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01.01.2006

15:39 Uhr

Gaza

Palästinenser attackieren UN-Einrichtung

Ungeachtet eines Appells von Palästinenser-Präsident Mahmud Abbas für Recht und Ordnung haben radikale Palästinenser im Gaza-Streifen erstmals eine UN-Einrichtung angegriffen. Zudem wurde erneut ein Ausländer entführt. Über das Schicksal des Italieners herrschte zunächst Unklarheit.

HB GAZA-STADT. Bei der Explosion wurde das Dach des Clubs für UN-Mitarbeiter in Gaza-Stadt zerstört, Scheiben gingen zu Bruch. Die maskierten Männer waren in den Club eingedrungen, fesselten den Wachmann und sprengten die Bar. Gäste hielten sich dort nicht mehr auf, so dass niemand verletzt wurde. Zu dem Angriff bekannte sich zunächst niemand.

Der Überfall auf die UN-Einrichtung galt als weiterer Rückschlag für Palästinenser-Präsident Abbas, der wenige Stunden zuvor in seiner Silvesteransprache ein Ende von Chaos und Gewalt in den Palästinenser-Gebieten gefordert hatte. Verschiedene radikale Palästinenser-Gruppen erklärten indes, sie sähen sich ab 1. Januar nicht mehr an die von Abbas im Februar vermittelte Waffenruhe gebunden.

„Diesen Club gibt es bereits seit 50 Jahren“, sagte ein Wachmann der UN. „So etwas ist hier noch nie passiert.“ Der Club ist einer der wenigen Orte in der moslemisch geprägten Stadt, an denen auch Alkohol ausgeschenkt wird. Die meisten Palästinenser stehen den UN wohlwollend gegenüber. Die Organisation unterstützt unter anderem palästinensische Flüchtlinge und ihre Angehörigen. Sie ist der zweitgrößte Arbeitgeber im Gaza-Streifen nach der Palästinenser-Behörde. Viele ausländische UN-Mitarbeiter haben Gaza-Stadt allerdings angesichts der neu eskalierenden Gewalt und mehrerer Fälle von Entführungen von Ausländern verlassen.

Israel hat Palästinenserpräsident Abbas wiederholt aufgefordert, gegen Extremisten vorzugehen. Nach dem Angriff auf die UN-Einrichtung sagte Vize-Ministerpräsident Ehud Olmert, der Angriff schmälere die Hoffnung auf eine Fortsetzung des Friedensprozesses. „Es entsteht ein Bild der Schwäche und der mangelnden Entschlossenheit seitens der Palästinenser-Behörde.“ Die anhaltende Gewalt gilt als Rückschlag bei dem Versuch von Abbas, am 25. Januar Parlamentswahlen abzuhalten.

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