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13.04.2015

14:20 Uhr

Geert Wilders in Dresden

Rechts und blond – Hoffnung für Pegida?

VonDésirée Linde

In den Niederlanden ist Geert Wilders politisch isoliert. Nun sucht der Rechtsaußen eine neue Bühne und Verbündete – wie bei Pegida in Dresden, wo er heute bei einer Massenkundgebung sprechen soll.

Geert Wilders soll der Pegida-Bewegung in Dresden neuen Schwung geben. Reuters

Blick stramm nach rechts

Geert Wilders soll der Pegida-Bewegung in Dresden neuen Schwung geben.

DüsseldorfEr kommt so ganz anders daher als seine Gesinnungsgenossen aus Dresden oder Paris. Längst nicht so rustikal wie Pegida-Chef Lutz Bachmann und nicht so wütend im Ton wie Marine Le Pen, Chefin der französischen rechtsextremen Front National. Der niederländische Rechtspopulist Geert Wilders, in akkurat geschnittenem Anzug, wirkt stets gefasst und kommt bei seinen Auftritten ganz ohne Geschrei aus.

In Dresden wird der 51 Jahre alte Wilders an diesem Montag zu einer Kundgebung der anti-islamischen Pegida-Bewegung erwartet und will dort als Redner auftreten. Für die Polizei wird es ein weiterer Großeinsatz. Der schlanke Politiker aus Venlo soll die Pegida-Thesen in griffige Propaganda-Parolen pressen. Dass er darin gut ist, hat er in den vergangenen Jahren immer wieder gezeigt.

Er inszeniert sich gern als einer, der Themen anspricht, bei denen andere „wie der Vogel Strauß nur den Kopf in den Sand stecken“, wie er selbst sagt. Nur nette Worte hat Wilders deshalb auch nicht für Pegida-Chef Bachmann: „Das war sehr dumm von ihm. Aber wir machen alle Fehler“, sagte er zu Bachmanns „Hitler-Bärtchen-Selfie“. Doch das war’s auch schon mit der Kritik am Pegida-Chef.

Geert Wilders' politischer Siegeszug – und sein Fall

Beginn des Siegeszugs

Sein politischer Siegeszug begann 1998, als er damals noch für die rechtsliberale VVD ins niederländische Parlament einzog. In der Partei war er zunächst als Berater und Redenschreiber tätig, unter anderem für den über die Landesgrenzen hinaus bekannten zeitweiligen EU-Kommissar Frits Bolkestein. 1997 wurde Wilders zum Stadtverordneten, ein Jahr später zum Abgeordneten gewählt.

Austritt nach Streit

Nach 14 Jahren verließ er die Partei im Streit, weil sie einen Beitritt der Türkei zur Europäischen Union unterstützte. Sein Mandat als Unabhängiger behielt er jedoch.

Eigene Partei

Seine PVV gründete Wilders speziell für die Parlamentswahl 2006, Wahlkampf betrieb er auch da schon mit anti-muslimischen Aussagen - und das bescherte der Partei auf Anhieb neun Parlamentssitze. Nach den Erfolgen bei den Europawahlen und den Kommunalwahlen gelang ihm bei der Parlamentswahl 2010 ein weiterer Coup: Die PVV errang 24 Sitze und wurde drittstärkste Kraft im Parlament. Die liberal-konservative Koalition von Regierungschef Mark Rutte war auf die Duldung der Freiheitspartei angewiesen.

Neuwahlen und Niederlagen

Nach 18 Monaten kündigte Wilders dem Ministerpräsidenten wegen eines Streits über geplante Haushaltskürzungen aber die Gefolgschaft und erzwang Neuwahlen. Seitdem ging es für die PVV bergab, bei den folgenden Parlaments- und Regionalwahlen verloren die Rechtspopulisten an Zustimmung. Auch bei der Europawahl im vergangenen Mai musste die PVV eine schmachvolle Niederlage einstecken.

Ärger mit der Justiz

Wilders' hat zuhause ebenfalls Ärger – wieder mit der Justiz: Im Dezember 2014 wurde wegen ausländerfeindlicher Äußerungen erneut Anklage gegen Wilders erhoben. Anlass war ein Auftritt des Politikers vor Parteifreunden in Den Haag. „Wollt Ihr weniger oder mehr Marokkaner in Eurer Stadt und in den Niederlanden?“ fragte er damals. Die Menge antworte mit „Weniger“-Rufen, woraufhin Wilders versprach: „Wir werden uns darum kümmern.“

Anklage und Freispruch

Tausende Menschen erstatteten wegen der Rede Anzeige gegen Wilders. Die Staatsanwaltschaft bereitet daher nun erneut eine Anklage gegen ihn wegen Aufhetzung vor. In einem ersten Prozess war er 2011 vom Vorwurf des Rassenhass und der Diskriminierung von Muslimen freigesprochen worden.

Der Chef der niederländischen Partij voor de Vrijheid (PVV, Partei für die Freiheit) trägt in seiner Heimat den Spitznamen Mozart – wegen der weißblonden Haartolle. Tatsächlich wirkt er nicht ganz wie der Haudrauf-Politiker. Zumindest optisch. Brachial wird der Rechtspopulist mit seinen Parolen aber umso mehr.

Wilders versteht es, seine Ideen und Sichtweisen mit Appellen für Freiheit zu verbinden, zuletzt etwa bei einer Veranstaltung der rechtspopulistischen FPÖ Ende März in Österreich in der Wiener Hofburg. „Wir werden den Islam besiegen“, ist so eine griffige Parole. Oder „Kein Islam mehr. Genug ist genug.“ Solche Parolen verbindet er geschickt mit Sätzen wie „Lang lebe die Freiheit“ oder Fragen, die schwer zu verneinen sind: „Lieben Sie Ihre Frau? Lieben Sie Ihren Mann? Lieben Sie Ihre Kinder?“

Als Sohn einer indonesischen Mutter, der bereits viele Länder der arabischen Welt bereist hat, gilt er seinen Anhängerin als einer, der weiß wovon er spricht.

Pegida-Kontakte

Premium Auf der falschen Seite?

Für den Besuch einer Diskussionsveranstaltung der Anti-Islam-Bewegung erntete der Vizekanzler vor allem vom linken Flügel und den Jusos viel Kritik.

In seiner Heimat hat Wilders seine Rolle allerdings offenbar ausgespielt. Die Medien und die etablierten Parteien ignorieren ihn weitgehend. Hinzu kommt die erzwungene Isolation: Seit der islamische Fundamentalist Mohammed Bouyeri den Regisseur und Filmemacher Theo van Gogh am 2. November 2004 ermordet hat, steht Wilders wegen Morddrohungen unter ständigen Polizeischutz. Er und seine ungarische Frau Krisztina, die er angeblich nur „alle ein, zwei Wochen“ sieht, müssten in „safe houses“ leben oder gar in Gefängniszellen.

Doch auch diese Einschränkung weiß Wilders zu nutzen und sich damit als Märtyrer zu inszenieren. „Ich verspreche Ihnen, ich werde trotz alledem nichts anderes als die Wahrheit sagen“, sagte er in der Wiener Hofburg. Das kommt bei den österreichischen Rechten gut an. Das wird es auch bei Pegida, wo das Gefühl, man spreche Wahrheiten aus, an die sich sonst niemand heranwagt, ebenfalls groß ist.

Kommentare (8)

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Herr Axel Cordi

13.04.2015, 14:54 Uhr

Totgesagte leben länger. Wenn man sich die Machrichten so anschaut und durchliest, könnte man meinen, in Dresden tritt heute Abend Adolf Hitler persönlich auf.
Schon allein die Überschrift hier "Rechts und blond - Hoffnung für Pegida" zeigt klar, dass hier sachlich gar nicht mehr argumentiert wird. Einfach nur billig und antifa-linksextrem.

"In seiner Heimat hat Wilders seine Rolle allerdings offenbar ausgespielt. Die Medien und die etablierten Parteien ignorieren ihn weitgehend."

Nur äußerst merkwürdig, dass seine Bücher auf den Bestsellerlisten in den Ländern zählen, wo man sie denn bekommt.
Selbst der Dümmste hier wird irgendwann mal merken, dass die Lügereien der Saison-Politiker und Medien nur dazu dienen, sich selbst solange wie möglich an der Macht zu halten und dem Islam seinen Machtanspruch schleichend zu gewähren.

Komisch auch, dass beispielsweise eine IGMG (Islampartei) durch den Verfassungsschutz beobachtet wird.
Vielleicht mag es daran liegen, dass die deutsche Polizei besser darüber informiert ist, von welchen Gruppen die meisten kriminellen Verbrechen ausgehen. Verschwiegenheit, unsachliche Berichterstattungen und Belügungen werden diese Probleme jedenfalls nicht lösen

Herr Franz Greulich

13.04.2015, 15:41 Uhr

An Hern Axel Cordi mit dem EIntrag vor mir: Ihr Artikel ist ebenso nicht mehr sachlich: "Einfach nur billig und antifa-linksextrem" hat werder einen sachlichen Inhalt, noch passt er auch nur enfernt zum Artikel. Leider habe ich diese seltsame Doppelmoral bei PEGIDA nun schon oft erlebt; zum letzten "Abendspaziergang" wurden Kirchenmitarbeiter mit "Kehle durchschneiden" bedroht. Vermutlich sind läutende Kirchenglocken im Sinne von PEGIDA tatsächlich links-grüner Terror.
Das ist mehr als Peinlich; das ist gefährlich dumm. Bei so viel Hass können wir die Frauenkirche 2045 wieder als Ruine besichtigen.

Herr Peter Spiegel

13.04.2015, 16:24 Uhr

Wenn der Typ blond ist bin ich grün.

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