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03.07.2014

21:14 Uhr

Gazastreifen

Israel lässt die Armee weiter aufmarschieren

Die Lage in Nahost spitzt sich gefährlich zu. Nach dauernden Raketenangriffen aus Gaza schickt Israels Armee jetzt Bodentruppen in Richtung Süden. Droht eine neue Offensive im Gazastreifen?

Israel verlegt zusätzliche Bodentruppen an die Grenze zum Gaza-Streifen. dpa

Israel verlegt zusätzliche Bodentruppen an die Grenze zum Gaza-Streifen.

Tel AvivNach dauernden Raketenangriffen aus dem Gazastreifen verlegt Israels Armee zusätzliche Truppen an den Rand des Palästinensergebiets. „Wir bewegen Truppen“, bestätigte Armeesprecher Peter Lerner am Donnerstag. Es sei auch eine begrenzte Zahl von Reservisten mobilisiert worden. Nach Medienberichten handelt es sich um Fußtruppen und gepanzerte Fahrzeuge. Der Raketenbeschuss aus dem Gazastreifen ging auch am Abend weiter.

Der militärische Arm der im Gazastreifen herrschenden Hamas drohte Israel mit Angriffen auf „neue Ziele“. Die Hamas-Führung hielt angesichts der jüngsten Eskalation der Gewalt eine Dringlichkeitssitzung mit Vertretern anderer Palästinenserfraktionen ab. Auch das israelische Sicherheitskabinett versammelte sich am Donnerstagabend zu Beratungen über das weitere Vorgehen.

Militärsprecher Lerner betonte mehrfach, Israel sei nicht an einer Offensive im Gazastreifen interessiert. Er rief die Hamas auf, den fortwährenden Raketenbeschuss israelischer Grenzorte zu unterbinden, um eine weitere Eskalation zu verhindern. „Wir streben eine Deeskalation der Lage an, aber wir müssen trotzdem für alles bereit sein“, sagte Lerner.

Binnen 24 Stunden hätten militante Palästinenser mehr als 30 Raketen auf Israel abgefeuert. Drei davon schlugen in Häusern in der Grenzstadt Sderot ein. Auch Hamas-Kämpfer seien an einigen der Angriffe beteiligt gewesen, sagte Lerner. Hamas-Exilchef Chaled Maschaal hat betont, seine Organisation sei den Waffenruhe-Vereinbarungen verpflichtet, die Israel und die Hamas nach dem letzten großen Schlagabtausch im Gazastreifen im November 2012 unter ägyptischer Vermittlung getroffen hatten.

Israelische Kampfflugzeuge flogen am Donnerstag und in der Nacht davor erneut Angriffe im Gazastreifen. Dabei wurden nach Militärangaben mehr als ein Dutzend Ziele der Hamas beschossen, darunter versteckte Raketenabschusseinrichtungen und Waffenlager. Etwa zehn Verletzte wurden nach Angaben von Sanitätern in Krankenhäuser gebracht.

Der israelische Außenminister Avigdor Lieberman hatte nach dem Mord an drei jüdischen Jugendlichen eine breite Militäroffensive im Gazastreifen gefordert. Andere Minister warnten jedoch vor einem solchen Einsatz. Israel setzte die Suche nach den Mördern der Jugendlichen fort. 13 Menschen wurden im Westjordanland festgenommen, wie eine Armeesprecherin bestätigte.

Nach dem Mord an einem arabischen Jugendlichen kam es auch am Donnerstagabend zu Krawallen im Ostteil Jerusalems. Maskierte Palästinenser hätten Polizisten mit Steinen und Feuerwerkskörpern angegriffen, berichtete der israelische Rundfunk. Diese hätten versucht, die Demonstrationen aufzulösen. Ein Polizist sei verletzt worden.

Die Leiche des 16-jährigen Mohammed Abu Chedair war am Mittwoch in einem Wald bei Jerusalem gefunden worden. Israelische Medien sprachen von möglicher Rache rechtsgerichteter Israelis für den gewaltsamen Tod der drei verschleppten jüdischen Jugendlichen. Auch ein krimineller Hintergrund wird jedoch nicht ausgeschlossen.

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„Tod den Arabern“ brüllen rechte Israelis auf der Straße, im Gaza-Streifen protestieren die Massen: „Israel wird den Preis bezahlen“. Von beiden Seiten gibt es zudem Bombardements, die den Konflikt weiter verschärfen.

Der scheidende israelische Präsident Schimon Peres rief alle Bürger zu einem Ende der Gewalt und der Hetze auf. „Zwei Dinge sind jetzt notwendig: Das Gesetz respektieren und die Zunge zu zügeln“, sagte er.

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon verurteilte den Mord an dem jungen Araber. Die Verantwortlichen müssten sobald wie möglich zur Rechenschaft gezogen werden, forderte Ban in New York. Er rief sowohl Israel als auch die Palästinenser zu Zurückhaltung, damit nicht noch mehr Tote zu beklagen seien.

Auch Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier verurteilte das „abscheuliche Verbrechen“. „Nichts rechtfertigt die Ermordung Unschuldiger“, erklärte er am Donnerstag in Berlin. Großbritanniens Außenminister William Hague telefonierte mit Lieberman. Beide seien sich einig gewesen, dass die für die Verbrechen Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden müssten. Sie hätten aber auch übereingestimmt, dass Palästinenser und Israelis weiter zusammenarbeiten müssten, teilte das Außenministerium in London mit.

In Jerusalem demonstrierten rund Tausend Menschen gegen Gewalt und Rassismus. „Juden und Araber werden in diesem Land zusammenleben müssen“, sagte Oppositionsführer Izchak Herzog. Extremisten beider Seiten versuchten, das Land in eine Spirale der Gewalt zu ziehen. „Aber die Mehrheit der jüdischen und arabischen Gesellschaft will in Frieden leben.“

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dpa

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