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09.12.2014

19:19 Uhr

Gaza-Krieg

Amnesty wirft Israel mögliche Kriegsverbrechen vor

Israel könnte die Bewohner Gazas kollektiv bestraft haben - das vermutet die Menschenrechtsorganisation Amnesty International in einem Bericht. Israel schießt zurück: Amnesty ignoriere Fakten.

Amnesty International beschuldigt Israel möglicher Kriegsverbrechen im Gaza-Krieg. Reuters

Amnesty International beschuldigt Israel möglicher Kriegsverbrechen im Gaza-Krieg.

Tel AvivDie Menschenrechtsorganisation Amnesty International hat Israel mögliche Kriegsverbrechen in den letzten Tagen des Gaza-Kriegs vorgeworfen. Das Militär habe mit vier Angriffen mehrere Hochhäuser vollständig zerstört, hieß es in einem am Dienstag veröffentlichten Bericht der Organisation. Dabei sei zwar niemand getötet worden.

Die Angriffe seien jedoch „Beispiele von offenbar absichtlicher und gezielter Zerstörung von zivilen Gebäuden und Besitztümern in großem Umfang und ohne militärische Notwendigkeit“, schrieb Amnesty. Israel weist diese Vorwürfe zurück.

Amnesty zufolge erschienen die Attacken als eine „kollektive Bestrafung der Einwohner von Gaza“. Sollte dies wirklich der Fall sein, wäre es ein schwerer Verstoß gegen das humanitäre Völkerrecht und damit ein Kriegsverbrechen, hieß es in dem Bericht. „Diese Angriffe müssen unabhängig und unvoreingenommen untersucht werden“, forderte Amnesty. Israel könne dies nicht selbst tun, sondern müsse einer UN-Untersuchungskommission ungehinderte Arbeit ermöglichen.

Die israelische Botschaft in London sprach in einer Mitteilung von „unbegründeten Anschuldigungen“. Amnesty ignoriere, dass die Hamas „systematisch und vorsätzlich“ zivile Infrastruktur für militärische Zwecke nutze. Dass Israel seine konkreten Ziele nicht in allen Fällen veröffentliche, liege daran, dass dies „nachrichtendienstliche Quellen“ gefährden könnte. Um zivile Opfer zu vermeiden warne Israel die Anwohner beispielsweise durch Telefonanrufe und Flugblätter.

Chronik des Gaza-Konflikts (11.8.)

Erste Woche

8./9. Juli 2014: Nach massivem Raketenbeschuss aus dem Gazastreifen fliegen israelische Kampfflugzeuge Dutzende Angriffe.

10./11. Juli: Militante Palästinensergruppen nehmen erstmals den internationalen Flughafen Ben Gurion bei Tel Aviv ins Visier.

15. Juli: Israel akzeptiert eine von Ägypten vorgeschlagene Feuerpause. Die Hamas lehnt ab.

Zweite Woche

17. Juli: Nach einer mehrstündigen Waffenruhe beginnt Israel eine Bodenoffensive, um die Infrastruktur der Hamas zu zerschlagen und deren Tunnel im Grenzgebiet zu zerstören.

21. Juli: Um zu vermitteln, treffen US-Außenminister John Kerry und Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon in Kairo ein.

23. Juli: Viele Fluggesellschaften stellen Flüge zum Ben-Gurion-Flughafen wegen des Raketenbeschusses aus dem Gazastreifen vorübergehend ein.

Dritte Woche

26./27. Juli: Eine zwölfstündige Waffenruhe tritt in Kraft. Eine Verlängerung lehnt die Hamas ab, die Angriffe gehen weiter.

30. Juli: Nach dem Beschuss einer UN-Schule im Gazastreifen mit 20 Toten hagelt es Kritik an Israel.

31. Juli: Uno-Menschenrechtskommissarin Navi Pillay wirft Israel und der Hamas die Verletzung des humanitären Völkerrechts vor.

1. August: Eine Waffenruhe hält nur wenige Stunden. Israel beschuldigt die Hamas, einen Soldaten verschleppt zu haben. Für die Suche nach ihm weitet Israel seine Offensive aus.

3. August: Die Armee erklärt den gesuchten Soldaten für tot. Er sei bei Kämpfen ums Leben gekommen. Beim Beschuss einer Uno-Schule sterben nach palästinensischen Angaben mindestens zehn Menschen. Israel beginnt mit dem Abzug seiner Bodentruppen aus dem Gazastreifen.

Vierte Woche

4. August: Ein Anschlag in Jerusalem überschattet eine von Israel erklärte Feuerpause: Ein palästinensischer Baggerfahrer rammt einen Bus. Ein Passant stirbt, der Attentäter wird erschossen.

5. August: Mit Beginn einer dreitägigen Waffenruhe zieht Israel alle Bodentruppen aus dem Gazastreifen ab. Israelis und Palästinenser beginnen in Kairo Verhandlungen über eine dauerhafte Waffenruhe.

8. August: Nach Ablauf der Waffenruhe feuern militante Palästinenser wieder Raketen Richtung Israel, das mit Luftangriffen reagiert.

10. August: Eine weitere dreitägige Feuerpause tritt in Kraft.

Israel und die im Gazastreifen herrschende Hamas lieferten sich im Juli und August einen 50-tägigen Krieg. Nach Angaben des palästinensischen Gesundheitsministeriums wurden dabei 2230 Menschen getötet oder starben später an ihren Verletzungen. Rund 11 000 Palästinenser wurden verletzt. Auf der israelischen Seite wurden mehr als 70 Menschen getötet und Hunderte verletzt.

Von

dpa

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