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17.11.2012

19:12 Uhr

Gaza-Konflikt

Israel und Hamas in Gewaltspirale

Die israelische Raketenabwehr hat eine Rakete der Hamas kurz vor Tel Aviv stoppen können. Angaben zu Opfern gibt es bisher nicht. Zuvor hatte Israels Luftwaffe zahlreiche Einrichtungen im Gazastreifen bombardiert.

Aufräumarbeiten in Gaza: Die Luftangriffe haben starke Schäden hinterlassen. dpa

Aufräumarbeiten in Gaza: Die Luftangriffe haben starke Schäden hinterlassen.

Tel AvivDer Gaza-Konflikt schaukelt sich auf: Die radikal-islamische Hamas hat sich für israelische Bomben auf ihre Regierungszentrale gerächt und eine weitere Rakete Richtung Tel Aviv abgefeuert. Den dritten Tag in Folge wurde am Samstag Luftalarm ausgelöst. Die israelische Raketenabwehr zerstörte das Geschoss in der Luft, sie war erst wenige Stunden zuvor zum Schutz der Mittelmeermetropole aufgebaut worden. Gleichzeitig zog Israel weitere Truppen zusammen. Bis zu 75 000 Reservisten müssen mit einer Einberufung rechnen.

Nach Angaben von Augenzeugen flohen im Gazastreifen Tausende Menschen aus Furcht vor einer israelischen Bodenoffensive aus ihren Häusern und suchten weiter im Zentrum Zuflucht. Am frühen Morgen hatten israelische Kampfjets die Hamas-Regierungszentrale und andere wichtige Verwaltungsgebäude in Gaza-Stadt zerbombt. Wieder gab es Tote und Verletzte. Die Zahl der Todesopfer auf palästinensischer Seite stieg auf 40, darunter mindestens 14 Zivilisten.

Eskalation der Gewalt zwischen Gaza und Tel Aviv

10. November 2012

Palästinenser beschießen einen israelischen Panzerjeep am Grenzzaun und verletzen mehrere Soldaten. Israel reagiert mit einem Panzerangriff im Gazastreifen, bei dem nach palästinensischen Angaben mindestens 6 Menschen getötet werden. Als Antwort schlagen mehr als 100 Raketen und Mörsergranaten im Süden Israels ein.

12. November

Trotz einer vom ägyptischen Geheimdienst ausgehandelten Waffenruhe werden weitere Raketen vom Gazastreifen aus auf israelisches Gebiet abgeschossen.

14. November

Die israelische Luftwaffe tötet gezielt den Hamas- Militärchef Ahmed al-Dschabari. Bei mehr als 20 Luftangriffen der israelischen Offensive „Säule der Verteidigung“ sterben laut UN zehn Palästinenser. Zuvor waren mehr als 15 Raketen auf Israel abgefeuert worden, es gab mehrere Verletzte.

15. November

Der militärische Arm der Hamas in Gaza bezeichnet die Tötung Al-Dschabaris als „Kriegserklärung“ und kündigt massive Rache an. Von Gaza aus fliegen mindestens 245 Raketen nach Israel. Dabei werden drei Israelis getötet. Die israelische Armee wiederum hat seit Beginn der Offensive nach eigenen Angaben fast 230 Ziele im Gazastreifen angegriffen. Am Abend wird erstmals seit 1991 Luftalarm in Tel Aviv ausgelöst. Wenige Stunden zuvor war eine Gaza-Rakete einige Kilometer südlich von der Mittelmeermetropole auf freiem Feld aufgeschlagen, eine andere soll laut Medienberichten explodiert und ins Meer gestürzt sein.

16. November

Auch während eines Besuchs des ägyptischen Ministerpräsidenten Hischam Kandil in Gaza sterben laut Hamas Menschen durch israelische Luftangriffe. Israel betont dagegen, seit dem Morgen nicht mehr angegriffen zu haben. Seit dem Beginn des Besuchs von Kandil seien aber mindestens 50 Raketen in Richtung Israel abgefeuert worden. Tel Aviv wird erneut mit einer Rakete beschossen. Das Geschoss geht laut Polizei in einem unbewohnten Areal nieder. Israel hat inzwischen 16 000 Reservisten zu den Waffen gerufen. Auch Panzer und anderes schweres Gerät sind nach Rundfunkberichten auf dem Weg zum Gazastreifen.

Die Hamas feuerte bis zum Nachmittag 76 Raketen Richtung Israel ab. Zuvor hatte Hamas-Sprecher Sami Abu Suhri in einer Mitteilung mit Vergeltung gedroht: „Wir schwören Rache für Tod und Schrecken, die die Besatzer über unsere Menschen bringen.“ Israel werde einen hohen Preis für seine Verbrechen zu zahlen haben.

Israel bombardiert seit Mittwoch pausenlos Ziele im Gazastreifen und vertraut dabei auf den engen Verbündeten USA. „Die USA haben uns volle Rückendeckung dafür gegeben, alle nötigen Maßnahmen zu ergreifen, um unsere Staatsbürger vor dem Terror der Hamas zu schützen“, sagte Israels Botschafter in Washington, Michael Oren, in amerikanischen Medien. In Israel starben bislang drei Menschen, 24 wurden verletzt. Im Gaza-Streifen sollen weit mehr als 300 Menschen verletzt worden sein.

Die neue Raketenabwehr bei Tel Aviv gehört nach Armeeangaben zum Typ „Iron Dome“ (Eisenkuppel) und schützt vor Kurzstreckenraketen mit einer Reichweite bis 70 Kilometer. Das System habe eigentlich erst im Januar aufgebaut werden sollen. Angesichts mehrerer palästinensischer Raketenangriffe sei der Termin aber vorgezogen worden. Vier Systeme sind bereits um den Gazastreifen herum stationiert.

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