre Angriffe im Gazastreifen fort. Dabei seien erneut Regierungsgebäude der radikal-islamischen Hamas-Organisation beschossen worden. In Dschebalia sei bei den Angriffen eine Frau getötet worden. Auch die Marine habe von der See aus erneut Ziele der Hamas bombardiert. Entlang der Grenze des Gazastreifens zu Ägypten seien Schmugglertunnel angegriffen worden.

Der israelische Verteidigungsminister Ehud Barak hatte am Mittwoch gesagt, Israel sei entschlossen, die Ziele der Militäroperation zu erreichen. Es will damit den ständigen Raketenbeschuss militanter Palästinenser unterbinden. "Wir haben Hamas einen sehr schweren Schlag versetzt", sagte Barak bei einem Besuch in der israelischen Wüstenstadt Beerschewa, in der mehrere Grad-Raketen eingeschlagen waren. "Aber sie reagiert auch, wie wir sehen." Barak betonte, die Gaza-Offensive werde "nicht kurz und nicht einfach" sein.

Unterdessen hat sich der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen auf einer Dringlichkeitssitzung zunächst nicht auf eine Resolution zum Konflikt im Gazastreifen einigen können. Die USA und Großbritannien lehnten in der Neujahrsnacht einen von den arabischen Staaten vorgelegten Entwurf als unausgewogen ab. In diesem sollte Israel zu einem sofortigen Waffenstillstand und einer Aufhebung der Blockade des Gazastreifens aufgefordert werden.

Der US-Botschafter bei den Vereinten Nationen, Zalmay Khalilzad, sagte, die USA bemühten sich intensiv um einen sofortigen Waffenstillstand zwischen Israel und der Hamas. Es gebe bisher jedoch keine Hinweise darauf, dass die radikalislamische Organisation zu einer Einstellung ihrer Raketenangriffe bereit sei. Auch der britische UN-Botschafter John Sawers bezeichnete den arabischen Entwurf als einseitig und erklärte, eine ausgewogene Vorlage hätte gute Chancen, vom Sicherheitsrat verabschiedet zu werden. Zu einer Abstimmung kam es am Mittwoch zunächst nicht. Diese wurde frühestens am Montag erwartet.

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