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15.01.2009

12:09 Uhr

Gaza-Stadt

Israelische Granaten treffen Uno-Zentrale

Israelische Bodentruppen sind am 20. Tag der Offensive im Gazastreifen weit in die südlichen Stadtviertel von Gaza-Stadt vorgedrungen. Bei dem Vorstoß wurde auch das Hauptquartier der Vereinten Nationen in der Stadt von Granten getroffen, wie Uno-Mitarbeiter sagten. Bundeskanzlerin Merkel verlangte eine rasche Waffenruhe, Außenminister Steinmeier begann indessen eine weitere Vermittlungsmission im Nahen Osten.

Israel setzt sein Bombardement mit unverminderter Härte fort. Foto: ap ap

Israel setzt sein Bombardement mit unverminderter Härte fort. Foto: ap

HB GAZA/TEL AVIV. Mindestens drei Menschen wurden verletzt, wie ein Sprecher berichtete. Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon protestierte bei Israel empört gegen den Vorfall. Verteidigungsminister Ehud Barak habe ihm gegenüber von einem „schweren Fehler“ gesprochen, sagte Ban, der sich zu einem Vermittlungsversuch in Jerusalem aufhielt.

Nach Uno-Angaben und Berichten von Augenzeugen wurde das Gebäude von israelischen Granaten getroffen und beschädigt. Es soll in Brand geraten sein. Uno-Sprecher Chris Gunness äußerte die Vermutung, dass es sich um drei Phosphor-Geschosse gehandelt haben könnte.

Ob sich noch jemand auf dem Gelände aufhielt, auf dem hunderte Flüchtlinge Schutz gesucht hatten, war wegen der starken Rauchentwicklung zunächst nicht zu erkennen. Der Gebäudekomplex umschließt das Hauptquartier des Flüchtlingshilfswerks, weitere Büros und eine Schule. Gunness äußerte die Befürchtung, dass große Mengen Hilfsgüter und auch Tanklastwagen zerstört werden könnten.

Der Sprecher des Uno-Hilfswerks UNRWA, Adnan Abu Hasna, betonte im israelischen Radio, dass zum Zeitpunkt des Beschusses keine militanten Aktivitäten im Umfeld des Uno-Hauptquartiers zu beobachten gewesen seien.

Israelische Bodentruppen waren zuvor massiv in Richtung des Zentrums von Gaza vorgedrungen. Militante Palästinenser und Soldaten lieferten sich schwere Gefechte geliefert. Um 11 Uhr Ortszeit (10 Uhr MEZ) kündigte das israelische Militär eine vierstündige Feuerpause an. Kurz nach diesem Zeitpunkt seien die Kämpfe aber noch weiter gegangen, berichten Augenzeugen.

Im ganzen südlichen Stadtgebiet brannten demnach zahllose Wohnungen und Autos. Unter der Bevölkerung in den Hochhäusern im Stadtteil Tell el-Haua brach Angst und Panik aus. Menschen riefen von Balkonen um internationale Hilfe. Ambulanzen und Sanitäter konnten das Gebiet wegen der schweren Kämpfe nicht mehr erreichen. Während die Panzer weiter vorrückten, feuerten militante Palästinenser mindestens 16 Raketen auf Israel ab.

Israel hat in den vergangenen Tagen die Luft- und Bodenangriffe verstärkt, um die radikalislamische Hamas zur Annahme einer Waffenruhe zu zwingen. Das Hamas-Politbüromitglied im Exil, Mohammed Nassal, sagte dem Nachrichtensender Al-Arabija, seine Organisation werde keinesfalls auf die israelische Forderung nach einer zeitlich unbegrenzten Waffenruhe eingehen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel sprach sich erneut für eine rasche Waffenruhe im Gazastreifen aus. Die Lage der Menschen werde zunehmend schwieriger, sagte die Kanzlerin nach einem Treffen mit dem britischen Premierminister Gordon Brown in Berlin. Notwendig sei aber auch, den Waffenschmuggel in das Palästinensergebiet zu unterbinden. Deutschland und Großbritannien wollten dafür technische Hilfe bereitstellen.

Unterdessen hat Außenminister Frank-Walter Steinmeier eine weitere Vermittlungsmission im Nahen Osten begonnen. „Der Zustand, den wir vor Ausbruch des Konfliktes hatten, darf nicht derselbe sein, sonst würde der Waffenstillstand auch nicht dauerhaft sein“, sagte Steinmeier in Tel Aviv bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit seiner israelischen Kollegin Zipi Liwni. „Alle begreifen, dass die Realität sich ändern muss, dass wir mehr Stabilität brauchen“, erklärte Livni.

Steinmeier verwies auf die immer dramatischere Lage der Bevölkerung im Gazastreifen und bekräftigte die Forderung nach einer Waffenruhe. Außerdem könnten dann weiter Wege zu einem dauerhaften Waffenstillstand sondiert werden. Dieser werde nur zu erreichen sein, wenn größere Sicherheit für Israel garantiert werde. „Wir wissen, dass eine Wiederbewaffnung der Hamas vermeiden werden muss.“ Dazu müssten die Grenzen dichter gemacht werden, sagte er mit Blick auf den Waffenschmuggel in den Gazastreifen. „Dazu wollen wir auch unseren Beitrag leisten“, bekräftigte er das deutsche Angebot zur Hilfe bei der Grenzüberwachung.

Am Vormittag hatte Steinmeier den israelischen Präsidenten Schimon Peres, Verteidigungsminister Ehud Barak und Ministerpräsidenten Ehud Olmert getroffen. Am Nachmittag wollte er im Westjordanland mit dem Palästinenserpräsident Mahmud Abbas und dem palästinensischen Ministerpräsidenten Salam Fajad zusammentreffen. Am Abend sollte der Minister nach Kairo fliegen, um dort den Chef des ägyptischen Geheimdienstes, Omar Suleiman, zu treffen.

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