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10.01.2009

15:21 Uhr

Gazastreifen

Israel kündigt weitere Angriffe an

Unterirdische Waffenlager und Tunnel stehen ganz oben auf der Operationsliste Israels. Das Militär hat in Flugblättern die palästinensischen Bewohner des Gazastreifens darauf vorbereitet, dass diese Ziele noch mehr als bislang bombardiert werden.

HB GAZA/TEL AVIV. Bewohner aus dem Norden von Gaza berichten von Flugblättern, die auf arabisch ankündigen: "Wir raten allen Bewohnern, sich von diesen Zielen entfernt zu halten und mit uns zu kooperieren." Israel will die radikal-islamische Hamas damit weiter schwächen. Nach wie vor werden grenznahe israelische Ortschaften von Raketen aus dem Gazastreifen getroffen. Eine Rakete schlug am Samstag in der südisraelischen Stadt Aschkelon in ein Haus ein. Ein Israeli wurde verletzt, berichteten israelische Medien.

In den vergangenen Tagen hatte die israelische Luftwaffe Tunnel bei Rafah im Süden des Gazastreifens massiv bombardiert. Durch die Tunnel waren Waren und Waffen geschmuggelt worden. Zehntausende Menschen waren aus ihren Häusern geflohen. Militärexperten gehen davon aus, dass die Hamas auch in den anderen Teilen des Gazastreifens über unterirdische Anlagen verfügt, die Kommandozentralen, Waffenlager und Werkstätten beherbergen.

Den 15. Tag in Folge setzt Israel seine Militäroffensive bereits fort. Am Samstag starben sieben Angehörige einer Familie und ein Besucher, als eine israelische Panzergranate ein Haus in Dschebalia nördlich von Gaza traf. Das berichteten Ärzte und Augenzeugen. Insgesamt wurden am Samstag nach Angaben der palästinensischen Gesundheitsdienste 16 Menschen getötet. Die Gesamtzahl der Toten seit Beginn der Militäroffensive am 27. Dezember stieg auf 820. Rund 3500 Menschen wurden verletzt. In Gaza verschärfte sich die humanitäre Lage. Bewohner klagten, Vorräte an Trinkwasser und Lebensmitteln gingen zur Neige.

Die Vereinten Nationen (UN) bemühten sich unterdessen um die Wiederaufnahme von Hilfslieferungen an die notleidende Bevölkerung. Von Israel verlangten sie Garantien für die Sicherheit ihrer Mitarbeiter. Um die Mittagszeit wurde am Samstag erneut mit einer dreistündigen Feuerpause gerechnet, die die Verteilung von Hilfsgütern an die Bevölkerung ermöglichen sollte.

In die Bemühungen um eine Lösung des Konfliktes hat sich jetzt auch ein Damen-Gipfel eingeschaltet. Emine Erdogan, die Gattin des türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdogan, hat "First Ladys" aus mehreren Staaten der islamischen Welt zu einem Treffen gegen die Gewalt im Gazastreifen versammelt. Die Frauen forderten am Samstag in Istanbul "Stoppt den Krieg"; sie wollten auch gemeinsam Hilfen für die palästinensische Bevölkerung organisieren.

Zu dem Treffen reisten Scheicha Moza, Ehefrau des Emirs von Katar, die jordanische Königin Rania und Asma al-Assad, die Frau des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad. Außerdem erschien die Tochter des libyschen Staatschefs Muammar al-Gaddafi, Aischa. Zudem waren Politikerfrauen aus dem Libanon, Pakistan und Aserbaidschan vertreten. Mehrere europäische Frauen waren ebenfalls einladen worden, aber nicht erschienen.

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