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03.01.2015

09:59 Uhr

„Gefährliche Destabilisierung“

Ifo-Chef Sinn warnt vor Kollaps Russlands

Hans-Werner Sinn warnt vor einem Zusammenbruch der russischen Wirtschaft. Der Chef des Ifo-Instituts sieht die schwache Wirtschaft als Bedrohung für die russische Gesellschaft – und auch für die deutsche Industrie.

Der Chef des Münchner Ifo-Instituts, Hans-Werner Sinn, glaubt, dass Russland nur noch zwei Jahre durchhält.

Der Chef des Münchner Ifo-Instituts, Hans-Werner Sinn, glaubt, dass Russland nur noch zwei Jahre durchhält.

BerlinDer Chef des Münchner Ifo-Instituts, Hans-Werner Sinn, hat vor einem Zusammenbruch der russischen Wirtschaft gewarnt. Die Devisenreserven reichten gerade noch, um den Schuldendienst für zwei Jahre zu leisten und von Exportüberschüssen könne wegen des sinkenden Ölpreises nicht mehr die Rede sein, schrieb Sinn in einem am Samstag veröffentlichten Gastbeitrag für die „Wirtschaftswoche“.

Um nicht neue Schulden aufbauen zu müssen, sei Russland zu einer dramatischen Verringerung der Importe gezwungen. Das setze die russische Bevölkerung einem hohen Leidensdruck aus. Dadurch drohe „eine gefährliche Destabilisierung der russischen Gesellschaft“. „Auch ein völliger Kollaps der Wirtschaft ist mittlerweile nicht mehr auszuschließen.“ Dieser hätte nicht nur Folgen für in Russland stärker engagierte Banken Frankreichs und Österreichs, er würde auch die deutsche Industrie empfindlich treffen.

Deutschlands Handel mit Russland

Deutschland und Russland...

...sind wirtschaftlich eng verwoben. Daimler ist am russischen Lkw-Hersteller Kamaz beteiligt, die BASF-Tochter Wintershall arbeitet eng mit Gazprom zusammen, Siemens unterhält eine Partnerschaft mit der Russischen Staatsbahn RZD.

76,5 Milliarden Euro

2013 tauschten beide Länder Güter im Wert von rund 76,5 Milliarden Euro aus. Dabei überstiegen die Importe aus Russland die Exporte.

Erdöl und Erdgas...

...machten drei Viertel der Importe aus Russland aus, die sich insgesamt auf 40,4 Milliarden Euro beliefen.

Im Gegenzug...

...lieferte Deutschland dem Statistischen Bundesamt zufolge Waren im Wert von 36,1 Milliarden Euro nach Russland.

Autos, Maschinen und Chemie

An der Spitze standen die Maschinenbauer (8,1 Milliarden Euro), die Autoindustrie (7,6 Milliarden Euro) und die Chemiebranche (3,2 Milliarden Euro).

Deutschland...

...liegt hinter China auf Rang zwei der Lieferländer Russlands.

Russland hingegen...

...ist der elftwichtigste Absatzmarkt für die deutsche Exportwirtschaft.

Russlands Wirtschaft setzen die westlichen Sanktionen im Ukraine-Konflikt schwer zu. Auch der Rubel-Verfall macht ihr in diesem Zusammenhang zu schaffen. Zudem bringt der Ölpreisrutsch den Energie- und Rohstoff-Lieferanten Russland unter Druck. Die Regierung rechnet damit, dass das Bruttoinlandsprodukt dieses Jahr um vier Prozent schrumpfen könnte.

Von

rtr

Kommentare (1)

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Herr Thomas Bergmann

05.01.2015, 14:01 Uhr

Das kann ich jetzt nicht nachvollziehen. Der Staat ist mit unter 20 % des BIP verschuldet, da dürfte es doch keine Probleme geben. Da ist wohl eher der Wunsch Vater des Gedankens.

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