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05.01.2016

15:44 Uhr

Gedenken an „Charlie Hebdo“

Hollande enthüllt ein Jahr nach Anschlag Gedenktafeln

Frankreich erinnert an die Opfer der Anschläge auf die Redaktion der Satirezeitung „Charlie Hebdo“ und einen jüdischen Supermarkt im Januar 2015. Staatschef François Hollande enthüllte Gedenktafeln zu Ehren der Toten.

Paris' Bürgermeisterin Anne Hidalgo, Präsident Francois Hollande und Premier Manuel Valls (v.l.) gedenken dem getöteten Polizisten Ahmed Merabet. ap

In Gedenken an die Opfer der Terroranschläge

Paris' Bürgermeisterin Anne Hidalgo, Präsident Francois Hollande und Premier Manuel Valls (v.l.) gedenken dem getöteten Polizisten Ahmed Merabet.

ParisKnapp ein Jahr nach den Anschlägen auf die Satirezeitung „Charlie Hebdo“ und einen jüdischen Supermarkt in Paris hat Frankreich der Opfer gedacht. Staatschef François Hollande enthüllte am Dienstag drei Gedenktafeln zu Ehren der Toten, die erste am früheren Sitz der „Charlie Hebdo“-Redaktion. Islamistische Angreifer hatten zwischen dem 7. und 9. Januar 2015 insgesamt 17 Menschen getötet.

Hollande enthüllte die Gedenktafel am früheren „Charlie Hebdo“-Sitz im 11. Pariser Bezirk zusammen mit der Pariser Bürgermeisterin Anne Hidalgo. Beide legten einen Kranz nieder und hielten eine Schweigeminute ab. An der kurzen Zeremonie nahmen auch Angehörige der Todesopfer und mehrere Minister teil.

Die Tafel trägt die Aufschrift „in Gedenken an die Opfer des Terroranschlags gegen die Meinungsfreiheit in den Räumlichkeiten von Charlie Hebdo am 7. Januar 2015“. Aufgeführt sind auch die Namen der Todesopfer, unter ihnen die fünf bekannten „Charlie Hebdo“-Karikaturisten Charb, Honoré, Cabu, Wolinski und Tignous. Allerdings wurde Wolinskis Name fälschlicherweise als „Wolinsky“ mit y eingraviert – ein Fehler, der schnell behoben werden sollte.

Bei dem Angriff auf die wegen ihrer Mohammed-Karikaturen bekannte Satirezeitung hatten die schwerbewaffneten Islamisten Chérif und Said Kouachi vor einem Jahr zwölf Menschen getötet. Unter den Opfern war auch der Polizist Ahmed Merabet, den die Brüder auf der Flucht nahe der Redaktion auf der Straße erschossen. Auch dort enthüllten Hollande und Hidalgo am Dienstag eine Gedenktafel, legten einen Kranz nieder und hielten eine Schweigeminute ab.

Eine ähnliche Zeremonie wurde wenig später am jüdischen Supermarkt Hyper Cacher im Osten von Paris abgehalten. Ein Bekannter der Kouachi-Brüder, der Islamist Amédy Coulibaly, hatte dort zwei Tage nach der Attacke auf „Charlie Hebdo“ bei einer Geiselnahme vier Menschen getötet. Coulibaly wurde schließlich von Eliteeinheiten der Polizei erschossen – nahezu zeitgleich zu den Kouachi-Brüdern, die sich in einer Druckerei nördlich von Paris verschanzt hatten.

Die Auslandseinsätze des des französischen Militärs

Vor allem in Afrika aktiv

Frankreich schickt sein Militär häufig auf Auslandseinsätze, vor allem in Afrika ist die ehemalige Kolonialmacht sehr präsent. Derzeit sind fast 7000 französische Soldaten für die Friedenssicherung und den Kampf gegen den Terror abgestellt.

Quelle: dpa

Irak, Operation Chanmal

Seit Herbst 2014 beteiligt sich die Luftwaffe an Schlägen der US-geführten Koalition gegen die Terrormiliz Islamischer Staat. 700 Soldaten und 13 Flugzeuge sind im Einsatz, das Engagement ist auf längere Frist angelegt.

Sahelzone, Operation Barkhane

3500 Soldaten kämpfen gegen Terrorgruppen. In Mali unterstützen 85 Soldaten die EU-Ausbildungsmission und den UN-Einsatz Minusma.

Zentralafrikanische Republik, Operation Sangaris

Gut 900 Militärs sind in dem krisengeschüttelten Land, sie sollen die UN-Mission Minusca unterstützen. Der Einsatz stand zuletzt wegen Missbrauchsvorwürfen gegen französische Soldaten in den Schlagzeilen.

Indischer Ozean

Insgesamt 570 Soldaten sind am Kampf gegen Piraten am Horn von Afrika beteiligt, meist als Teil der EU-Mission Atalanta.

Libanon, Operation Daman

900 französische Soldaten beteiligen sich an der UN-Mission Unifil an der Grenze zu Israel.

Weitere Einsätze

Weitere Einheiten sind unter anderem im Golf von Guinea, in der Demokratischen Republik Kongo und in der Elfenbeinküste eingesetzt.

Die Anschläge vom Januar hatten weltweit Entsetzen und große Anteilnahme ausgelöst. Zahlreiche Staats- und Regierungschefs reisten wenige Tage nach den Attentaten in die französische Hauptstadt, um an einem großen Gedenkmarsch in Erinnerung an die Opfer teilzunehmen.

In dieser Woche wird mit einer Reihe von Veranstaltungen der Todesopfer gedacht. Hollande wird am Donnerstag bei seinen Neujahrswünschen vor Sicherheitskräften auf die Anschläge eingehen. Am Samstag wird in Montrouge südlich von Paris eine weitere Gedenktafel enthüllt: Sie erinnert an die Gemeindepolizistin Clarissa Jean-Philippe, die einen Tag nach der „Charlie Hebdo“-Attacke von Coulibaly erschossen wurde. Am selben Tag ist auch eine neue Zeremonie vor dem jüdischen Supermarkt geplant.

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Am Sonntag wird Hollande dann an einer Gedenkfeier auf dem Pariser Place de la République teilnehmen. Dabei soll auch der 130 Todesopfer der islamistischen Anschläge vom 13. November gedacht werden. Unter anderem wird an einer neugepflanzten Eiche, einem „Baum der Erinnerung“, eine Gedenktafel angebracht.

Derweil entbrannte eine neue Debatte um die Frage, ob der Anschlag auf „Charlie Hebdo“ hätte verhindert werden können. Die Witwe des bei dem Angriff getöteten Personenschützers von „Charlie Hebdo“-Chef Charb erstattete Anzeige gegen Unbekannt.

Ingrid Brinsolaro wirft den Behörden vor, nicht ausreichend Maßnahmen zum Schutz des mit dem Tode bedrohten Karikaturisten getroffen zu haben. Ihr Mann, der Polizist Franck Brinsolaro, sei geopfert worden, sagte sie dem Sender RTL. Innenminister Bernard Cazeneuve versprach auf RTL Antworten und „die Wahrheit“.

Von

afp

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