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22.11.2012

07:49 Uhr

Gaza-Konflikt

Waffenruhe in Nahost hält bislang

Erst hat es so ausgesehen, als sei die Feuerpause im Gazastreifen schnell vorbei. Nach israelischen Angaben feuerten radikale Palästinenser Raketen ab. Doch nun scheinen sich beide Seiten an die Vereinbarung zu halten.

Waffenruhe in Nahost scheint zu halten

Video: Waffenruhe in Nahost scheint zu halten

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Kairo/JerusalemDie Waffenruhe zwischen Israel und der im Gazastreifen herrschenden Hamas hat zunächst gehalten. Eine Armeesprecherin in Tel Aviv sagte am Donnerstag, seit Mitternacht habe es keine Raketenangriffe mehr auf israelische Städte gegeben. Auch Israels Luftwaffe habe keine Ziele im Gazastreifen angegriffen. Am Mittwochabend seien noch nach offiziellem Beginn der Waffenruhe fünf Raketen auf Israel abgefeuert worden. Die Schulen im Umkreis von bis zu 40 Kilometern Entfernung vom Gazastreifen blieben am Donnerstag noch geschlossen. Die Armee rief die Bevölkerung dazu auf, weiterhin wachsam zu sein.

Israel hatte am Mittwochabend angekündigt, der Waffenruhe eine Chance zu geben, drohte aber für den Fall einer Missachtung mit einer erneuten Militäraktion. Die Hamas begrüßte die Einigung. Anführer Chaled Meschaal sicherte die Einhaltung zu, solange Israel sich an die Vereinbarung halte. Ein Bombenanschlag auf einen Bus in Tel Aviv hatte zunächst die Hoffnungen auf eine rasche Einigung gedämpft.

Palästinenser feiern in Gaza-Stadt den Waffenstillstand. dpa

Palästinenser feiern in Gaza-Stadt den Waffenstillstand.

In Gaza gingen Bewohner auf die Straßen und feuerten Freudenschüsse sowie Feuerwerkskörper ab. Es sei egal, ob Israel den Waffenstillstand breche, die Palästinenser seien zum Kampf bereit, sagte ein Anwohner. "Aber wir hoffen, sie haben ihre Lektion gelernt." Meschaal erklärte, die Regierung in Jerusalem sei mit ihrem militärischen "Abenteuer" gescheitert. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon rief beide Seiten auf, ihren Zusicherungen Taten folgen zu lassen.

Bundesaußenminister Guido Westerwelle erklärte am Donnerstag in Berlin, dass die Bundesregierung den Palästinensern 1,5 Millionen Euro zur Verbesserung der medizinischen Versorgung im Gazastreifen zugesagt. „Damit wollen wir einen Beitrag dazu leisten, für die Menschen im Gazastreifen eine echte Lebensperspektive zu entwickeln, die ein friedliches Miteinander erst möglich macht“, teilte Westerwelle mit. Er begrüßte, dass die am Vortag verkündete Waffenruhe zwischen der Hamas und der israelischen Armee über Nacht gehalten hat.

Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu erklärte, er wolle mit seiner Zustimmung zur Waffenruhe die Möglichkeit schaffen, die Lage zu stabilisieren und beruhigen, bevor eine "massivere Aktion" nötig sei. Sein Büro teilte mit, das habe Netanjahu gegenüber US-Präsident Barack Obama erklärt. Obama hatte nach Angaben des US-Präsidialamtes Netanjahu geraten, der Waffenruhe zuzustimmen. Zugleich habe Obama seinen Verbündeten Israel der Unterstützung der USA versichert.

„Die Militäroperation ist abgeschlossen, der Wahlkampf hat begonnen“, kommentierte die Zeitung „Jerusalem Post“ die Einigung. Netanjahu will nach Einschätzung von Kommentatoren aus einer Position der Stärke in die Parlamentswahl im Januar 2013 gehen.

Israels Offensiven im Gazastreifen

23. Juli 2002

Bei einem israelischen Raketenangriff werden in Gaza der militante Palästinenserführer Scheich Salah Schehada und 14 weitere Menschen getötet, darunter neun Kinder. Nach israelischen Angaben war er Drahtzieher mehrerer Terroranschläge.

6. März 2003

Mit einem Panzervorstoß gegen das Flüchtlingslager Dschabalia im Gazastreifen reagiert Israel auf einen Terroranschlag in Haifa.

28. August 2003

Israelische Kampfhubschrauber feuern in Chan Junis im südlichen Gazastreifen Raketen ab. Dabei wird Hamdi Kadach getötet, der für den Mörserbeschuss israelischer Siedlungen verantwortlich gewesen sein soll.

20. Oktober 2003

Bei israelischen Luftangriffen werden mindestens 13 Palästinenser getötet. Einer der Getöteten, Chaled Masri, wird als ein führender Waffenbeschaffer der Hamas bezeichnet.

22. März 2004

Scheich Ahmed Jassin, Gründer und geistlicher Führer der Hamas, wird in Gaza von einer israelischen Rakete getötet.

17. April 2004

Jassins Nachfolger Abdel Asis Rantisi stirbt in Gaza bei einem israelische Luftangriff.

21. Oktober 2004

Adnan el Rul, ranghoher Führer des bewaffneten Arms der Hamas, wird bei einem israelischen Raketenangriff auf sein Auto in Gaza getötet.

28. Juni 2006

Die israelische Armee rückt zur Befreiung des am 25. Juni verschleppten Soldaten Gilad Schalit mit Bodentruppen in den Gazastreifen ein.

1. November 2006

Die Armee tötet bei Kämpfen von Bodentruppen in Beit Hanun im nördlichen Gazastreifen mindestens 34 Palästinenser.

5. Juli 2007

Israels Armee stößt mit Panzern auf Flüchtlingslager im zentralen Gazastreifen vor, mindestens elf Palästinenser sterben.

1. März 2008

Israel startet die Operation „Heißer Winter“. Bei den Kämpfen mit Bodentruppen sterben über 100 Menschen.

27. Dezember 2008

Israel beginnt mit Luftangriffen auf Hamas- Einrichtungen im Gazastreifen, wenige Tage später beginnt die Bodenoffensive „Gegossenes Blei“. Bis am 18. Januar eine Waffenruhe in Kraft tritt sterben nach palästinensischen Quellen mindestens 1310 Palästinenser, die Israelis melden 13 Tote.

9. April 2011

Drei Hamas-Kommandeure werden in Rafah bei einem israelischen Angriff von Raketen eines Kampfflugzeugs getötet.

9. März 2012

Das israelische Militär tötet bei zwei Luftangriffen im Gazastreifen insgesamt fünf Palästinenser, darunter den Kommandeur der militanten Palästinenserorganisation Volkswiderstandskomitee, Zuher al Kesi.

In ägyptischen Kreisen hieß es, die Waffenruhe habe die "Garantien" Ägyptens. Aus israelischen Kreisen verlautete, Israel werde nicht - wie von der Hamas gefordert - die Blockade des Gazastreifens komplett aufheben.

Luftangriffe: Palästinenser fühlen sich mitten im Krieg

Luftangriffe

Palästinenser fühlen sich mitten im Krieg

Täglich steigt im Gazastreifen die Zahl der Toten und Verletzten. Die Bevölkerung lebt angesichts ständiger Luftangriffe Israels in Angst und Schrecken. Die Lage in der Enklave wird immer prekärer.

Bundesaußenminister Guido Westerwelle hat die Waffenruhe ausdrücklich begrüßt. „Wenn diese Waffenruhe hält, wäre das eine große Erleichterung für uns alle, aber vor allem für die Menschen in Israel und in Gaza“, sagte Westerwelle nach einer am Mittwochabend vom Auswärtigen Amt verbreiteten Mitteilung. „Alle Seiten stehen jetzt in der Verantwortung, damit aus einer Waffenruhe ein stabiler Waffenstillstand wird. Wir werden tun, was wir können, um eine Stabilisierung der Situation zu unterstützen.“

Westerwelle telefonierte am Mittwochabend mit seinem israelischen Kollegen Avigdor Lieberman. Dieser habe für den deutschen Einsatz bei den Friedensbemühungen gedankte, erklärte das Auswärtige Amt in Berlin.

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