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18.01.2009

15:18 Uhr

Gaza-Krieg vorerst beendet

Hamas stimmt Waffenstillstand zu

Drei Wochen nach Beginn des Gaza-Kriegs haben beide Seiten eine Waffenruhe ausgerufen. Die radikalislamische Hamas forderte dabei von Israel einen Truppenabzug aus dem Gazastreifen binnen einer Woche. Zuvor hatten palästinensische Extremisten noch einmal Raketen auf Israel abgeschossen.

Israelische Soldaten an der Grenze zum Gaza-Streifen. Foto: ap ap

Israelische Soldaten an der Grenze zum Gaza-Streifen. Foto: ap

HB JERUSALEM. Nach 22 Tagen Krieg und 1 200 Toten haben beide Konfliktparteien im Gazastreifen eine Waffenruhe erklärt. Israel ordnete die Einstellung der Angriffe ab Sonntag 01.00 Uhr (MEZ) an. Die Palästinenser im Gazastreifen folgten am frühen Nachmittag und kündigten einen einwöchigen Waffenstillstand an.

Ein Führer der militanten Organisation Islamischer Dschihad, Daud Schihab, teilte in der Stadt Gaza mit, es gebe eine Vereinbarung mit der im Gazastreifen regierenden Hamas, die Angriffe auf Israel für eine Woche einzustellen. Ein Mitglied der politischen Hamas-Führung sagte in Damaskus, Israel erhalte damit Zeit, um sich aus dem Gazastreifen zurückzuziehen.

Zuvor hatten palästinensische Extremisten noch einmal mehr als zehn Raketen auf Israel abgeschossen. Ministerpräsident Ehud Olmert sprach daraufhin von einer zerbrechlichen Waffenruhe, die stündlich überprüft werde. In mindestens zwei Fällen kam es danach zu israelischen Angriffen. Dabei wurden im nördlichen Gazastreifen nach palästinensischen Angaben eine Mutter und ihr Kind verletzt.

Olmert sagte nach der Entscheidung am Samstagabend: „Die Hamas wurde schwer getroffen, in ihren militärischen Strukturen und in ihren Regierungsinstitutionen. Ihre Führer verstecken sich, und viele ihrer Männer sind getötet wurden.“ Falls sich die Hamas an die Waffenruhe halte, werde Israel „zu einer Zeit, die uns passt“, seine Truppen abziehen. Andernfalls werde Israel sein Recht auf Selbstverteidigung weiter ausüben.

Anders als nach dem Libanonkrieg vor zweieinhalb Jahren hat Olmert bei der Offensive im Gazastreifen die Mehrheit der israelischen Bevölkerung hinter sich. Kommentatoren glauben, dass er sich damit auch politisch rehabilitieren und ein mögliches Comeback vorbereiten wollte.

Viele politische Beobachter hatten erwartet, dass Israel ein Ende der Kämpfe bis zur Amtsübernahme von Obama am Dienstag anstrebt, um den Beziehungen zu den USA nicht zu schaden. Die USA sind Israels mächtigster Verbündeter. Eine Sprecherin Obamas erklärte, der künftige Präsident werde sich für einen Frieden zwischen Israelis und Palästinensern einsetzen und sich nach der Amtseinführung erneut über die Lage in Nahost äußern.

Bundeskanzlerin Angela Merkel flog am Sonntag zu Beratungen über eine dauerhafte Waffenruhe nach Ägypten. Die Regierungschefin wollte im Badeort Scharm el Scheich mit dem ägyptischen Präsidenten Husni Mubarak, dem palästinensischen Präsidenten Mahmud Abbas und UN-Generalsekretär Ban Ki Moon zusammentreffen, um über eine dauerhafte Waffenruhe für den Gazastreifen zu beraten.

Zu dem Treffen wurden auch Regierungsvertreter aus Frankreich, Italien, Großbritannien, Spanien, der tschechischen EU-Ratspräsidentschaft sowie der Türkei erwartet. Am Nachmittag wollte Merkel nach Tel Aviv weiterfliegen, um mit der israelischen Regierung über die Lage zu beraten.

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