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27.07.2014

15:41 Uhr

Gaza-Konflikt

Israel will keine Waffenruhe mehr

Im Gaza-Konflikt hat die Palästinenserorganisation Hamas eine 24-stündige Waffenruhe verkündet. Doch die lehnt Israel nun ab. weil Hamas weitere Angriffe startet. Das Leiden der Palästinenser geht weiter.

Israelische Soldaten beobachten Bombeneinschläge im Gaza-Streifen. ap

Israelische Soldaten beobachten Bombeneinschläge im Gaza-Streifen.

Israel will vorerst keine neue 24-stündige Waffenruhe ausrufen. Die radikal-islamische Hamas verletze die von ihr am Sonntag angekündigte Feuerpause selbst, sagte Regierungschef Benjamin Netanjahu in einem Interview des US-Senders CNN. „Wir werden alles notwendige tun, um unser Volk zu schützen.“

Die Hamas hatte zuvor eine 24-stündige Waffenruhe erklärt, die von 14.00 Uhr (Ortszeit, 13.00 Uhr MESZ) gelten sollte. Allerdings bekannte sie sich noch kurz vor 15.00 Uhr zu Mörserangriffen.

Hamas-Sprecher Sami Abu Suhri erklärte, die verschiedenen "Widerstandsgruppen" hätten den Waffenstillstand auf Bitten der Vereinten Nationen vereinbart. Demnach findet die Feuerpause angesichts Eid al-Fitr statt, dem islamischen Fest zum Ende des Fastenmonats Ramadan, das von Montag bis Mittwoch gefeiert wird. Zuvor hatte Israel eine einseitige Feuerpause wegen des anhaltenden Raketenbeschusses durch die Hamas wieder aufgekündigt.

Israel hatte die zwölfstündige Kampfpause von Samstag zunächst um vier und dann um weitere 24 Stunden verlängert. Wegen der unablässigen Angriffe der Hamas kündigte die Armee am Morgen aber die Wiederaufnahme ihres Einsatzes am Boden, in der Luft und auf dem Wasser an. Seitdem wurden mehrere Palästinenser im Gazastreifen getötet. Bei der knapp dreiwöchigen Militäroffensive starben bereits mehr als 1000 Palästinenser, der Großteil davon Zivilisten. Auf der israelischen Seite kamen seit dem 8. Juli 43 Soldaten und drei Zivilisten ums Leben.

Die Führungsriege der Hamas

Führer der radikal-islamischen Hamas

Sie leben gefährlich - und häufig im Exil. Die Führer der radikal-islamischen Palästinenserorganisation Hamas müssen ständig Angriffe Israels fürchten. Viele hochrangige Mitglieder wurden von Israel getötet. Wer sind derzeit die bekanntesten Führer?

Chaled Maschaal

Der Kopf des Exil-Politbüros wurde 1956 nahe Ramallah im Westjordanland geboren. Seine Familie floh während des Sechs-Tage-Krieges 1967 nach Kuwait, wo Maschaal Physik studierte. Als Teenager schloss er sich der Muslimbruderschaft, später auch der Hamas an. 1990 zog er nach Jordanien, wo er die Leitung der Hamas übernahm. Israel wirft ihm vor, die erste Intifada (palästinensischer Volksaufstand) mitorganisiert zu haben. 1997 überlebte Maschaal in Amman einen Tötungsversuch des israelischen Geheimdienstes. Im Dezember 2012 besuchte er nach der letzten Konfliktrunde den Gazastreifen - zum ersten Mal seit Jahrzehnten. Tausende Palästinenser jubelten ihm zu. Er lebt heute in Katar.

Ismail Hanija

Hanija kam in einem Flüchtlingslager in Gaza zur Welt, wo er auch heute lebt. Er studierte an der Islamischen Universität in Gaza arabische Literatur. Als einer von etwa 400 Aufständischen wurde Hanija 1992 von Israel in den Südlibanon ausgewiesen. Nach seiner Rückkehr wurde er Büroleiter der Hamas, 2006 Ministerpräsident in dem von der Hamas beherrschten Gazastreifen. Hanija gilt als vergleichsweise pragmatisch. In einigen Interviews deutete er die Bereitschaft zu einem Kompromiss über eine Zwei-Staaten-Lösung an.

Mussa Abu Marsuk

Die Nummer zwei der Hamas-Führung im Exil studierte in Ägypten und den USA. Marsuk soll gute Beziehungen zu muslimischen Spendern unterhalten, die die Hamas immer wieder finanziell unterstützten. Er soll außerdem an der Planung mehrerer Attentate in Israel beteiligt gewesen sein. In den vergangenen Monaten trieb er die Versöhnung mit der rivalisierenden Fatah voran. Der 63-Jährige lebt derzeit in Kairo.

Mahmud al-Sahar

Der ausgebildete Chirurg gehört zu den Gründungsvätern der Hamas. Als Sohn einer Ägypterin und eines Palästinensers wurde er 1945 in der Stadt Gaza geboren. Seine Jugend verbrachte er in Ägypten, wo er auch studierte. Nach seiner Rückkehr nach Gaza lehrte er an der örtlichen Islamischen Universität. In den 1970er-Jahren gründete er erst die Muslimbruderschaft im Gazastreifen und später zusammen mit Scheich Ahmed Jassin die Hamas. Die israelische Armee versuchte, Al-Sahar 2003 mit einer Bombe zu töten; er überlebte leicht verletzt, verlor aber einen Sohn. Nachdem Israel Scheich Jassin ein Jahr später gezielt getötet hatte, stieg Al-Sahar in den Führungszirkel der Hamas auf. Vor wenigen Tagen wurde sein Haus von der israelischen Armee zerstört.

Die kurzzeitige Feuerpause am Samstag nutzten zahlreiche Menschen in Gaza dazu, um ihre Vorräte aufzustocken. Die Rettungskräfte erreichten erstmals seit Beginn der israelischen Bodenoffensive am 17. Juli bis dahin schwer umkämpfte „Todeszonen“, darunter das östliche Stadtviertel Sadschaija. Sie bargen mehr als 150 Leichen, wie die Rettungsdienste mitteilten.

Den Helfern und Reportern boten sich dort Bilder der Zerstörung und Verwüstung. Ganze Straßenzüge wurden durch Bombardements dem Erdboden gleichgemacht. Zurückkehrende Bewohner bahnten sich einen Weg durch Trümmerfelder und suchten nach Habseligkeiten. Einige begruben ihre toten Angehörigen auf freien Flächen zwischen den Häusern.

Die Außenminister aus sieben Ländern riefen bei einem Nahost-Krisentreffen in Paris am Samstag beide Seiten auf, die Feuerpause zu verlängern. Zu dem Treffen, an dem die Außenminister der Türkei und Katars, aber keine Vertreter Israels und der Palästinenser teilnahmen, hatte US-Außenminister John Kerry eingeladen.

Kommentare (1)

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Herr Wolfgang Trantow

28.07.2014, 19:54 Uhr

Leiden der Palästinenser? Nein, das Leiden der Israelis geht weiter. Die islamgläubige halten immer noch am Befehl: "Tötet Andersgläubige" fest und unsere Politiker unterstützen dies.

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