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05.08.2014

07:14 Uhr

Gaza-Krieg

72 Stunden Schweigen

Ägyptens Bemühungen um eine Waffenruhe im Gaza-Konflikt haben Früchte getragen, die nun beginnt. Sie soll für 72 Stunden gelten. Eine Verlängerung der Feuerpause ist nicht ausgeschlossen.

Konferenz in Kairo

Israel und Hamas verhandeln über dauerhafte Waffenruhe

Konferenz in Kairo: Israel und Hamas verhandeln über dauerhafte Waffenruhe

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KairoVier Wochen nach Beginn des Gaza-Kriegs gibt es neue Hoffnung auf ein Ende des blutigen Konflikts. Eine von Ägypten vermittelte dreitägige Waffenruhe zwischen Israel und den militanten Palästinensern im Gazastreifen hat am Dienstag begonnen. Minuten vor Beginn der Waffenruhe heulten in Israel noch die Warnsirenen. Die Feuerpause trat um 08.00 Uhr (07.00 Uhr/MESZ) in Kraft.

Zuvor hatte das israelische Militär erklärt, seine Bodentruppen komplett aus dem Gazastreifen abziehen. „Die israelischen Verteidigungskräfte werden sich auf Posten außerhalb des Gazastreifens zurückziehen und auf diesen Verteidigungsposten bleiben“, sagte Oberleutnant Peter Lerner vor Journalisten. Radiosender hatten berichtet, dass Israels Hauptziel, die Zerstörung von Tunnel der Hamas, erreicht worden sei. Mindestens 32 der Tunnel seien entdeckt und gesprengt worden, hieß es unter Berufung auf das Militär.

Israel und eine Palästinenserdelegation, die sich zu Gesprächen in Kairo aufhielt, hatten der Waffenruhe zugestimmt. Hochrangige israelische und palästinensische Delegationen sollen nun in Kairo über eine langfristige Waffenruhe beraten. Eine einseitige Waffenruhe, die Israel am Montag für die Zeit zwischen 09.00 Uhr und 16.00 Uhr (MESZ) erklärt hatte, erwies sich als brüchig.

Im bisher verlustreichsten und am längsten andauernden Gaza-Krieg wurden nach Angaben des palästinensischen Gesundheitsministeriums bislang 1838 Palästinenser getötet und rund 9500 verletzt, rund zwei Drittel davon Zivilisten. Auf israelischer Seite starben 64 Soldaten und drei Zivilisten.

Israelische Bodeneinsätze im Gazastreifen

Juni 2006

Die Armee startet eine Bodenoffensive zur Befreiung des kurz zuvor entführten israelischen Soldaten Gilad Schalit. Die Aktion trägt den Namen „Sommerregen“: Truppen dringen in den südlichen Gazastreifen ein, bombardieren unter anderem Brücken und ein Elektrizitätswerk. Die Lage im Nahen Osten insgesamt verschärft sich in der Folgezeit. Im Juli kommt es zum Libanon-Krieg. Schalit ist erst im Oktober 2011 wieder frei - im Gegenzug werden mehrere hundert palästinensische Gefangene ausgetauscht.

November 2006

Das Militär geht mit Luftangriffen und Bodentruppen gegen militante Gruppen vor, die Israel mit Raketen beschießen. Zu schweren Auseinandersetzungen kommt es vor allem in Beit Hanun im nördlichen Gazastreifen. Palästinenserpräsident Mahmud Abbas ruft den UN-Sicherheitsrat zum sofortigen Eingreifen auf. Bis zum Ende der sechstägigen Operation werden nach Angaben der israelischen Streitkräfte 60 radikale Palästinenser getötet.

Januar 2009

Nach Luftangriffen auf Hamas-Einrichtungen vom Dezember beginnt Israel die Bodenoffensive. Ziel der Operation „Gegossenes Blei“ ist es, den Raketenbeschuss von Grenzorten aus dem Gazastreifen zu unterbinden. Vom 27. Dezember bis zum 3. Januar schlagen mehr als 450 Raketen auf israelischem Boden ein. Am 18. Januar tritt eine temporäre Waffenruhe in Kraft. Bis dahin sterben palästinensischen Quellen zufolge mindestens 1310 Palästinenser. Israel meldet zehn getötete Soldaten und drei getötete Zivilisten.

In Israel wurde am Montag erstmals seit Beginn der Offensive ein tödlicher Anschlag mit einem Baufahrzeug verübt. Ein palästinensischer Attentäter rammte in Jerusalem mit seinem Bagger einen städtischen Autobus. Dabei wurde ein Passant getötet, sechs Businsassen erlitten Verletzungen, wie der israelische Polizeisprecher Micky Rosenfeld am Montag bestätigte. Der Attentäter wurde von der Polizei erschossen. Die israelische Nachrichtenseite „ynet“ schrieb von „Terror vor dem Hintergrund des Gaza-Kriegs“.

In Jerusalem hatte es in der Vergangenheit schon mehrmals ähnliche Anschläge mit Baufahrzeugen gegeben, etwa im Juli 2008. Damals waren drei Israelis getötet worden. Auch im März 2009 kam es zu einer solchen Amokfahrt, bei der zwei Polizisten verletzt und der Fahrer erschossen wurden.

Unterdessen wurde bekannt, dass die USA weitere Gelder für das israelische Raketenabwehrsystem Iron Dome bereitstellen. Präsident Barack Obama setzte am Montag seine Unterschrift unter ein Gesetz, das zusätzliche 225 Millionen Dollar zur Auffüllung der Depots vorsieht. Erst vergangene Woche hatte der Kongress das Geld freigegeben.

Die israelische Raketenabwehr hat seit Beginn des Gaza-Kriegs vor drei Wochen Dutzende Raketen abgeschossen, die vom Gazastreifen aus auf Israel abgefeuert worden waren. Die Abfangquote liegt laut israelischen Regierungsvertretern bei bis zu 90 Prozent.

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