Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

23.08.2014

10:49 Uhr

Gaza-Krieg

Hamas gibt Ermordung der israelischen Teenager zu

Vor rund zwei Monaten wurden im Westjordanland drei israelische Jugendliche ermordet. Israel gab der Hamas die Schuld - und bekämpfte sie. Nun räumt Exil-Chef Chaled Maschaal eine Beteiligung der Hamas ein.

Der Exil-Chef der Hamas, Chaled Maschaal, gab eine Beteiligung der Hamas an der Ermordung der drei israelischen Jugendlichen zu. Damit könnte er den Konflikt verschärfen. dpa

Der Exil-Chef der Hamas, Chaled Maschaal, gab eine Beteiligung der Hamas an der Ermordung der drei israelischen Jugendlichen zu. Damit könnte er den Konflikt verschärfen.

GazaErstmals hat ein Mitglied der Hamas-Führung zugegeben, dass Angehörige der Organisation an der Entführung und Ermordung von drei israelischen Jugendlichen Mitte Juni beteiligt waren. Exil-Chef Chaled Maschaal sagte am Samstag in einem Interview mit Yahoo News, die politische Hamas-Führung habe „vorab nichts von der Tat gewusst, die diese Gruppe von Hamas-Mitgliedern begangen hat“. Ranghohe Hamas-Mitglieder hätten erst durch die israelischen Ermittlungen von dem Verbrechen erfahren. „Aber wir verstehen, dass die Menschen unter der Besatzung und Unterdrückung frustriert sind und alles Mögliche unternehmen“, sagte Maschaal.

Die drei Jugendlichen waren Mitte Juni im Westjordanland entführt und später tot aufgefunden worden. Israel hatte die radikal-islamische Hamas beschuldigt, hinter den Morden zu stehen. Die Palästinenserorganisation hatte die Entführung befürwortet, eine Beteiligung aber stets zurückgewiesen. Das Kidnapping führte zu einer Welle der Gewalt und schließlich zum aktuellen Gaza-Krieg.

US-Finanzhilfen für Israel und die Palästinensergebiete

USA - Palästinas wichtigste Geldquelle

Die USA gehören seit Jahren zu den wichtigsten Geldgebern der Palästinenser. Wegen der Gefahr, dass die Mittel in die Hände von Terroristen fallen, wird die Freigabe der Mittel streng geprüft. Israel wird jedes Jahr mit noch kräftigeren Finanzhilfen aus Washington unterstützt. Eine Übersicht:

Wie viel Geld fließt nach Gaza?

Seit 2008 betrugen die Finanzhilfen der USA für den Gazastreifen und das Westjordanland jedes Jahr durchschnittlich 400 Millionen Dollar. Im laufenden Haushaltsjahr stellte Washington 440 Millionen Dollar (330 Mio Euro) bereit. Das Geld fließt an die Hilfsorganisation USAID und als direkte Budgethilfe an die Palästinensische Autonomiebehörde.

Wer bekommt die Hilfe?

USAID nutzt ihren Anteil nach Angaben des US-Rechnungshofes, um die Palästinenser mit Trinkwasser zu versorgen und Krankenhäuser zu modernisieren. Außerdem werden damit Schulen gebaut oder renoviert und mit Material ausgestattet. Auch der Privatsektor wird unterstützt. 70 Millionen Dollar der Finanzhilfen sind nach Angaben des US-Außenministeriums für die Unterstützung palästinensischer Sicherheitskräfte und

Helfen die USA der Zivilbevölkerung?

Die USA sind zudem der größte Geldgeber für das Hilfswerk der Vereinten Nationen für Palästina-Flüchtlinge im Nahen Osten UNRWA. Für das laufende Haushaltsjahr wurden 250 Millionen Dollar (187 Mio. Euro) bereitgestellt. Das Hilfswerk versorgt Flüchtlinge unter anderem mit Essen, Unterkünften und Medikamenten.

Wie unterstützen USA Israel?

Israel ist der größte Empfänger von US-Finanzhilfen seit dem Zweiten Weltkrieg. Fast das gesamte Geld dient der Unterstützung des Militärs. Dank der Hilfe der USA gehören die israelischen Streitkräfte zu den höchstentwickelten der Welt.

Wie viel Geld bekommt Israel?

Bisher haben die USA das Land mit 121 Milliarden Dollar (90,6 Mrd. Euro) unterstützt. Für das laufende Haushaltsjahr sind 3,1 Milliarden Dollar vorgesehen sowie 502 Millionen Dollar (376 Mio. Euro) für die israelische Raketenabwehr. Für das kommende Jahr soll diese Summe noch aufgestockt werden.

Warum bekommt Israel so viel Hilfe?

Dank einer breiten Unterstützung im Kongress genießt Israel beim Empfang dieser Mittel einmalige Vorteile. So wird das Geld seit Jahren bereits in den ersten 30 Tagen des in den USA am 1. Oktober beginnenden Haushaltsjahres zur Verfügung gestellt. Außerdem kann das Land einen bedeutenden Teil der Finanzhilfen - derzeit rund ein Viertel - zur Beschaffung von Waffensystemen und anderen militärischen Mitteln im Inland verwenden, was sonst unüblich ist.

Die israelische Armee griff in der Nacht zum Samstag erneut Ziele im Gazastreifen an. Es seien mehr als 20 Luftschläge ausgeführt worden, sagte eine Armeesprecherin. Bei den Angriffen seien mindestens fünf Menschen getötet worden, teilte Aschraf al-Kidra, Sprecher des Gesundheitsministeriums in Gaza mit. Rund 50 Personen seien verletzt worden. Seit Beginn des Gaza-Kriegs vor rund sechs Wochen kamen demnach etwa 2100 Palästinenser um. Mehr als 10 500 wurden verletzt.

Auf israelischer Seite starben 68 Menschen - 64 Soldaten und vier Zivilisten, Hunderte wurden verletzt. Unter den Opfern ist ein vierjähriger Junge, der am Freitagabend durch eine Mörsergranate getötet wurde. Nach Medienberichten war die Familie erst einige Tage zuvor in ihren Kibbuz im Süden Israels zurückgekehrt, als sich eine dauerhafte Feuerpause abzeichnete. Indirekte Gespräche Israels und der Palästinenser über eine langfristige Waffenruhe in Kairo waren zur Wochenmitte gescheitert.

Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu drohte der Hamas, sie werde für den Tod des Kindes „einen hohen Preis zahlen“. Medienberichten zufolge telefonierte Netanjahu mit Alon Schuster, dem Vorsitzen der Regionalverwaltung, in der der Junge umgekommen war. Netanjahu habe Schuster zugesichert, die israelische Armee und der Geheimdienst würden ihre Angriffe gegen die Hamas und andere militante Gruppen intensivieren, bis eine dauerhafte Ruhe in Israel garantiert sei.

Avigdor Lieberman, israelischer Außenminister, sagte nach Medienberichten in einem Interview Freitagnacht, Ziel Israels müsse es sein, die Hamas „entweder zu besiegen oder zur Kapitulation zu zwingen“. Die Hamas müsse „die weiße Flagge hissen und um eine Waffenruhe betteln“. Die Palästinenserorganisation dürfe keine Raketen mehr abschießen oder produzieren können. Sie müsse auch davon abgehalten werden, die von Israel im Gaza-Krieg zerstörten Tunnel wieder aufzubauen. Lieberman nannte dieses Ziel „realistisch“.

Von

dpa

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×